Foto: FC 08 Homburg
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Der FC 08 Homburg hat den Saarlandpokal nicht verteidigen können. Im Finale gegen den 1. FC Saarbrücken unterlag der FCH am Samstagnachmittag im Ludwigsparkstadion mit 2:4. Nach einer starken ersten Halbzeit und früher Führung sah es lange so aus, als könne der Regionalligist dem Drittligisten ernsthaft Probleme bereiten. Nach der Pause drehte Saarbrücken das Spiel innerhalb weniger Minuten – weil Homburg defensiv plötzlich viel zu offen agierte und die Kontrolle über das Spiel vollständig verlor.

Vor 12.410 Zuschauern begann der Nachmittag mit einer Schweigeminute für den verstorbenen Anhänger von Hansa Rostock, der beim Drittliga-Spiel in Saarbrücken schwer verunglückt war. Danach brauchte der FCH kaum Anlaufzeit. Markus Mendler gab schon nach wenigen Sekunden den ersten gefährlichen Abschluss ab, kurz darauf führte Homburg: Nach einem Saarbrücker Ballverlust schaltete Mendler schnell, setzte Kaan Inanoglu ein – und der zuletzt angeschlagene Stürmer traf in der zweiten Minute zum 0:1. Ein Traumstart für die Grün-Weißen.

In dieser Anfangsphase war Homburg die deutlich bessere Mannschaft. Der FCH presste früh, gewann viele Bälle in der Saarbrücker Hälfte und ließ den FCS kaum zur Entfaltung kommen. Mendler, Hilal El-Helwe und Mart Ristl hatten weitere Abschlüsse, Saarbrücken fand ins Spiel schlicht nicht hinein. In den ersten 30 Minuten stellte sich die Frage, welche Mannschaft hier eigentlich klassenhöher spielt – und die Antwort war nicht eindeutig. Erst in der Schlussviertelstunde der ersten Halbzeit bekam der FCS mehr Zugriff. Michael Gelt reagierte stark auf einen Fernschuss von Sebastian Vasiliadis und lenkte den Ball aus dem Winkel. Kurz vor der Pause hielt er auch gegen Florian Pick. Zur Halbzeit führte Homburg verdient – und doch war das 1:0 gemessen an der Chancenentwicklung fast zu wenig.

Nach dem Seitenwechsel war vom Homburger Auftritt der ersten Hälfte kaum noch etwas zu sehen. Saarbrücken kam wacher aus der Kabine, der FCH verlor den Zugriff, die Abstände stimmten nicht mehr. Der Ausgleich durch Pick in der 53. Minute war der erste Bruch. Nur drei Minuten später drehte Amine Naïfi die Partie nach Vorarbeit von Rodney Elongo-Yombo zum 2:1 – das Finale war binnen weniger Minuten komplett gekippt.

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Homburg fand in dieser Phase keine Antwort. Über die Saarbrücker linke Seite entstanden immer größere Räume, die Zweikämpfe wurden später angenommen, die Staffelung fehlte. Kai Brünker erhöhte in der 69. Minute auf 3:1, Dominic Baumann sorgte in der 78. Minute mit dem 4:1 für die Vorentscheidung. Bei zwei Gegentreffern ins kurze Eck sah Keeper Gelt nicht gut aus – aber die Fehlerkette fing schon früher an. Die Verantwortung für die zweite Halbzeit lässt sich nicht auf Einzelfehler verteilen: Der FCH hat in diesen Situationen schlichtweg zu naiv verteidigt.

Inanoglu traf in der Nachspielzeit noch zum 2:4 – sein zweites Tor des Abends, aber sportlich ohne Bedeutung. Saarbrücken gewann verdient, auch wenn das Ergebnis den tatsächlichen Spielverlauf nur bedingt widerspiegelt. Damit passte das Finale auf bittere Weise zum Gesamtbild der Saison. Homburg hatte Qualität, konnte gegen starke Gegner mithalten und phasenweise richtig guten Fußball spielen – aber es gab immer wieder Momente, in denen Spiele aus der Hand glitten. Genau das passierte auch im Ludwigspark: eine starke erste Halbzeit, ein vollständiger Bruch nach der Pause, am Ende eine vermeidbare Niederlage.

Schwerer noch wiegt ein personeller Einschnitt: Mart Ristl musste im zweiten Durchgang verletzt ausgewechselt werden und wird den Verein nach dieser Saison verlassen. Der langjährige Kapitän verabschiedete sich damit nicht nur aus dem Kader, sondern aus einer Rolle, die er über Jahre geprägt hat. Für den FCH endet damit nicht nur eine Spielzeit, sondern ein Kapitel. Im Nachgang des Spiels dürften von Vereinsseite weitere Personalentscheidungen folgen. Öffentlich kommuniziert ist bislang wenig, doch dass sich der Kader verändern wird, liegt auf der Hand. Besonders Kaan Inanoglu dürfte man in Homburg vermissen, sollte seine Leihe wie erwartet enden. Der Winterzugang hat in kurzer Zeit gezeigt, wie wertvoll solche gezielten Leihgeschäfte für den FCH sein können – vielleicht auch als Modell für die Zukunft.

Eine Randnotiz fügte sich unglücklich ins Bild: Beim Homburger Treffer blieb die Tormusik im Stadion aus, die Saarbrücker Tore wurden dagegen mit der gewohnten Musik der Heimspiele begleitet. Kleinigkeit – aber nach dem „FC Bad Homburg“-Fauxpas des Saarländischen Fußballverbandes in der Vorberichterstattung war es ein weiteres Detail, das in Homburg registriert wurde. Bei einem Finale, das offiziell auf neutralem Boden ausgetragen wird, hätte man solche Dinge im Vorfeld besser regeln können.

Für den FC 08 Homburg beginnt jetzt ein Sommer mit konkreten Fragen: Wie wird der Kader nach dem Abgang von Ristl – und möglicherweise weiteren Spielern – neu aufgestellt? Welches Ziel formuliert der Verein für die Regionalliga-Saison 2026/27, nachdem Platz vier und der verlorene Pokal hinter den Erwartungen zurückblieben? Die erste Halbzeit im Ludwigspark hat gezeigt, wozu diese Mannschaft fähig ist. Die zweite hat gezeigt, warum es am Ende nicht gereicht hat. Beides gehört zur ehrlichen Bilanz dieses Abends – und dieser Saison.

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