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Ende August 2019 wurden die neuen Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) zur Behandlung von Patienten mit Koronarer Herzkrankheit (KHK) bei der Jahrestagung in Paris vorgestellt und im European Heart Journal publiziert.

Das Dokument beschäftigt sich mit dem chronischen Koronarsyndrom, was den bisherigen Begriff der stabilen koronaren Herzkrankheit ersetzt. „Die Namensänderung trägt dem Zustand Rechnung, dass die koronare Herzkrankheit sehr akut sein kann, im Rahmen eines Herzinfarktes beispielsweise, aber auch chronisch und somit einen sehr dynamischen Zustand darstellt,“ sagt Prof. Felix Mahfoud, Leitender Oberarzt der Klinik für Innere Medizin III, Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin des Universitätsklinikums des Saarlandes, der als einer der Experten an der Erstellung der Leitlinien mitgewirkt hat. „Die Therapie des chronischen Koronarsyndroms ist lebenslang und soll vor allem eine weitere Progression der Erkrankung aufhalten und Patienten vor kardiovaskulären Ereignissen, wie z.B. einem Herzinfarkt oder einer Herzschwäche schützen.“ In diesen neuen Leitlinien wird ausdrücklich, und das deutlich intensiver als in vorherigen Dokumenten, auf die Wichtigkeit von Lebensstil-modifizierenden Maßnahmen hingewiesen, da eine ungesunde Lebensweise zu einer Entstehung eines chronischen Koronarsyndroms bzw. einer weiteren Progression beitragen kann. „Patienten sollten unbedingt mit dem Rauchen aufhören, passives Rauchen vermeiden, sich gesund ernähren mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und saturierte Fettsäuren ebenso wie Alkohol vermeiden. Das Körpergewicht sollte reduziert werden und regelmäßig 30-60 Minuten moderate sportliche Aktivität mehrfach in der Woche betrieben werden“ sagt Prof. Michael Böhm, Direktor der Klinik für Innere Medizin III am UKS.

Patienten mit koronarer Herzkrankheit haben ein zweifach höheres Risiko für Angststörungen verglichen mit gesunden Patienten. Stress, Depression und Angst sind mit einer schlechten Prognose assoziiert und können einen gesunden Lebensstil beeinträchtigen. Für diese Patienten ist eine professionelle psychoedukative bzw. psychotherapeutische Mitbehandlung empfehlenswert.

Patienten mit chronischem Koronarsyndrom bedürfen in aller Regel einer lebenslangen Medikation, zur Verhinderung von Symptomen und akuten Ereignissen, wie Herzinfarkt und kardiovaskulärem Tod. „Statine sind bei allen Patienten ebenso wie eine Plättchen hemmende Therapie bei Hochrisiko-patienten oder nach Stentimplantation empfehlenswert“, sagt Prof. Felix Mahfoud. In bestimmten Subgruppen von Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko sollten auch andere Substanzen evaluiert werden (z.B. ACE-Hemmer). „Es ist ausgesprochen wichtig, dass Patienten ihre Medikation konsequent und regelhaft einnehmen, auch wenn keine Symptome bestehen!“ sagt Prof. Mahfoud. „Eine konsequente Adhärenz zur medikamentösen Therapie sicherzustellen, ist eine vorrangige Aufgabe und sollte bei jedem Arzt-Patienten-Kontakt kritisch überprüft werden.“

Die Rekanalisation von Engstellen der Herzkranzarterien ist ein entscheidender therapeutischer Ansatz, der in den letzten Jahren aufgrund der verbesserten Stentplattformen und einer optimierten medikamentösen Therapie zunehmend an Bedeutung gewonnen hat.

In Deutschland erleiden jedes Jahr etwa 280.000 Menschen einen Herzinfarkt, laut Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes starben in Deutschland im Jahr 2015 über 49.000 Menschen infolge eines akuten Herzinfarktes. Damit liegt die KHK seit 1998 immer an zweiter Stelle der Todesursachen in Deutschland. „Die meisten Patienten klagen über Brustschmerzen unterschiedlicher Stärke und Qualität. Die Schmerzen können in die Arme, den Hals, die Schultern, den Bauch oder Rücken ausstrahlen. Aber auch eine abnehmende Belastbarkeit kann ein Hinweis auf eine koronare Herzkrankheit sein. Sollte eines dieser Symptome bei Ihnen auftreten empfehlen wir Ihnen mit Ihrem Arzt in Kontakt zu treten“, empfiehlt Böhm.

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