Die Entscheidung fiel leise, die Reaktion folgt umso lauter: Das Bundeswirtschaftsministerium hat sein Referat für Wind-, Solar- und Transformationsindustrien aufgelöst. Seit dem 2. Oktober 2026 existiert die zuständige Abteilung nicht mehr. Für die Verbände der Erneuerbaren Energien ist das ein Signal mit Sprengkraft – und sie sparen nicht mit Kritik.
In einer gemeinsamen Stellungnahme zeigen sich die Spitzen von drei großen Branchenverbänden alarmiert. BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser, BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroek und Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW, sprechen von einem Schritt, der „zur absoluten Unzeit“ komme. Ihre Worte lassen keinen Zweifel daran, wie tief das Misstrauen gegenüber dem Haus von Ministerin Reiche inzwischen sitzt.
Denn die Verunsicherung in der Branche ist nicht neu. Seit Monaten sorgen die Debatten rund um das Erneuerbare-Energien-Gesetz und das Netzanschlusspaket für Zurückhaltung bei Investitionen. Hinzu kommen geopolitische Spannungen, die den wirtschaftlichen Druck zusätzlich erhöhen. Vor diesem Hintergrund wirke die Auflösung des Referats wie ein weiteres Störfeuer, so der Tenor der Verbände.
Besonders scharf fällt der Vorwurf an die Adresse des Ministeriums aus. Die drei Verbandsvertreter werfen dem BMWE vor, sich nicht nur nicht für die industriepolitische Bedeutung der Erneuerbaren zu interessieren, sondern deren Erzeugung und die dahinterstehende Herstellerindustrie sogar „absichtlich zu schwächen“. Das Ministerium verschließe „bewusst die Augen vor dem wirtschaftlichen Potenzial“ einer Branche, die bundesweit mehr als 436.000 Menschen beschäftigt.
Genau diese Zahl rückt die Dimension der Debatte in den Vordergrund. Es geht aus Sicht der Verbände nicht um eine technische Verwaltungsentscheidung, sondern um Arbeitsplätze und um die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Standorts. „Das wird Jobs kosten“, warnen Heinen-Esser, Heidebroek und Körnig unmissverständlich.
Ihre Forderung ist ebenso klar wie knapp formuliert: „Diese wiederholten Störmanöver müssen aufhören.“ Mit der Auflösung des Referats verbindet sich für die Erneuerbaren-Branche damit weit mehr als ein organisatorischer Umbau – es steht die Frage im Raum, welchen Stellenwert die Bundesregierung der Energiewende künftig tatsächlich einräumt.

















