Bild: Stephan Bonaventura

Die neuen Empfehlungen der Bundesregierung im Umgang mit der Pandemiebekämpfung machen klar: Es gilt jeden unnötigen Kontakt zu vermeiden. Insgesamt gelten weit stärkere Kontaktbeschränkungen als noch im Sommer, dazu kommt eine Schließung der Gastronomie und Fallzahlen auf stets hohem Niveau. Die Lust auf Stadtbummel und Shoppingtouren ist damit bei den meisten Menschen der Angst und Vorsicht gewichen.

Dagmar Pfeiffer – Foto: privat

Geht man dieser Tage durch Homburg wird schnell klar, dass hier etwas nicht stimmt. Dass die Restaurants geschlossen haben, hat nicht nur für diese selbst jede Menge negative Auswirkungen. Auch die Stadt und deren Kaufkraft insgesamt leidet. Das bleibt auch beim Homburger Stadtmarketing nicht unbemerkt, wie Amtsleiterin Dagmar Pfeiffer zu HOMBURG1 sagt: „Die Situation für die Einzelhändler ist nach wie vor schwierig. Aus Angst vor einer Ansteckung kaufen viele Kunden nur noch zielorientiert ein. Durch die Schließung der Gastronomie findet der klassische ausgedehnte Einkaufsbummel in Verbindung mit einer Einkehr im ortsansässigen Lokal ebenfalls nicht statt und dadurch sind weitaus weniger Menschen in der Stadt. Natürlich ist die Situation nicht ganz so dramatisch, wie bei der Komplettschließung im Frühjahr, dennoch verzeichnen die meisten Händler weiterhin Umsatzeinbußen aufgrund der gesunkenen Kauflaune der Kunden.“ Man hofft nun auf das Weihnachtsgeschäft, die Homburger Geschäfte insgesamt sehe man mit ihrem breiten Sortiment gut aufgestellt.

Manuela Brengel von „Manuelas Modelounge“ – Bild: Stephan Bonaventura

Doch was nutzt die beste Offline-Aufstellung, wenn der Traffic signifikant schwindet und die Läden und Fachgeschäfte zum großen Teil wie ausgestorben wirken. Auch in der Homburger Altstadt ist die Stimmung höflich gesagt nicht atemberaubend. „Wir haben wirklich einen direkten Umbruch im Kaufverhalten der Menschen gemerkt als der Teil-Lockdown und die Schließung der Gastronomie begann, erinnert sich Manuela Brengel von Manuelas Modelounge. Der Umsatzeinbruch würde im November bei über 50 Prozent liegen. „Es gibt Tage, da kommen gerade einmal zwei Kunden ins Geschäft.“ Glücklich ist sie über ihre Stammkunden, die sie ab und an mit Gutscheinkäufen unterstützen. Ganz modern bietet sie auch einen Videoeinkauf an, führt Kunden mit dem Laptop durch den Laden und zeigt ihnen so neue Ware, die sie dann auch persönlich ausliefert und den Kunden direkt nach Hause bringt. Man muss in diesen Zeiten kreativ sein.

Oft höre sie von Menschen Sätze wie: „Ihr könnt ja froh sein, dass ihr aufhaben könnt“. Der Kehrseite der Medaille ist aber, dass die Fixkosten der Inhaber wie Strom, Miete, Versicherungen und mehr auch jetzt gleich bleiben. Der Umsatz aber sinkt. Man finde den Fehler.

Der Umsatzrückgang macht sich fast quer durch die Stadt bemerkbar. „Es ist generell nicht viel los, die Kunden kommen nicht“, so beschreibt auch der Vorsitzende des Homburger Gewerbevereins Marcel Schmitt die Situation durch Rückmeldungen der Einzelhändler. Teilweise würden die Kunden sagen, dass es bequemer sei online zu bestellen, mache hätten aber auch Angst und vielen würde auch das Geld zur Shoppingtour aktuell fehlen oder sie würden sparen, denn wer weiß was noch kommt.

Bild: Stephan Bonaventura

Dass es nicht überall schlecht läuft, bestätigt Hansjörg Klein von „Papier Klein“. Das Traditionsunternehmen hat gleich mehrere Standbeine und bedient wirtschaftlich ein breites Spektrum, gerade im Bereich der Industriekunden. So könne man zur Zeit auch einen Rückgang in der Laufkundschaft im Laden kompensieren. Die Situation rund um den Rückgang im Einzelhandel allgemein und der Schließung der Gastronomie beschäftigt ihn aber trotzdem. „Die Gastronomie und die Kollegen tun mir wahnsinnig leid. Wenn jemand kein Geschäft hat, weiß er nicht was das alles bedeutet und welche Kosten daran hängen“, meint Inhaber Klein.

Ruhig geworden ist es andererseits auch bei „En Vogue“ in der Saarbrücker Straße. Der Zulauf ist nur noch sehr wenig und selbst Kunden, die Ware bestellt haben, ließen sich damit ungewöhnlicherweise viel Zeit. So schlimm der momentane Zustand ist, so schlimm ist auch der Blick in die Zukunft. Eine Abmilderung der Maßnahmen scheint nicht in Sicht. Daher reagiert man im „En Vogue“ vorsichtig. „Ich habe bisher für das Frühjahr 2021 nur wenig eingekauft und mit weniger neuer Ware geplant. Ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert wenn es insgesamt so weitergeht. Das wäre wirklich schlimm. Ich habe aber natürlich Hoffnung, dass sich die momentane Situation wieder verbessert. Auch auf das Weihnachtsgeschäft höffen wir noch sehr“, meint Inhaberin Ana Dresch.

Ana Dresch von „En Vogue“ in Homburg – Bild: Stephan Bonaventura

Der Teil-Lockdown, er ist für den Handel weitestgehend mit einem vollen Lockdown zu vergleichen. Die Unternehmer stellen sich daher die Frage: Wie kann ich selbst planen und warum wird man von der Politik so allein gelassen? Insgesamt lässt sich ein breites Unverständnis über die Unterschiedlichkeit der Maßnahmen feststellen. Viele benutzen hier das Wort „Willkür“.

Ulrike Stutz ist Vorsitzende des Vereins „Homburger Altstadt – Bild: Stephan Bonaventura

Ulrike Stutz, Vorsitzende des Verein „Homburger Altstadt“ blickt mit Sorgen in die Zukunft: „Das ist alles sehr unausgegoren. Man hat in den Sommermonaten verpasst zu überlegen, wie man am schonendsten die Verbreitung eindämmt. Hier hätten längst andere flächendeckende Konzepte entwickelt werden müssen.“ Unverständnis kommt auch von Seiten des Homburger Gewerbevereins, Marcel Schmitt: „Ich habe selbst kein Verständnis für die aktuellen Maßnahmen der Politik. Natürlich steht die Gesundheit an höchster Stelle aber die Maßnahmen führen zu keinerlei Erfolg. Es ist absolut unnötig die Bereiche zu schließen, in denen Kontrolle und Hygienkonzepte ausgearbeitet wurden. Bereiche, in denen Kontakte wirklich nachvollziehbar gemacht werden können und wo Maskenpflicht und Mindestabstand herrscht. Gerade die Gastronomie ist sehr wichtig für eine Stadt. Mit diesen Maßnahmen bekämpft man nicht die richigen Brennpunkte.“

Marcel P. Schmitt – Foto: mps.agency

Flächendeckende Entscheidungen wurden im Föderalismus in Deutschland in den letzten Monaten immer wieder durch teils erfolgreiche Klagen und entsprechende Gerichtsurteile erschwert. Seit dieser Woche hat sich das Parlament hier mehr Sicherheit durch die umstrittenen Änderungen im Infektionsschutzgesetz gesichert. Welche Auswirkungen dies auf die anstehenden Entscheidungen der Verantwortlichen in der Politik hat, lässt sich noch nicht abschätzen. Die Befürchtungen einer Maßnahmenverlängerung und sogar weiteren Verschärfungen bis hin zu einem Lockdown wie im Frühjahr, lässt die Menschen jedenfalls mit Angst und Unsicherheit zurück.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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