Das Rilke Projekt Foto: René van der Voorden
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Wenn ein ehemaliger Homburger Bundesligaprofi im Waldstadion über Bücher spricht, ein Kinosaal zur Bühne für Elfriede Jelinek wird und Rainer Maria Rilke zum Abschluss mit Schauspielern, Sänger und Live-Band in den Saalbau zieht, dann ist wieder HomBuch. Die Homburger Veranstaltungsreihe bleibt auch in ihrer 26. Ausgabe ihrem vielleicht größten Reiz treu: Literatur steht hier selten für sich allein. Sie trifft auf Musik, Film, gesellschaftliche Debatten – und immer wieder auf Menschen, bei denen man zunächst nicht unbedingt an einen klassischen Literaturabend denken würde.

An diesem Montag, 12. Oktober, startet die HomBuch 26. Bis zum 18. Oktober und noch einmal zum großen Abschluss am 21. Oktober stehen insgesamt neun Veranstaltungstermine auf dem Programm. Gespielt und gelesen wird nicht nur im Siebenpfeifferhaus, sondern auch im Eden Cinehouse, in der Galerie Julia Johannsen, im Homburger Waldstadion und im Kulturzentrum Saalbau. Das Motto lautet erneut „Besondere Begegnungen“ – und tatsächlich ist das Programm so angelegt, dass nicht allein Bücher vorgestellt werden, sondern Menschen und ihre Geschichten in den Mittelpunkt rücken.

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Schon vor dem offiziellen Auftakt zeichnet sich ab, dass die HomBuch 26 beim Publikum auf großes Interesse stößt. Gleich fünf Veranstaltungstermine sind bereits vollständig ausverkauft. Für den Abend mit dem Psychologen und Extremismusexperten Ahmad Mansour am Dienstag gibt es ebenso keine Karten mehr wie für die Film-Preview von „Liebhaberinnen“ am Donnerstag und den Auftritt von Alice Schwarzer am Freitag. Auch beide Veranstaltungen mit Günter Berg am Samstag sind ausgebucht. Wer die diesjährige HomBuch noch erleben möchte, kann allerdings weiterhin Karten für den Auftaktabend, Christian Streich im Waldstadion, die Lesung mit Herzchirurg Rüdiger Lange sowie das große Rilke-Finale im Saalbau erwerben.

Los geht es heute Abend um 19 Uhr mit einem ausgesprochen saarländischen Heimspiel. Roland Kunz, Bernhard Leonardy und Susanne Wachs treffen sich im Siebenpfeifferhaus in der Kirchenstraße 8 zu „Bücher, Worte und Musik“. Kunz ist Musiker, Moderator und Redakteur bei SR kultur, Leonardy prägt als Intendant und künstlerischer Leiter seit Jahrzehnten die Musikfestspiele Saar, Wachs ist als Journalistin und Moderatorin beim Saarländischen Rundfunk eng mit der Kultur der Region und der Großregion verbunden. Im Mittelpunkt stehen Bücher, Texte und Musikstücke, die die drei in verschiedenen Phasen ihres Lebens begleitet haben. Einlass ist um 18.30 Uhr, der Eintritt kostet 20 Euro.

Deutlich politischer wird es bereits am Dienstag. Dann kommt der Psychologe und Extremismusexperte Ahmad Mansour nach Homburg. Noch vor der eigentlichen Veranstaltung wird um 18 Uhr am Siebenpfeifferhaus eine Plakette enthüllt, die an die Bedeutung von Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth für die deutsche Demokratiegeschichte erinnert. Um 19 Uhr spricht Mansour, moderiert von Peter König, über sein Buch „Haltung ohne Hass“. Es geht um Radikalisierung, Verschwörungserzählungen und Populismus, vor allem aber um die Frage, wie eine Gesellschaft wieder miteinander ins Gespräch kommen kann, wenn politische und gesellschaftliche Fronten immer härter werden. Der Abend ist bereits ausverkauft.

Ahmad Mansour
Foto: Marcus Höhn

Einen der aus Homburger Sicht wohl spannendsten Abende hat sich die HomBuch für Mittwoch aufgehoben. Christian Streich kehrt ins Waldstadion zurück – allerdings nicht als Fußballtrainer und auch nicht für eine nostalgische Reise durch alte Bundesliga-Zeiten. Unter dem Titel „Bücher meines Lebens“ spricht der frühere Spieler des FC 08 Homburg mit Moderator Thomas Wollscheid über Literatur. Streich trug von 1988 bis 1990 das Homburger Trikot und stieg mit dem FCH 1989 als Vizemeister in die Bundesliga auf. Später prägte er den SC Freiburg über Jahrzehnte und wurde als Cheftrainer weit über den Fußball hinaus bekannt.

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Christian Streich
Foto: Alexander Dietrich

Bücher waren für ihn dabei stets Gegenpol zum Druck des Profifußballs und Raum zum Nachdenken. Seit seinem Abschied vom SC Freiburg im Sommer 2024 hat Streich wieder mehr Zeit für das Lesen gefunden. Welche Werke ihn besonders bewegt haben und welche Gedanken er daraus für sein eigenes Leben mitgenommen hat, soll nun an einem Ort zur Sprache kommen, mit dem ihn ein wichtiges Stück seiner persönlichen Biografie verbindet. Die Veranstaltung beginnt am 14. Oktober um 19 Uhr im Waldstadion, Kurt-Conrad-Straße 8. Einlass ist um 18.30 Uhr, der Eintritt kostet 25 Euro. Für diesen Abend sind aktuell noch Karten erhältlich.

Am Donnerstag wechselt die HomBuch dann vom Stadion ins Kino – und bringt zugleich eine besondere Preview mit. Im Eden Cinehouse in der Zweibrücker Straße 19 läuft um 19 Uhr „Liebhaberinnen“, die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Gezeigt wird der Film noch vor seinem offiziellen Kinostart. Regisseurin Koxi verlegt Jelineks Stoff aus dem Jahr 1975 in die Gegenwart und erzählt von Brigitte und Paula, von gesellschaftlichem Aufstieg, Selbstinszenierung, Konkurrenz und den Mechanismen moderner Selbstausbeutung.

Koxi und Drehbuchautor und Komponist Antonio De Luca sind selbst in Homburg und sprechen mit Moderator Peter König über Film und Vorlage. Musiker der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern spielen zudem Stücke aus dem Filmscore live. Die besondere Verbindung aus Literatur, Film und Musik hat offenbar einen Nerv getroffen: Die Veranstaltung ist bereits vollständig ausverkauft.

Ein weiterer prominenter Name folgt am Freitag. Alice Schwarzer kommt ins Siebenpfeifferhaus und stellt dort ab 19 Uhr „Feminismus pur. 99 Worte“ vor. In dem Buch zieht die Journalistin, EMMA-Gründerin und Autorin anhand von 99 Begriffen eine persönliche und politische Bilanz über Jahrzehnte feministischer Debatten, Erfolge und Konflikte. Auch dieser Abend gehört zu den besonders gefragten Veranstaltungen der diesjährigen HomBuch: Sämtliche Eintrittskarten sind bereits vergriffen.

Alice Schwarzer
Foto: Bettina Flitner

Der Auftritt bekommt zugleich eine besondere deutsch-französische Note. Schwarzer wird im Rahmen der HomBuch 26 mit dem Deutsch-Französischen Freundschaftspreis ausgezeichnet. Die Laudatio hält Dr. Deniz Alkan, Abteilungsleiter für Europa und Deutsch-Französische Zusammenarbeit in der Staatskanzlei. Moderiert wird der Abend von Michael Thieser, Nicole Havener begleitet die Veranstaltung am Akkordeon.

Der Freundschaftspreis ist längst mehr als eine Randnotiz des Festivals. Die HomBuch hat die deutsch-französische Verbindung über die vergangenen Jahre zu einem festen Bestandteil ihres Profils gemacht. Frühere Preisträger wie die Bestsellerautoren Jean-Luc Bannalec und Alexander Oetker führen die Homburger Auszeichnung nach Angaben der Veranstalter inzwischen sogar auf den Klappentexten ihrer Bücher. Gerade in einer Grenzregion wie dem Saarland bekommt eine solche Auszeichnung damit einen Stellenwert, der weit über den eigentlichen Veranstaltungsabend hinausreicht.

Am Samstag rückt schließlich einer der großen deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts in den Mittelpunkt – obwohl er selbst nicht mehr dabei sein kann. Zum 100. Geburtstag von Siegfried Lenz spricht sein langjähriger Weggefährte Günter Berg in der Galerie Julia Johannsen in der Saarbrücker Straße 7 über Leben, Werk und Wirkung des Autors. Berg war unter anderem verlegerischer Geschäftsführer von Suhrkamp und Insel, leitete später das Literaturprogramm von Hoffmann und Campe und ist heute Vorstand der Siegfried Lenz Stiftung.

Günter Berg
Foto: Peter Rigaud

Unter dem Titel „Der Pakt mit dem Leser“ soll es um Lenz, seine Literatur und das besondere Verhältnis des Schriftstellers zu seinem Publikum gehen. Gleichzeitig wird die Ausstellung „Bin am Meer, kann sein dass…“ eröffnet. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl waren von Beginn an zwei Termine um 17 und 18.30 Uhr vorgesehen. Inzwischen sind beide Veranstaltungen vollständig ausgebucht. Gerade dieser Programmpunkt zeigt, dass die HomBuch nicht allein mit prominenten Namen aus Politik, Fernsehen oder Sport auf Interesse stößt, sondern auch mit einem Abend, der sich intensiv einem literarischen Lebenswerk widmet.

Dass HomBuch längst nicht nur klassische Literaturabende meint, zeigt auch der Sonntag. Dann kommt mit Rüdiger Lange einer der renommierten deutschen Herzchirurgen ins Siebenpfeifferhaus. In seinem Buch „Herzblut – Spitzenchirurgie zwischen Leben und Tod“ beschreibt Lange nicht nur spektakuläre Operationen am offenen Herzen, sondern auch die psychische Belastung eines Berufs, in dem wenige Millimeter über Leben und Tod entscheiden können.

Lange leitete bis 2023 die Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Deutschen Herzzentrum München und reparierte als weltweit erster Herzchirurg eine Herzklappe mithilfe eines Robotersystems. Die Veranstaltung beginnt am 18. Oktober um 11 Uhr, Einlass ist um 10.30 Uhr, der Eintritt ist frei. Moderator ist Kai Schmieding von SR kultur; der Saarländische Rundfunk zeichnet den Abend für die Sendung „Fragen an den Autor“ auf.

Danach macht die HomBuch einige Tage Pause – bevor sie am Mittwoch, 21. Oktober, für ihr großes Finale in den Saalbau zieht. Dort gastiert um 19.30 Uhr das Schönherz & Fleer Rilke Projekt mit seiner Jubiläumstour „So viel Himmel“ zum 150. Geburtstag von Rainer Maria Rilke. Dietmar Bär, Nina Hoger und Pasquale Aleardi interpretieren Gedichte, Briefe und Schriften Rilkes, Sänger Florian Künstler gehört ebenfalls zum Ensemble. Richard Schönherz sitzt am Flügel, hinzu kommt eine Live-Band.

Klassiker wie „Der Panther“ und „Herbsttag“ treffen dabei auf weniger bekannte Texte, Briefe und musikalische Bearbeitungen. Das vielfach ausgezeichnete Projekt blickt 2026 zugleich auf sein 25-jähriges Bestehen zurück. Veranstaltungsort ist das Kulturzentrum Saalbau in der Oberen Allee 1, Einlass ist um 18.30 Uhr. Die Tickets kosten je nach Kategorie zwischen 56,40 und 70,20 Euro.

Für Veranstalter Hans-Joachim Burgardt ist die Ausgangslage dabei durchaus anspruchsvoll. Nach der HomBuch 25 und der Konzertlesung mit Wolfgang Niedecken habe er zu dem BAP-Frontmann gesagt: „Herr Niedecken, ich habe jetzt ein Problem. Besser als die HomBuch 25 geht nicht.“ Ganz sicher scheint er sich mit dieser Einschätzung inzwischen allerdings selbst nicht mehr zu sein. „Aber vielleicht geht ja doch noch was“, schreibt Burgardt mit Blick auf die neue Ausgabe.

Tatsächlich zeigt das diesjährige Programm ziemlich gut, warum sich die HomBuch über die klassische Vorstellung einer Literaturveranstaltung hinaus entwickelt hat. Da sitzt ein früherer Bundesliga-Profi nicht wegen Fußball im Waldstadion, sondern wegen der Bücher, die ihn geprägt haben. Ein mehr als 50 Jahre alter Jelinek-Roman landet als neuer Film im Kino, ein Herzchirurg erzählt von Angst und Verantwortung, Siegfried Lenz wird mit Lesung und Ausstellung wiederentdeckt und Rilke bekommt zum Finale eine große Bühne mit Schauspiel und Musik. Dazwischen liegen politische Debatten, Feminismus und deutsch-französischer Austausch. Der Dreiklang aus Literatur, Kunst und Musik, den die Veranstalter als Grundidee der HomBuch beschreiben, ist damit in diesem Jahr besonders wörtlich zu nehmen.

Dass dieses Konzept beim Publikum ankommt, lässt sich bereits vor dem ersten Veranstaltungsabend erkennen. Fünf der neun Termine sind ausverkauft, für die übrigen Veranstaltungen sind nach aktuellem Stand noch Karten über Ticket Regional sowie die bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. Wer die HomBuch 26 noch erleben möchte, hat also weiterhin Gelegenheit dazu – vom literarischen Heimspiel zum Auftakt über Christian Streich bis zum großen Rilke-Finale. Vielleicht liegt genau darin der Reiz dieser Veranstaltungsreihe: Nicht jeder Abend sieht nach einer klassischen Lesung aus. Aber fast jeder beginnt mit einem Buch.

Weitere Informationen zum Programm und zur Kartenverfügbarkeit gibt es unter www.hombuch.de.

HomBuch 26 – Alle Termine im Überblick

Montag, 12. Oktober | 19 Uhr
Roland Kunz, Bernhard Leonardy & Susanne Wachs – „Bücher, Worte und Musik“
Siebenpfeifferhaus Homburg | Eintritt: 20 Euro

Dienstag, 13. Oktober | 19 Uhr
Ahmad Mansour – „Haltung ohne Hass“
Siebenpfeifferhaus Homburg | AUSVERKAUFT
Bereits um 18 Uhr: Enthüllung einer Plakette zur Demokratiegeschichte.

Mittwoch, 14. Oktober | 19 Uhr
Christian Streich – „Bücher meines Lebens“
Homburger Waldstadion | Eintritt: 25 Euro

Donnerstag, 15. Oktober | 19 Uhr
„Liebhaberinnen“ – Film-Preview nach dem Roman von Elfriede Jelinek mit Regisseurin Koxi
Eden Cinehouse Homburg | AUSVERKAUFT

Freitag, 16. Oktober | 19 Uhr
Alice Schwarzer – „Feminismus pur. 99 Worte“ mit Verleihung des Deutsch-Französischen Freundschaftspreises
Siebenpfeifferhaus Homburg | AUSVERKAUFT

Samstag, 17. Oktober | 17 Uhr und 18.30 Uhr
Günter Berg – „Der Pakt mit dem Leser“ zum 100. Geburtstag von Siegfried Lenz, mit Ausstellungseröffnung
Galerie Julia Johannsen, Homburg | Eintritt frei | BEIDE TERMINE AUSVERKAUFT

Sonntag, 18. Oktober | 11 Uhr
Rüdiger Lange – „Herzblut – Spitzenchirurgie zwischen Leben und Tod“
Siebenpfeifferhaus Homburg | Eintritt frei

Mittwoch, 21. Oktober | 19.30 Uhr
Schönherz & Fleer – Rilke Projekt „So viel Himmel“
Kulturzentrum Saalbau Homburg | Eintritt: 56,40 bis 70,20 Euro

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