Wie gelingt es, Kinder mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen gemeinsam zu unterrichten? Antworten darauf suchte Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot in Homburg-Erbach. Dort besuchte sie die Oberlin-Schule und die Siebenpfeiffer-Schule, um sich selbst ein Bild davon zu machen, wie die neue Förderschulverordnung im Schulalltag ankommt.
Die Ministerin blieb nicht bei einem Rundgang stehen. Sie hospitierte im Unterricht der gemeinsamen Kombiklassen und tauschte sich mit den Schulleitungen über ihre Erfahrungen aus. Dabei ging es um die konkreten Chancen, aber auch um die Hürden, die eine gemeinsame Förderung mit sich bringt.
„Kinder brauchen eine Schule, die sich an ihren Bedürfnissen orientiert“, betonte Streichert-Clivot. Die neue Verordnung schaffe dafür die Voraussetzungen: mehr Spielraum für individuelle Förderung, eine engere Zusammenarbeit der Schulen und mehr wohnortnahe Angebote für Familien. In Homburg werde dieser Anspruch konkret. „Unser Ziel ist klar: Jedes Kind soll die Unterstützung bekommen, die es braucht, um seine Fähigkeiten zu entfalten – unabhängig davon, welchen Förderbedarf es hat und wo es wohnt.“

Die beiden Schulen gehen schon länger einen gemeinsamen Weg. Die Oberlin-Schule setzt ihren Schwerpunkt auf die geistige Entwicklung, die Siebenpfeiffer-Schule auf den Bereich Lernen. Seit Frühjahr 2024 arbeiten beide eng zusammen. Aus ersten Projekten im Lernstudio „SiebOb“ entwickelten sich Kombiklassen, in denen Kinder mit verschiedenen Unterstützungsbedarfen Seite an Seite lernen. Nach dem Start der ersten dieser Klassen im Schuljahr 2025/26 kam zum aktuellen Jahrgang eine zweite hinzu.
Diese Kooperation gilt als Vorstufe zu einem gemeinsamen Förderschulcampus. An einem Standort sollen dort künftig unterschiedliche Förderschwerpunkte gebündelt werden – und zugleich die Zusammenarbeit mit den Regelschulen in der Region wachsen. Einen weiteren Baustein hat die Siebenpfeiffer-Schule seit dem Schuljahr 2026/27 ergänzt: Im Rahmen eines Schulversuchs bietet sie nun auch den Förderschwerpunkt Sprache an. Zehn Kinder besuchen dort eine Eingangsklasse, wodurch weite Schulwege entfallen.
Hinter den Homburger Beispielen steht die neue Förderschulverordnung, die mit dem Schuljahr 2026/27 in Kraft getreten ist. Sie legt die Grundlage für die Weiterentwicklung der sonderpädagogischen Förderung im Saarland. Dazu zählen vor allem die engere Verzahnung verschiedener Förderschwerpunkte, wohnortnahe Angebote und flexiblere Übergänge zwischen den Bildungsgängen.
Auch inhaltlich verändert sich einiges. Informatik wird als Pflichtfach verankert, der Klassenrat stärkt die demokratische Mitbestimmung der Schülerinnen und Schüler. Hinzu kommt, dass die Abschlussmöglichkeiten an Förderschulen erweitert und vereinheitlicht werden – ein Schritt, der Durchlässigkeit und Perspektiven für die Kinder und Jugendlichen verbessern soll.




















