Symbolbild

Hat der Verbrennungsmotor eine Zukunft? Diese Frage beschäftigt viele tausend Arbeitnehmer in unserer Region. Eine Diskussionsveranstaltung des saarländischen Wirtschaftsministeriums kam zu dem Ergebnis: Ja, und zwar mit einer bestimmten Lösung. Doch die hat einen Haken.

„Der soziale Frieden muss Bestand haben in diesem Land, das sollten wir immer berücksichtigen.“ Es war dieser eine Satz, der nach rund zwei Stunden Diskussion noch einmal klar vor Augen führte, worum es bei der Debatte um mögliche klimafreundliche Antriebsarten auch geht: die abertausenden Menschen, die in ganz Deutschland in der Automobilindustrie beschäftigt sind. Kein Wunder, dass dieser Satz von einem Arbeitnehmervertreter, nämlich dem Betriebsratschef bei Bosch in Homburg, Oliver Simon, kam.

3.600 Menschen arbeiten in Homburg alleine bei Bosch, die meisten von ihnen haben direkt oder indirekt mit dem Verbrennungsmotor zu tun. Der steht jedoch aufgrund verschiedener politischer Zielvorgaben vor dem Aus: Allen voran die Klimaziele sorgen dafür, dass Verbrennungsmotoren, die mit fossilen Brennstoffen angetrieben werden, in Zukunft keine Rolle mehr auf dem Automarkt spielen werden. Doch es gibt eine Hoffnung für die Beschäftigten bei Zulieferern und Automobilkonzernen: E-Fuels.

Foto: Bosch

Diese standen im Mittelpunkt einer digitalen Diskussionsveranstaltung, die vom saarländischen Wirtschaftsministerium organisiert worden war. Dabei wurden Herstellung und Zukunftsaussichten der E-Fuels beleuchtet. E-Fuels sind synthetische Kraftstoffe, die mithilfe von CO2 und Wasserstoff hergestellt werden und bei Verbrennern zum Einsatz kommen können. „Zur Herstellung nehmen wir erneuerbaren Wasserstoff und irgendeine CO2-Quelle und daraus wird mittels einer Technologie ein E-Fuel,“, erklärt Prof. Matthias Brunner von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW). „Zwar stößt das Auto trotzdem noch CO2 aus, doch wird dieses letztlich nur im Kreis gefahren.  Damit ist der Kraftstoff klimaneutral.“

Das hört sich zunächst gut an. Doch es gibt ein großes Problem: Man benötigt Wasserstoff, der mithilfe des extrem energieintensiven Elektrolyseverfahrens klimaneutral, das heißt mit erneuerbaren Energien, produziert werden muss. Es herrschte jedoch Einigkeit in der Runde, dass es in Deutschland nicht genug erneuerbarer Energien gibt, die für die Produktion von sogenanntem „grünen“ Wasserstoff genutzt werden können. Sonne und Wind sind hier schlicht nicht stark genug und auch die Widerstände in der Bevölkerung, beispielsweise gegen Windräder, kurzfristig zu groß.

Eine Lösung für dieses Problem stellte Karl Dums von Porsche vor. Das Unternehmen möchte E-Fuels in Chile herstellen. „Dort gibt es beispielsweise eine deutlich niedrigere Bevölkerungsdichte als bei uns und die Energiekosten sind dort deutlich niedriger.“ Selbst bei Hinzuziehung der Transportkosten sei der dort produzierte Kraftstoff am Ende immer noch günstiger als der in Europa hergestellte. Und der Transport ist ein entscheidendes Argument für die E-Fuels, denn diese können deutlich besser transportiert werden als beispielsweise Wasserstoff. Ein weiterer Vorteil: die Infrastruktur, wie zum Beispiel Tankstellen oder Raffinerien, ist schon vorhanden und könnte weitergenutzt werden.

Dennoch ist klar: die Technologie ist aufgrund der Menge der Energie, die benötigt wird, sehr teuer. Das ist schließlich auch das Hauptproblem bei synthetischen Kraftstoffen. Nach Meinung der Experten in der Runde, müsste die Politik deshalb diese Antriebsart mehr fördern. „Wir brauchen einfach Technologieoffenheit“, fordert Dr. Carsten Meier, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Saarland (IHK). „Dazu benötigt es beispielsweise Förderprogramme oder steuerliche Vorteile.“ Meier richtete seinen Appell dabei weniger an die saarländische Landesregierung. „Wir brauchen Rückenwind auf politischer Ebene und das vor allem auf Bundesebene und in Europa.“ Im Saarland sei dieser vorhanden.

Das unterstrich auch der Staatssekretär im saarländischen Wirtschaftsministerium, Jürgen Barke. „Die Batterietechnik wird genauso wenig für alle Formen der Mobilität zur Anwendung kommen können, wie die Wasserstofftechnologie. Deshalb können E-Fuels einen wichtigen Beitrag leisten.“ Doch nicht nur deshalb könnten E-Fuels noch wichtig werden. Denn auch die Klimaziele seien nur mit E-Autos kurzfristig nicht zu erreichen, wie HTW-Professor Brunner vorrechnete. „Bis die E-Mobilität klimaneutral wird, muss man erstmal 100.000 Kilometer mit einem solchen Auto zurücklegen. Die Zeit haben wir aber nicht.“

So könnten also mithilfe der E-Fuels nicht nur Arbeitsplätze gerettet werden, sondern auch das Klima. Ob diese Argumentation jedoch in der Politik Gehör finden wird, scheint fraglich. Schließlich konzentriert man sich in Berlin vor allem auf die E-Mobilität. „Wir brauchen aber eine Förderung für alle Antriebe“, findet der Homburger Bosch-Betriebsratschef Simon. Ansonsten wären wohl nicht wenige Arbeitsplätze in Homburg bedroht.

Video extern (Bosch Studie: Klimaneutrale Autos mit synthetischen Kraftstoffen):

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