Symbolbild

Die Einschränkungen während der Corona-Pandemie haben Kinder und Jugendliche hart getroffen, auch in der brandenburgischen Stadt Lauchhammer. Eine Umfrage zeigt, wie es ihnen in dieser Zeit ergangen ist, welche Erfahrungen sie machten, wo und wie sie ihre Zeit verbrachten. Da die Stadt Lauchhammer Kinder und Jugendliche regelmäßig an kommunalen Themen und Projekten beteiligt, ging es auch darum, wie ein Neustart in der Beteiligung nach der Pandemie möglich ist.

350 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 3 bis 9 beteiligten sich in Präsenz an der Umfrage. „Uns war es wichtig, gemeinsam zu schauen, welche Bedarfe auf Grund der hinter uns liegenden langen, durch die Pandemie geprägten Zeit bei den Kindern und Jugendlichen bestehen. Dabei ist der Fokus hier nicht auf die schulischen Angebote gelegt, sondern vielmehr auf das gemeinschaftliche Miteinander“, sagt die Leiterin des Schul- und Kulturamtes von Lauchhammer, Manuela von Schroedel-Siemau. Im Zentrum standen drei Themen: Was hat sich durch Corona im Leben der Kinder und Jugendlichen verändert? Welchen Aktivitäten sind sie nachgegangen? Wie können sie sich aktuell Beteiligungsprozesse vorstellen? Die wissenschaftliche Projektleitung hatte IASS-Forscher David Löw Beer.

Kinder leiden unter Kontaktbeschränkungen

Die Schülerinnen und Schüler beschrieben eine Vielzahl an negativen, aber auch an positiven Veränderungen. Etwa 60 Prozent gaben an, dass sie Angst vor dem Coronavirus haben. Als negative Folgen der Corona-Regeln nannten sie vor allem die Kontaktbeschränkungen zu anderen Menschen (24 Prozent) sowie die Schließungen von Orten und Aktivitäten wie etwa Vereinen und Sportmöglichkeiten (16,3 Prozent). 13,1 Prozent sehen gar ausschließlich negative Entwicklungen durch die Coronapandemie. Positiv vermerkten die Befragten die vermehrte Zeit und das verbesserte Verhältnis zu Familie, Freunden und Haustieren (14,6 Prozent).

Eine Reihe von Schülerinnen und Schülern berichten von psychischen Belastungen, die sich in einer Zunahme an Stress, Auseinandersetzungen mit Eltern oder in allgemeinen psychischen Problemen ausdrücken. Ein paar Äußerungen beschrieben ein besonders großes Leid, wie etwa diese Aussage eines Grundschulkindes: „Ich verpasse ein großteil meines Lebens und habe verlernd mich auf etwas zu freuen, weil ich jedes mahl entteuscht wurde.“ Die Oberschülerinnen und -schüler betonten häufiger als die jüngeren Kinder die positiven Folgen der Beschränkungen, vor allem die vermehrte Freizeit.

Trotz Corona gaben die Schülerinnen und Schüler an, einer Reihe unterschiedlicher Freizeitaktivitäten nachzugehen. Knapp die Hälfte verbringt dabei ungefähr gleich viel Zeit drinnen und draußen. Musik hören und Fahrrad fahren sind in beiden Altersgruppen sehr beliebt. Die Oberschülerinnen und -schüler spielen gerne am Computer, während die Grundschülerinnen und -schüler lieber basteln und malen. Auch nach gut einem Jahr Pandemie wurde das Homeschooling noch erschwert durch mangelnde technische Voraussetzungen. Die Stadt Lauchhammer stellte allen Anspruchsberechtigten Endgeräte zur Verfügung, jedoch gaben rund 10 Prozent der Schülerinnen und Schüler an, dass sie über kein WLAN zu Hause verfügten. Die Bereitstellung der Internetverbindung liegt nicht in der Verantwortung der Stadt.

Hohes Interesse an Beteiligung

2019 brachten sich viele Schülerinnen und Schüler bei der Kinder- und Jugendkonferenz in Lauchhammer ein. Im Anschluss wollten sie ihr Engagement in Arbeitsgruppen zu den Themen „Schule“, „Stadt und Umwelt“ sowie „Freizeit und Familie“ fortführen. Durch die Coronapandemie war dies nur sehr eingeschränkt möglich. Aus den Antworten der Schülerinnen und Schüler geht deutlich hervor, dass sie sich weiter einbringen wollen. Damit sie gerne bei der Kinder- und Jugendbeteiligung mitmachen, ist ihnen eine gelungene Gestaltung der Treffen und Konferenzen besonders wichtig. Es soll einen netten und fairen Umgang geben, bei dem jeder und jedem zugehört wird. In allen drei Schulen gaben die Befragten am häufigsten an, dass sie sich in der Gruppe „Freizeit und Familie“ engagieren wollen (44 Prozent). Inhaltlich ist das Interesse besonders am Umweltthema groß.

„Die Ergebnisse verdeutlichen, wie sehr die Einschränkungen der Pandemiebekämpfung Kinder und Jugendliche belastet haben, und sie zeigen auf, unter welch schwierigen Bedingungen viele Schülerinnen und Schüler das Homeschooling bewältigen mussten. Beeindruckend ist, welche Motivation die Kinder und Jugendlichen haben, ihre Kommune weiterzuentwickeln. Das liegt sicher auch daran, dass sich die Stadt, die Schulen und Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter bereits jetzt enorm für jedes Kind und jede Familie engagieren“, sagt Studienleiter David Löw Beer. Auf Basis der Studie wollen die Verantwortlichen in Lauchhammer ihre Prozesse und die Beteiligungsmöglichkeiten für junge Menschen weiter verbessern.

Originalpublikation: Löw Beer, D. (2021). Kinder und Jugendliche in Lauchhammer während der Corona-Pandemie. IASS Study, Juni 2021 https://www.iass-potsdam.de/sites/default/files/2021-06/IASS%20Study%20Corona%20…

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