Das Saarland will Testfeld für eines der ambitioniertesten Digitalprojekte der Bundesregierung werden: die sogenannte Deutschland-App. Wirtschaftsminister Jürgen Barke reist am 22. April nach Berlin, um im Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung persönlich für das kleinste Flächenland als Pilotregion zu werben. Im Gepäck hat er einen konkreten Vorschlag – das Saarland soll den Anwendungsfall „Gründen in 24 Stunden“ erproben.
Die Deutschland-App ist als zentrales digitales Serviceportal des Bundes konzipiert. Staatliche Leistungen sollen darüber gebündelt und per Smartphone abrufbar sein, klassische Behördengänge langfristig weitgehend überflüssig werden. Für die Entwicklung sucht die Bundesregierung Regionen, die einzelne Funktionen im Praxisbetrieb testen. Genau hier sieht Barke eine Chance für das Saarland.
„Das Saarland ist als Pilotregion für die Deutschland-App prädestiniert“, sagte der Minister. Als kleines, gut vernetztes Bundesland mit kurzen Entscheidungswegen könne man innovative digitale Lösungen besonders schnell erproben. „Zugleich werden wir als Standort für Start-ups und Gründungen immer erfolgreicher. Mit der Initiative ‚Gründen in 24 Stunden‘ wollen wir zusätzliche Dynamik und Innovationskraft entfalten“, so Barke weiter.
Hinter dem Konzept „Gründen in 24 Stunden“ steckt die Idee, eine komplette Unternehmensgründung innerhalb eines einzigen Tages digital abzuwickeln. Dafür müssten bestehende Verfahren grundlegend umgebaut und Abläufe vollständig automatisiert werden. Ein zentrales Element: Daten sollen künftig nur noch ein einziges Mal erfasst und anschließend behördenübergreifend genutzt werden können. Das würde nicht nur Gründerinnen und Gründern Zeit sparen, sondern auch den Verwaltungsapparat entlasten.
Barke hatte sich bereits in der Vorwoche schriftlich an Bundesdigitalminister Thomas Wildberger gewandt und das Interesse des Saarlandes an einer aktiven Mitwirkung unterstrichen. In Berlin trifft er nun direkt auf Wildberger, um die nächsten Schritte zur Beschleunigung der Verwaltungsdigitalisierung zu besprechen. Das erklärte Ziel: gemeinsam mit dem Bund praxisnahe Lösungen entwickeln, die sich später auf andere Regionen übertragen lassen.
Für das Saarland wäre der Zuschlag als Pilotregion mehr als ein symbolischer Erfolg. Das Land könnte sich als Vorreiter der digitalen Verwaltung positionieren und gleichzeitig seinen Ruf als gründerfreundlicher Standort schärfen. Ob Berlin den Vorstoß von der Saar aufgreift, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen – die politische Offensive aus Saarbrücken jedenfalls ist unmissverständlich.

















