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Es gibt Ehrungen, bei denen erklärt werden muss, warum sie vergeben werden. Und es gibt solche, bei denen die Begründung im Grunde seit Jahren vor aller Augen liegt. Am Mittwoch wurde Giuseppe Nardi im Festsaal der Saarländischen Staatskanzlei die Professorenwürde ehrenhalber verliehen. Gewürdigt wurde damit ein Engagement, ohne das das kulturelle Leben im Saarland, und ganz besonders in Homburg, an vielen Stellen anders aussehen würde. Wahrscheinlich vor allem: deutlich grauer.

Natürlich ist Giuseppe Nardi ein erfolgreicher Unternehmer. Einer, der aus einer Ausbildung bei Dr. Theiss Naturwaren eine außergewöhnliche berufliche Laufbahn gemacht hat und heute an der Spitze einer international tätigen Unternehmensgruppe steht. Doch wer in Homburg über Giuseppe Nardi spricht, landet schnell auch bei etwas anderem.

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Bei Konzerten. Bei Festen. Bei Kultur. Bei sozialen Projekten. Beim Homburger Musiksommer, bei klassischer Musik mitten in der Stadt, bei der Festa Italiana, bei Benefizveranstaltungen. Und immer wieder bei Ideen, bei denen irgendwann die Frage auftaucht: Wer hilft eigentlich dabei, dass so etwas möglich wird? Sehr häufig lautet ein Teil der Antwort: Giuseppe Nardi.

Entsprechend persönlich fiel die Feierstunde in Saarbrücken aus. David Lindemann, Chef der Staatskanzlei und selbst Homburger, beschrieb Nardi als „einen Mann, der das Leben schöner und leichter macht“. Was ihn besonders auszeichne, sei seine nahezu unerschöpfliche Hilfsbereitschaft. „Dass man von dir ein Nein hört, passiert fast nie“, sagte Lindemann.

Dazu hob er einen Punkt hervor, der an diesem Nachmittag immer wieder eine Rolle spielte: Nardis Erfolg habe nicht dazu geführt, dass er sich von seinem Umfeld entferne. „Bei dir ist es genau umgekehrt. Je erfolgreicher du wirst, desto mehr Zuwendung lässt du deinem Umfeld zuteil werden und desto aufmerksamer bist du für dein Umfeld.“

Ministerpräsidentin Anke Rehlinger ließ es sich nicht nehmen, kurz bei der Feierstunde vorbeizuschauen. Unter den Gästen waren außerdem Innenminister Reinhold Jost, Landrat Frank John, Homburgs Oberbürgermeister Michael Forster, Nardis Frau Donatella, seine Eltern, die Familie und zahlreiche Freunde und Wegbegleiter.

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Eine Lebensgeschichte, die nicht in der Vorstandsetage beginnt

Die Laudatio hielt Kulturministerin Christine Streichert-Clivot. „Es gibt Menschen, die durch ihren beruflichen Erfolg beeindrucken. Andere, die sich mit großem Engagement für ihre Mitmenschen einsetzen. Und dann gibt es Menschen, die beides auf sehr bemerkenswerte Art und Weise miteinander verbinden“, sagte sie. Giuseppe Nardi gehöre zweifellos zu diesen Menschen.

Sie begann bewusst nicht mit Geschäftszahlen, sondern mit seiner Familiengeschichte. Nardis Vater kam 1957 mit 18 Jahren aus Kalabrien nach Deutschland, um zu arbeiten und seine Familie zu unterstützen. Bereits einen Tag nach der Ankunft im Saarland fand er eine Stelle im Gleisbau. Seinem Sohn vermittelte er früh, wie wichtig Fleiß, Bildung und Zusammenhalt sind. Eigentlich sollte Giuseppe Nardi einmal studieren. Doch als dem Vater Arbeitslosigkeit drohte, entschied sich der damals 17-Jährige, die Familie zu unterstützen. 1984 begann er eine Ausbildung bei Dr. Theiss Naturwaren in Homburg.

Der weitere Weg: früh Verantwortung, 1995 geschäftsführender Gesellschafter, später Mehrheitseigentümer. Heute arbeiten rund 2.000 Menschen für die Unternehmensgruppe, deren Produkte in mehr als 60 Ländern erhältlich sind. Aber Streichert-Clivot machte deutlich: Die eigentliche Begründung für die Professorenwürde beginnt dort erst.

„Deshalb bin ich geprägt, zu teilen von dem, was ich erreicht habe“

Denn Nardi hat nie einen Hehl daraus gemacht, wie sehr ihn seine Kindheit geprägt hat. Die Ministerin erinnerte an seinen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Homburg im vergangenen Jahr, bei dem er erzählte, was ihm als Kind schon ein geschenktes Trikot oder eine Einladung zum Essen bedeutet haben. „Deshalb bin ich geprägt, zu teilen von dem, was ich erreicht habe.“ Dieser Satz erkläre sein gesellschaftliches Engagement besser als jede lange Aufzählung seiner Verdienste, so Streichert-Clivot. Und diese Liste wäre tatsächlich lang.

Von der Festa Italiana bis zum Klassik Open Air

Gerade in Homburg ist Nardis kulturelles Wirken über Jahrzehnte sichtbar geworden. 1994 begann die Geschichte der Festa Italiana. Aus der Idee wurde eine Veranstaltung, die über viele Jahre das kulturelle Leben der Stadt prägte und weit über Homburg hinaus Menschen begeisterte: mit Musik, Tanz, gutem Essen und italienischen Künstlern. Für die Ministerin war die Festa mehr als ein großes Fest. Sie sei „gelebte deutsch-italienische Freundschaft“ gewesen und ein Beispiel dafür, wie Kultur Menschen unterschiedlicher Herkunft verbinden kann.

Aus diesem Umfeld entstand das Homburger Klassik Open Air: großes Orchester, ein Sommerabend mitten in der Stadt, Menschen, die vielleicht noch nie ein klassisches Konzert besucht haben. Und genau hier liegt ein wesentlicher Teil dessen, was Nardis Engagement besonders macht. Es geht nicht allein darum, Kultur zu finanzieren. Es geht darum, sie zugänglich zu machen.

Kultur nicht für einen kleinen Kreis

Das formulierte Nardi in seiner Rede selbst sehr deutlich. Als junger Mensch habe ihn der Zugang zu einer kleinen, günstigen Bibliothek geprägt, in der er unzählige Bücher las. „Der Zugang zu dieser Kultur, zu dieser Bildung, das hat mich immer beflügelt und gestärkt, in dem Engagement, das auch möglichst vielen anderen Menschen zukommen zu lassen.“

Einen Teil seines beruflichen Erfolgs führt er direkt darauf zurück: Durch die Literatur habe er gelernt, „in Bildern zu denken“. Das habe ihn später bei Produkten, Werbeslogans und Fernsehspots begleitet, obwohl er nie Marketing studiert habe. „Das Geld, das ich verdiene, das gebe ich ehrlich zu, möchte ich auch mit vielen Menschen teilen“, sagte er. Es gehe ihm nicht darum, es anzuhäufen, er wolle auch andere motivieren, etwas weiterzugeben. Deshalb fördere er keine teuren Konzerte: „Wir versuchen ganz nah an den Menschen zu bleiben.“

Wie ernst er das meint, beschrieb ein Beispiel. Beim Klassik Open Air könne man ein klassisches Konzert besuchen, und wer nur zuhören wolle, sei als Zaungast willkommen, da werde keiner heimgeschickt. Besonders berühre ihn, Menschen zu sehen, „die noch nie ein klassisches Konzert gesehen haben und das noch nie gehört haben und dann plötzlich so begeistert sind von diesem Erlebnis, wenn ein Sinfonieorchester spielt“. Darin steckt vermutlich der Kern seines kulturellen Engagements: Kultur soll nicht exklusiv sein, sondern mitten in die Stadt.

Vieles in Homburg trägt seine Handschrift

Wie breit das inzwischen reicht, zählte die Ministerin auf: das Homburger Symphonieorchester, die Internationalen Kammermusiktage, die Musikfestspiele Saar, der Homburger Musiksommer, Künstler und Ensembles bis hin zum Ballett des Saarländischen Staatstheaters. Dazu kommen das Lesefest HomBuch, die Arbeit der Siebenpfeiffer-Stiftung und ein Buchprojekt zur Demokratiegeschichte der Region.

Nardi setzte sich außerdem für historische Gebäude in Homburg ein und schob immer wieder neue Veranstaltungen an. Erst in diesem Jahr kam mit dem Tanz in den Mai ein weiteres Projekt hinzu. „Sie haben zahlreiche kulturelle Initiativen unterstützt und mitgestaltet, und Sie hören einfach nicht damit auf“, sagte Streichert-Clivot. Ihre Bitte als Kulturministerin war entsprechend eindeutig: „Bitte hören Sie nie damit auf.“

Und Kultur ist nur ein Teil

Dass die Ehrung nicht allein für kulturelles Engagement vergeben wurde, machte die Laudatio ebenfalls deutlich. Da ist die Homburger Suppenküche, bei der gemeinsames Kochen, Begegnung und Hilfe zusammenkommen. Allein im vergangenen Jahr kamen laut Laudatio 20.000 Euro für den DRK-Kreisverband Homburg zusammen. Da ist die Benefizkunstaktion für das Palliativzentrum Schmetterling am Universitätsklinikum des Saarlandes.

Die Ministerin sah darin keine Pflichtübung. Nardi habe über Jahrzehnte Kunst und Kultur gefördert, Verantwortung übernommen und Menschen unterstützt, „ohne dazu verpflichtet zu sein“. Sein Engagement habe das kulturelle Leben nachhaltig bereichert, Künstlern neue Möglichkeiten eröffnet und gesellschaftliche Impulse gesetzt. Und sie stellte die Verbindung zu Nardis eigener Geschichte her: „Sie haben selbst erfahren, wie wertvoll Unterstützung sein kann, und heute geben Sie etwas davon weiter. Das verdient sehr großen Respekt.“

Nicht Abschluss, sondern Ansporn

In seiner Dankesrede machte Nardi schnell klar, dass er die Würde nicht als Schlusspunkt versteht. Der Titel sei für ihn eine sehr große Ehre und vor allem ein „Ansporn“, so weiterzumachen. Er hoffe, dafür auch künftig die Kraft und die Möglichkeiten zu haben, denn das alles koste auch Geld, Kraft und Mühe.

Musikalisch begleitet wurde die Feier mit einer Besonderheit: Konzertmeister Wolfgang Mertes vom Saarländischen Staatstheater spielte gemeinsam mit Bernhard Leonardy Mendelssohns „Italienische Sinfonie“, ein Stück, für das man eigentlich ein Orchester mit rund 60 Musikern braucht. Ein „Feuerwerk voller positiver Energie“, hieß es in der Ankündigung.

Am Ende wurde es noch einmal persönlich. Nardi freute sich besonders, dass seine Eltern den Moment miterleben konnten. „Ich bin sehr geehrt und freue mich sehr.“ Und dann fügte er einen Satz hinzu, der gut zu diesem Nachmittag passte: „Ich werde immer ein guter Saarländer bleiben.“

Eine Auszeichnung, die besonders Homburg nachvollziehen kann

Professor Giuseppe Nardi. An den neuen Titel wird man sich vielleicht erst gewöhnen müssen. An die Begründung dafür in Homburg eher nicht. Denn vieles von dem, was am Mittwoch in einer Laudatio zusammengetragen wurde, erleben die Menschen hier seit Jahren unmittelbar: bei Konzerten, Festen, sozialen Aktionen und immer neuen Ideen.

Natürlich wäre Homburg auch ohne Giuseppe Nardi Homburg. Aber kulturell wäre die Stadt an vielen Stellen ärmer. Manche Veranstaltungen hätte es vermutlich nie gegeben, andere wären ohne seine Unterstützung kaum in dieser Form möglich geworden.

Dass hinter diesem Engagement nicht allein die Verantwortung eines erfolgreichen Unternehmers steht, sondern eine sehr persönliche Überzeugung, machte Nardi an diesem Nachmittag selbst deutlich. Vielleicht ist genau das der wichtigste Grund, warum diese Würde so gut zu ihm passt.

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