Auch in diesem Jahr stellte der Verein der Freunde des UKS Anfang Dezember wieder 20.000 EURO als Preisgeld für 6 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Verfügung. Hauptzweck des Vereins der Freunde des UKS, der 1999 gegründet wurde, ist die Vergabe von Forschungspreisen an junge Wissenschaftler des UKS und der Medizinischen Fakultät in Homburg.

In 23 Jahren kamen insgesamt über eine halbe Million EURO an Preisgeldern zusammen! Darunter eine Großspende über 100.000 € der Firma Dr. Theiss Naturwaren. Damit zählt dieser Preis zu den großen Forschungspreisen des Saarlandes. Finanziert werden die Forschungspreise insbesondere durch Mitgliedsbeiträge, private Spenden und Vermächtnisse. Auch diesmal kamen hohe Spenden der Firma Dr. Theiss Naturwaren und von Herrn Ralph Marx, ehem. Vorstandsmitglied der KSK, hinzu.

Aus sehr guten Anträgen hat der Forschungsbeirat unter der Leitung von Prof. Dr. Axel Mecklinger die vier besten Arbeiten ausgewählt.

Der erste Forschungspreis in Höhe von 7000 € wurde PD Dr. med. Lorenz Thurner von der Klinik für Innere Medizin I – Onkologie, Hämatologie, Klin. Immunologie und Rheumatologie für sein Thema -Neue Aspekte zur Therapie von B-Zell-Lymphomen- verliehen.

Forschungspreis 2 in Höhe von 7000 € erhielten Dr. med. Massod Abu-Halima und Lea Becker vom Institut für Humangenetik zum Thema -Verbesserung der Therapie bei männlicher Unfruchtbarkeit-.

Der dritte Forschungspreis in Höhe von 3000 € ging an PD Dr. med. Philipp Hendrix und Prof. Dr. rer. nat Yvonne Dzierma aus der Klinik für Neurochirurgie und der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie für ihre Forschung zur -Verbesserung der Lebensqualität bei malignen Hirntumoren mittels der navigierten transkraniellen Magnetstimulation.

Dr. rer. nat Sybelle Goedicke-Fritz aus der Klinik für Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie wurde mit dem vierten Forschungspreis in Höhe von 3000 Euro ausgezeichnet. Sie beschäftigt sich mit der Verbesserung der Diagnose von Infektionen bei Frühgeborenen mittels Inkubatoren mit einer „elektronischen Nase.“

Da aufgrund der Corona-Pandemie eine öffentliche Verleihung dieser Preise in diesem Jahr nicht möglich war, erfolgte die Übergabe der Preise im kleinen Kreis. „Wir hoffen, dass sich die Preisträger dann nächstes Jahr öffentlich vorstellen können. Wir möchten mit dieser Übergabe ein Zeichen setzen, dass gerade in einer derartigen Krise Forschung unerlässlich ist.“

Die Forschungen im Detail:

PD Dr. Lorenz Thurner – Foto: Koop

PD Dr. Lorenz Thurner beschäftigt sich mit der Immunantwort bei Lymphdrüsenkrebs. T-Zellen mit chimären Antigenrezeptoren (CAR-T-Zellen) stellen die derzeit modernste und fortschrittlichste Immuntherapie in der Hämatologie dar und werden für rezidivierte Lymphdrüsenkrebserkrankungen und Leukämien eingesetzt. Hierzu werden T-Zellen zunächst dem Patienten entnommen, dann gentechnisch umprogrammiert, so dass sie gezielt Zellwand-Strukturen von Krebszellen angreifen, und in dieser modifizierten Form dem Patienten zurück-transfundiert. Leider können CAR-T-Zellen schwere, v.a. akute Nebenwirkungen hervorrufen und nicht alle Patienten können geheilt werden. Die Arbeitsgruppe um PD Dr. med. Lorenz Thurner vom José-Carreras-Center für Immun- und Gentherapie der Klinik für Innere Medizin I unter Leitung von Professor Stephan Stilgenbauer hat in den letzten Jahren spezifische Zielstrukturen (Antigene) von Rezeptoren verschiedener Lymphdrüsenkrebserkrankungen (Lymphome) identifiziert, was dieses Jahr mit dem Artur Pappenheim-Preis der deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie honoriert wurde. In dem aktuellen Projekt soll nun untersucht werden, ob mithilfe dieser Antigene CAR-T-Zellen noch zielgerichteter und wirksamer gegen Lymphom-Zellen ausgerichtet werden können, um eventuell die Wirksamkeit zu erhöhen und die Nebenwirkungen zu reduzieren.

Hervorgehoben werden muss bei diesem geplanten translationalen Projekt die Team-Arbeit zwischen Klinik und Labor sowie zwischen verschiedenen Fachdisziplinen wie Innerer Medizin, Pathologie und Biophysik: am José-Carreras-Center der Inneren Medizin I sind neben PD. Dr. med. Lorenz Thurner v.a. Dr. med. Moritz Bewarder, Natalie Fadle, Evi Regitz, Claudia Schormann, Vadim Lesan, Zanir Abdi, PD Dr. rer. nat. Frank Neumann und Dr. rer. nat. Klaus-Dieter Preuss beteiligt, am Institut für Biophysik in Homburg die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. rer. nat. Markus Hoth v.a. mit Dr. rer. nat. Eva Schwarz sowie Prof. Dr. med. Rainer-Maria Bohle von der Pathologie in Homburg und als externe Kooperationspartner die Referenzpathologen Prof. Dr. med. Sylvia Hartmann und Prof. Dr. med. Martin-Leo Hansmann.

Dr. Masood Abu-Halima – Foto: Koop
Lea Becker – Foto: Koop

Dr. Masood Abu-Halima und Lea Becker (Doktorandin) erforschen die genetischen Ursachen der männlichen Unfruchtbarkeit. Weltweit sind 48,5 Millionen Paare, von einem unerfüllten Kinderwunsch betroffen und suchen medizinische Hilfe. In 20-30% der Fälle liegt der Hauptgrund für die Kinderlosigkeit in der männlichen Unfruchtbarkeit (Infertilität) begründet. Die genauen Ursachen sind in 30-40 % der Fälle unbekannt und ihre Aufklärung ist demnach von großer wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Wichtigkeit. Dr. Masood Abu-Halima und Lea Becker stellten daher die Infertilität, besonders den männlichen Faktor, ins Zentrum ihrer bisherigen Forschung am Institut für Humangenetik. Sie beschäftigten sich vor allem mit der genetischen Aufklärung der Infertilität mittels kleiner, regulatorischer RNA-Moleküle (miRNA). Diese miRNA regulieren Zielgene in dem sie deren Vorkommen in ihrer Menge auf dem Weg von DNA zum Protein verringern. MiRNA besitzen ein enormes regulatorisches Potential. Eine einzige miRNA kann hunderte von Zielgenen regulieren, während im Umkehrschluss ein Gen das Ziel hunderter miRNA sein kann. Sie kommen in den unterschiedlichsten Geweben und Körperflüssigkeiten vor, so auch in Hodengewebe, Spermien und Seminalplasma. Das Vorkommen von miRNA kann neben den „natürlichen“ Unterschieden je nach Örtlichkeit im Körper auch in Erkrankungen verändert vorliegen. Daher ist eine Nutzung von miRNA als diagnostischer Marker oder als Angriffspunkt für verschiedene Therapien absolut sinnvoll. Besonders die miR 19b 3p ist in der vorangegangenen Forschung im Zusammenhang mit männlicher Infertilität identifiziert worden. Die Arbeit der beiden Forscher soll zum Verständnis der biologischen Effekte von miRNA beitragen und ein umfassendes Netzwerk der regulatorischen miR 19b-3p und ihrer Zielgene schaffen. Die Zielgene der miRNA werden bioinformatisch gesucht, ihre Bindestellen experimentell bestätigt und ihr Effekt auf Transkript- und Protein-Ebene der Zielgene untersucht. Durch die Analyse der Interaktion von miR-19b-3p mit seinen Zielgenen, trägt diese Forschung zu einem umfassenden Bild der miR-19b-3p gesteuerten Regulation der Spermatogenese und seiner Rolle in der männlichen Infertilität bei und legt somit einen wichtigen Grundstein zukünftiger Studien, deren Fokus auf der Identifikation von diagnostischen Markern und Therapien für männliche Infertilität liegt.

PD Dr. Philipp Hendrix – Foto: Koop
Prof. Dr. Yvonne Dzierma – Foto: Koop

PD Dr. Philipp Hendrix und Prof. Dr. Yvonne Dzierma befassen sich mit den Folgen der Strahlentherapie bei malignen Gehirntumoren. Die beiden häufigsten bösartigen Gehirntumoren des Erwachsenen sind Hirnmetastasen und Glioblastome. Die möglichst maximale Resektion und optimale dosimetrische Strahlentherapie stellen einen elementaren Teil der Behandlung solcher Malignome dar. Ebenso wichtig sind jedoch bei beiden Therapieansätzen die Schonung der motorischen Areale, um keine Funktionsverschlechterung zu verursachen. Der Erhalt der Bewegungsfunktion geht mit besserer Lebensqualität und vermutlich besser erhaltener Kognition der Patienten einher.
Der Einsatz der navigierten transkraniellen Magnetstimulation (nTMS) gehört am UKS zur perioperativen Routinediagnostik bei Patienten mit motor-eloquent gelegenen Hirntumoren. Mit der nTMS wird nicht-invasiv, vor der Operation, durch gezielte Magnetimpulse der Motorkortex der Patienten im 3D-MRT kartiert. Lagebeziehungen zwischen Tumor und wichtigen, funktionstüchtigen Hirnarealen unterstützen den Operateur bei der Planung und Durchführung der Operation. Kürzlich konnte gezeigt werden, dass der Einsatz dieser noch relativ jungen präoperativen Diagnostik dazu beitragen kann, eine bessere Rate an Komplettresektionen zu erreichen. Zusätzlich wurde der Einsatz dieser individuellen Hirnkartierung in die Bestrahlungsplanung von Malignompatienten an ersten Beispielen implementiert. Hier konnte bestätigt werden, dass im Rahmen der adjuvanten Radiotherapie durch die nTMS die Strahlendosis auf motor-eloquente Areale reduziert werden kann ohne die Zieldosis des Strahlengebietes einzubüßen. In weiteren Untersuchungen soll nun studiert werden, wie sich ein durch nTMS-Kartierung optimiertes Behandlungskonzept der Neurochirurgie und Strahlentherapie auf die motorische Funktion, Lebensqualität und Kognition der Patienten während des Krankheitsverlauf auswirkt.

Dr. Sybelle Goedicke-Fritz – Foto: Koop

Dr. Sybelle Goedicke-Fritz arbeitet an der Messung flüchtiger organischer Verbindungen in der Atemluft von Frühgeborenen. Wie eine Statistik der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2012 zeigt, wird mehr als jedes zehnte Kind vor dem eigentlichen Termin geboren, also jährlich 15 Millionen Kinder weltweit. Als Frühgeborene gelten Kinder, die vor der vollendeten 36. Woche zur Welt kommen und weniger als 2500 Gramm wiegen. Die meisten Frühgeborenen werden zwischen der vollendeten 32. und vollendeten 36. Schwangerschaftswoche geboren, 1,6 Millionen Kinder früher, zwischen der 28. und der 32. Woche und 780 000 Kinder sogar „extrem früh“, vor der 28. Woche. Schmerzhafte Eingriffe wie Venenpunktionen erhöhen bei sehr kleinen Frühgeborenen das Risiko von Hirnblutungen und führen aufgrund des Blutverlustes zu einem erhöhten Transfusionsbedarf. Laboruntersuchungen nehmen zudem oftmals längere Zeit in Anspruch. Die nicht-invasive Diagnostik ist also besonders bei Früh- und Neugeborenen von überaus großer Bedeutung, da invasive Untersuchungen wie Blutentnahmen so weit wie möglich vermieden werden sollen. Eine Möglichkeit der nicht-invasiven Diagnostik ist die Analyse sogenannter flüchtiger organischer Verbindungen (Volatile organic compounds, VOC), die mit jedem Atemzug eines Lebewesens abgeatmet werden. Diese VOC bestehen zu einem großen Teil aus Metaboliten, die aus dem körpereigenen Stoffwechsel stammen und können so wichtige Informationen über die Art und Aktivität sowie über den Zustand des Organismus geben. Wir haben eine bettseitige Methode etabliert, die die Charakterisierung von VOC-Profilen in der neonatalen Inkubatoratmosphäre mittels Ionenmobilitätsspektrometrie ermöglicht (Steinbach et al 2019). Diese Technik hat das Potenzial, innerhalb von Minuten Ergebnisse zu liefern. Die im Forschungslabor der Klinik für Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie neu etablierten Messverfahren mit der sogenannten elektronischen Nase (e-Nose) und der Ionenmobilitätsspektrometrie (IMS) schaffen nun ganz neue Möglichkeiten in der nicht-invasiven Diagnostik von Erkrankungen anhand von VOC an unterschiedlichsten humanen Proben. Die risikofreie Anwendung der elektronischen Nase (Cyranose 320) und des IMS, die ohne eine zusätzliche Belastung für den Patienten erfolgt, macht es für eine Vielzahl medizinischer Fragestellungen ausgesprochen interessant.

 

 

 

 

 

Vorheriger ArtikelGeburtenzahl in den ersten drei Quartalen 2020 leicht rückläufig
Nächster ArtikelFDP: Land muss Corona-Schutz in Pflegeheimen unverzüglich verbessern

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte kommentieren sie.
Bitte geben sie ihren Namen ein.