Verbrechen im Internet nehmen immer mehr zu. - Symbolbild

25 Millionen Euro will das Innenministerium bis 2025 in die Weiterentwicklung der polizeilichen Informationstechnik im Saarland stecken. Vor allem digitaler soll sie werden. Schließlich werden Straftaten im Internet zu einem immer größeren Problem. Nun wurde ein neues Werkzeug vorgestellt, das im Kampf gegen Cyber-Kriminalität helfen soll und im Saarland entwickelt wurde.

Kriminalität – der Begriff geht heute weiter über das hinaus, was man vor einigen Jahren noch kannte. Zu Einbrüchen, Vandalismus oder gar Mord kommen heute Taten wie Cyber-Mobbing oder digitaler Identitätsdiebstahl hinzu. Auch große Einrichtungen im Saarland sind betroffen, wie beispielsweise die Hacking-Attacke auf den Flughafen Ensheim im Jahr 2020 zeigte.

Der Wandel betrifft natürlich auch die Polizeiarbeit, die angepasst werden muss, um gegen diese neuen Formen der Kriminalität vorzugehen. Um das den Polizeibeamten zu erleichtern, hat die Fachhochschule für Verwaltung in Quierschied zusammen mit dem Landespolizeipräsidium ein neues Ermittlungswerkzeug entwickelt, das nun in einer Pressekonferenz vorgestellt wurde.

Cybercrime-Desktop heißt das Programm. Oder, wie es Innenminister Klaus Bouillon bei der Präsentation vereinfachend ausdrückte, „digitaler Spürhund“. Dahinter steckt eine Art digitaler Werkzeugkasten, den jeder Polizeibeamte im Saarland benutzen können soll. Natürlich auch in Homburg.

Dabei wirkt der Desktop auf den ersten Blick gar nicht sonderlich spektakulär. Ein ganz normaler Windows-Desktop dient als Einstieg in die Welt der digitalen Ermittlungsarbeit. „Das ist mit Absicht so gemacht, denn die Beamten sollen sich mit dem Programm wie zu Hause fühlen, um die Arbeit zu vereinfachen“, erklärt Polizeirat Jürgen Paulus, Lehrbeauftragter für Cybercrime und digitale Ermittlungen an der FH, unter dessen Federführung der „digitale Spürhund“ erarbeitet wurde. Und in der Tat erfüllt der Cybercrime-Desktop im Grunde die gleichen Aufgaben wie ein solcher Spürhund.

Denn oberstes Ziel ist es, Spuren zu suchen. Dafür stehen den Beamten eine ganze Reihe von Tools zur Verfügung. Beispielsweise ist im Internet-Browser eine Cyberlink-Seite hinterlegt, auf der die Beamten direkt auf hilfreiche Seiten zur Ermittlung weitergeleitet werden. Außerdem gibt es spezielle Suchmaschinen, zum Beispiel nach Personen oder IP-Adressen. „Auch der Zugang zum Darknet ist unkompliziert möglich, ohne dass man beispielsweise den Arbeitsplatz wechseln muss“, so Paulus. Und das alles komprimiert auf einem Desktop.

„Entscheidend ist dabei, dass wir auf Sicht tatsächlich jeden Polizisten mit diesem digitalen Spürhund erreichen können und eben nicht nur Spezialisten digitale Ermittlungsarbeit effizient nutzen können“, sagt Paulus. Hört sich zunächst sinnvoll an, doch in diesem Zusammenhang drängt sich die Frage auf, wie es dabei um die Sicherheit der Polizeiarbeit selbst bestellt ist.

Damit diese gewährleistet ist, ist der Cybercrime-Desktop in ein geschlossenes virtuelles Netzwerk eingebettet. Dieses arbeitet mit Übergängen ins Internet, aber auch ins Polizeinetz, wie Paulus erklärt. „Schließlich können wir nicht einfach über das Polizeinetz ins Internet gehen. Ansonsten würden wir am Ende noch selbst Opfer von Viren.“

Insgesamt sei das Projekt laut Innenminister Bouillon ein „wichtiger Schritt nach vorne“ in der Bekämpfung digitaler Straftaten. „Die digitale Welt ist eine Herausforderung und dafür müssen wir neue Schritte gehen.“ Weitere sollen laut Minister in den kommenden Monaten folgen.

 

 

 

Vorheriger ArtikelMülltonnen bitte bis spätestens 6 Uhr bereitstellen
Nächster Artikel5 Jahre Polizeilicher Ordnungsdienst – GdP zeigt sich zufrieden und fordert Perspektiven

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte kommentieren sie.
Bitte geben sie ihren Namen ein.