Restaurants müssen aktuell weiterhin geschlossen bleiben, nur Abhol- und Lieferservice ist erlaubt.

Sie sind zusammen mit der Kulturlandschaft die großen Verlierer der Pandemie. Die Gastronomie in Deutschland mussten schließen, durften unter Auflagen wieder öffnen, wurden reguliert, hat massiv investiert und musste jetzt erneut die Türen für ihre Gäste zu machen. Der seit Anfang November laufende Teil-Lockdown, er zehrt an den Nerven der Unternehmer und bringt viele Menschen noch weiter an die Grenzen der Existenz.

Auf- und durchatmen hieß es im Sommer. Mit frischer Luft und Hygienekonzepten retteten sich die Gastronomen über die warmen Monate. Dass damit irgendwann Schluß sein würde und mit der einsetzenden Kälte erneut die Zahlen steigen und ein erneuter Lockdown sie treffen könnte, man hätte es ahnen können. Doch auch die beste Vorahnung lässt die Konsequenzen nicht abmildern, denen man als Unternehmer hilflos ausgeliefert ist. Erst vor wenigen Tagen scheiterten zwei Gastronomen im Saarland mit einem Eilantrag auf vorläufige Außervollzugsetzung des § 7 Abs. 1 Satz 1 der aktuellen Rechtsverordnung der Landesregierung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Die Lage ist ernst – nicht erst seit diesem Monat.

Hört man sich in der Homburger Gastro-Landschaft um, wird schnell klar, dass es hier nicht besser läuft, egal ob bei kleineren oder größeren Betrieben. Das Café Chili oberhalb des Marktplatzes ist eine Institution. Seit Jahren hat man sich eine stets steigende Stammkundschaft erarbeitet, es läuft gut. Corona hat jedoch viel verändert, erzählt Inhaber Peter Schuck: „Ich bin jetzt wieder ein Ein-Mann-Betrieb. Meinem Mitarbeiter hatte ich drei Monate in Kurzarbeit und musste ihn dann leider entlassen. Ich komme jetzt gerade so aus. Aber ewig geht das natürlich nicht. Man kann das eine zeitlang durchhalten, aber man muss schon an sein Eingemachtes gehen. Und es wird auch der Hilfe von Gemeinschaft und Staat bedürfen, denn alleine lässt sich das kaum aushalten.“

Peter Schuck in seinem Café Chili – Bild: Daniel von Hofen

Schuck betriebt einen Einzelhandel mit Stehcafé, es ist also genau genommen kein gastronomischer Betrieb. Das heißt, er kann ganz normal öffnen, kann seine Handelsware – sprich Kaffee, Schokolade und mehr, verkaufen und weiterhin „Coffee to go“ anbieten. Das Angebot wird angenommen, wenn auch in überschaubarem Rahmen. Der Kaffeeverkauf – ob gemahlen oder Bohne – laufe nach wie vor, so Schuck. Was schlimm sei, ist der Umsatz an Getränken. Dieser sei exorbitant zurückgegangen, es fehle die Hälfte vom Umsatz.

Die fehlende Kundschaft im Zuge der Pandemiemaßnahmen macht auch vor den Großen der Branche nicht halt. Unternehmer Giuseppe Nardi, der in Homburg das Oh!lio, Vin!oh und Gelat!oh betreibt, bringt es auf den Punkt: „Wir spüren eine Zurückhaltung der Kunden bereits seit einigen Wochen und haben erhebliche Umsatzrückgänge. Eine erneute Schließung der Gastronomie ist für uns ein herber Rückschlag nach einem in geschäftlicher Hinsicht guten Sommer. Die Gastronomie befindet sich in einer sehr tiefen Krise, viele Betriebe werden ohne Hilfe nicht überleben.“

Die Branche ist durchweg geprägt von Verzweiflung und Existenzängsten. Einen konkreten Fahrplan seitens der Politik scheint es nicht zu geben. Die verprochenen Hilfspakete in Form der „Novemberhilfe“ läuft erst langsam an. Trotz Schließung seit dem 2. November, erfolgt eine zentrale Antragstellung erst wesentlich später. Die Bundesregierung gibt dabei folgenden Zeitplan vor:

  • Soloselbständige erhalten eine Abschlagszahlung von bis zu 5.000 Euro; andere Unternehmen erhalten bis zu 10.000 Euro.
  • Die Antragstellung und Auszahlung erfolgt voll elektronisch über die Plattform www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de.
  • Die Antragstellung startet in der letzten November-Woche 2020 (voraussichtlich 25. November 2020).
  • Erste Auszahlungen der Abschlagszahlungen erfolgen ab Ende November 2020.
  • Die Antragstellung erfolgt einfach und unbürokratisch. Um Missbrauch vorzubeugen werden Maßnahmen zur Sicherstellung der Identität des Antragstellers vorgesehen.

Wie einfach es am Ende wirklich wird und wie schnell die Gelder bei den Unternehmen ankommen, wird letztendlich maßgeblich dazu beitragen wie gut viele Gastronomen durch diese zweite Welle kommen. Eine Welle, deren Ende noch lange nicht in Sicht ist.

Was der Gastronomie neben jeder Menge nötigem Ehrgeiz geblieben ist, ist die Möglichkeit einen Lieferdienst zu betrieben und Speisen zur Abholung anbieten zu können. Seit diesem Monat hat man sich auch im Oh!lio und dem Gelat!oh nun diese Möglichkeit eröffnet. Restaurantleiter Marco Dante erklärt: „Wir haben dieses Mal gesagt, wir machen einen Lieferdienst bzw. Abholservice. Zudem haben wir hier auch unsere Weine aufgebaut, die wir für einen guten Preis anbieten, damit wir auch im Gespräch bleiben und die Kunden auch wissen um was es geht. Zum Essen machen wir zudem immer ein Tagesgericht und ansonsten die normale Speisekarte. Natürlich etwas abgeschwächter. Unser Küchenchef Francesco hat uns gesagt, dass wir die Speisekarte ein wenig ändern. So kann man zum Beispiel Steak oder Lachs nicht verkaufen, da es auf dem Weg nach Hause durch oder trocken ist. Diese Qualität wollen wir unseren Kunden nicht anbieten.“ Herausgekommen ist eine an die Situation angepasste Speisekarte mit stets abwechselnden Neuerungen. Aktuell gibt es auf Bestellung z.B. eine Martinsgans To Go.

Dass sich Restaurants viele Gedanken um den Service machen, ist nur eine Seite der Medaille, die andere sind die eigenen Mitarbeiter. Es sind echte Arbeitsplätze, an denen viele Schicksale hängen. „Einen Teil unseres Personals konnten wir in die Produktion zu Dr. Theiss Naturwaren schicken“, sagt Marco Dante. „Wir hatten aber auch Glück, da ein Teil unseres Personal über den Winter zurück in ihre Heimat gegangen ist. Allerdings haben wir jetzt – im Gegensatz zum letzten Lockdown – auch Kurzarbeit angemeldet, da wir nicht für alle Mitarbeiter acht Stunden Arbeit haben. Dem werden wir gerecht, in dem wir die Schichten aufteilen.“

Bild: Stephan Bonaventura

Eine große Frage, die sich alle stellen: Wie lange man das aushalten? Dante weiter: „Als Gastronomie kann man das eigentlich gar nicht aushalten. Man will ja arbeiten, will seinen Umsatz machen. Der November ist mit einer der umsatzstärksten Monate mit Dezember. Die Leute buchen jetzt eigentlich ihre Weihnachtsfeiern, die Glühweinhütte würde aufgebaut…eigentlich kann man das nicht aushalten. Wir wollen ja arbeiten und sind voller Tatendrang.“

Wie man mit der Sitiation weiter umgeht, da gehen die Meinungen weit auseinander. Gibt es überhaupt und Gut und Böse in diesem Fall. Müssten nicht vielmehr andere Lösungsansätze diskutiert werden? Auch Peter Schuck vom Café Chili macht sich hier Gedanken: „Das Virus ist da, es ist präsent und man muss was dagegen tun. Das ist auch gar keine Diskussion. Die Frage ist: Was tut man? Ob die Maßnahmen die ergriffen wurden richtig oder falsch sind, das beurteilen verschiedene Leute unterschiedlich. Dazu bin ich viel zu wenig Fachmann um sagen zu können, das ist richtig oder das ist nicht richtig. Ich sehe nur: Wenn das länger geht, geht einiges über den Jordan. Und zwar gewaltig.“

Und so steuern wir alle weiter in eine ungewisse Zukunft.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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