Foto: FC 08 Homburg
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Ein Punkt auf dem Bieberer Berg ist normalerweise kein Ergebnis, über das man sich beim FC 08 Homburg lange ärgern müsste. Nach dem 2:2 bei Kickers Offenbach sah das am Freitagabend anders aus. Der FCH hatte einen Rückstand gedreht, führte bis in die Schlussphase – und kassierte in der 87. Minute doch noch den Ausgleich. Wieder war ein couragierter Auftritt am Ende weniger wert, als er hätte sein können.

Roland Seitz brauchte nach dem Schlusspfiff nicht lange nach einer Beschreibung zu suchen. „Gleiche Schallplatte wie die letzten Wochen auch“, sagte der Homburger Trainer. Seine Mannschaft sei erneut in Rückstand geraten, habe „große Mentalität, Charakter“ gezeigt und vor der Offenbacher Kulisse stark dagegengehalten. „Wir müssen das Ding einfach durchziehen und uns einfach mal belohnen.“ Genau das ist nach elf Spieltagen der Punkt. Mit 16 Zählern steht Homburg auf Rang acht. Das ist gemessen an den bisherigen Leistungen zu wenig. Nicht, weil der FCH zwingend um die Meisterschaft spielen müsste. Daran sollte diese Mannschaft auch nicht gemessen werden. Sehr wohl aber daran, was sie aus ihren eigenen Möglichkeiten macht.

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Die Rechnung ist dabei so einfach wie ärgerlich. Gegen die Stuttgarter Kickers vergab Homburg in der Nachspielzeit per Elfmeter den möglichen Ausgleich. Gegen Hessen Kassel fiel mit der letzten Aktion das 2:2. In Offenbach hielt die 2:1-Führung bis zur 87. Minute. Allein diese drei Spiele stehen für fünf mögliche zusätzliche Punkte. Mit 21 Zählern läge der FCH aktuell auf Rang drei und nur zwei Punkte hinter Spitzenreiter Freiberg. Doch diese Punkte stehen eben nicht auf dem Konto. Und auch mit ihnen wäre nicht plötzlich alles gut. Spielerisch gibt es weiterhin Phasen, in denen der FCH zu wenig Kontrolle entwickelt und im letzten Drittel die letzte Konsequenz fehlt. 15 eigene Treffer nach elf Spieltagen sind für eine Mannschaft, die sich im oberen Drittel etablieren will, schlichtweg zu wenig.

In Offenbach war die Chancenverwertung allerdings nicht das Hauptproblem. Homburg machte aus seinen Möglichkeiten diesmal deutlich mehr. Marc Ehrhart traf noch vor der Pause zum 1:1, Nicolas Andermatt drehte die Partie im zweiten Durchgang. Ehrhart hob anschließend vor allem die Haltung der Mannschaft hervor: „Wir haben super gekämpft, die Gegebenheiten heute angenommen.“ Auch die wenigen Chancen habe der FCH diesmal genutzt – anders als in einigen Spielen zuvor.

Dass der Auftritt Eindruck hinterließ, zeigte auch die Einschätzung von Offenbachs Trainer Mark Zimmermann. Für ihn war Homburg bislang „die härteste Nuss“ unter den Gegnern auf dem Bieberer Berg. Der FCH arbeite intensiv, suche die Zweikämpfe und trete inzwischen anders auf als noch zu Saisonbeginn. Das ist ein bemerkenswertes Lob – und zugleich ein weiterer Hinweis darauf, dass die Mannschaft sportlich näher an den oberen Plätzen ist, als es Rang acht vermuten lässt.

Umso ärgerlicher ist, dass ausgerechnet ein bekanntes Problem den Sieg kostete. Beide Offenbacher Treffer fielen nach ruhenden Bällen. Beim 1:0 war es der zweite Strafstoß binnen weniger Minuten, beim späten 2:2 ein Freistoß, der nicht konsequent genug verteidigt wurde. Gerade dieser Ausgleich passt in ein Muster, das sich inzwischen durch die Saison zieht: Der FCH ist bei Standards und hohen Bällen in den eigenen Strafraum zu anfällig. Simon Joachims sprach genau das nach dem Spiel an. „Es ist dann halt vielleicht das eine Tor, also der eine Standard, den wir im Moment noch nicht verteidigen können.“ Wenn man kurz vor Schluss 2:1 führe, müsse man „das Spiel sauber zu Ende spielen und gewinnen“.

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Damit sind die beiden auffälligsten Baustellen ziemlich klar benannt. Offensiv muss Homburg aus seinem Aufwand dauerhaft mehr Tore machen. Defensiv müssen Standards konsequenter verteidigt werden. Hinzu kommt ein dritter Punkt, der zuletzt mehrfach entscheidend war: Führungen müssen früher abgesichert werden. Seitz sah auch in Offenbach wieder Umschaltmomente, in denen das mögliche 3:1 nicht sauber ausgespielt wurde. Gleichzeitig forderte er, einen knappen Vorsprung dann eben „mit aller Macht“ zu verteidigen. Eine einfache Erklärung dafür, weshalb sich die späten Punktverluste wiederholen, hat auch der Trainer nicht. „Wenn wir es wissen würden, würden wir es abstellen“, sagte Seitz. Sein Fazit war entsprechend nüchtern: „Du musst halt so ein Spiel dann 2:1 gewinnen.“

Die fünf hypothetischen Punkte zeigen deshalb vor allem eines: Der Abstand zu den oberen Plätzen ist kleiner, als die Tabelle vermuten lässt. Sie dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich bestimmte Fehler inzwischen wiederholen. Wer dauerhaft weiter vorne stehen will, muss solche Spiele irgendwann auch über die Ziellinie bringen.

Dass die Grundlage dafür vorhanden ist, hat der FCH auf dem Bieberer Berg erneut gezeigt. Homburg hielt gegen einen starken Gegner dagegen, steckte den Rückstand weg, drehte die Partie und hätte den Sieg durchaus verdient gehabt. Auch Seitz war deshalb trotz aller Enttäuschung weit davon entfernt, den Auftritt grundsätzlich schlechtzureden: Wenn man nach einem Unentschieden in Offenbach unzufrieden sei, habe die Mannschaft „eigentlich einen tollen Job gemacht“.

Nur reicht ein guter Job allein eben nicht für die Tabelle. Dort stehen nach elf Spieltagen 16 Punkte und Rang acht. Am kommenden Sonntag gegen die zweite Mannschaft des SC Freiburg wartet die nächste Gelegenheit, aus einem ordentlichen Auftritt wieder drei Punkte zu machen.

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