Schwere Vorwürfe gegen den AfD-Politiker Michel Dörr sorgen im Saarland für politischen Zündstoff. Die Linke Saar reagiert mit scharfer Kritik und sieht in den Anschuldigungen ein Muster, das weit über den Einzelfall hinausreicht.
Im Kern geht es um den Verdacht, dass Dörr als verbeamteter Lehrer trotz Krankschreibung parallel für die AfD-Landtagsfraktion gearbeitet haben soll. Darüber hinaus soll er über zweieinhalb Jahre als Mitarbeiter der damaligen Saarbrücker Stadtratsfraktion „Freie Saarbrücker“ beschäftigt gewesen sein. Dennis Kundrus, stellvertretender Landesvorsitzender der Linken Saar, ordnet die Vorwürfe unmissverständlich ein: „Sollte sich bestätigen, dass ein verbeamteter Lehrer trotz Krankschreibung gleichzeitig für die AfD-Landtagsfraktion tätig war, dann reden wir über einen massiven Missbrauch öffentlichen Vertrauens.“ Die Vorgänge würfen ein bezeichnendes Licht auf die politischen Netzwerke und Strukturen der AfD im Saarland.
Kundrus geht in seiner Kritik deutlich weiter und wirft der Partei systematische Doppelmoral vor. Die AfD Saar zeige damit erneut, worum es ihr tatsächlich gehe: „Macht, Versorgung der eigenen Leute und politischer Filz.“ Während die Partei politische Gegnerinnen und Gegner permanent moralisch belehre und mit Schmutzkampagnen überziehe, lege sie bei den eigenen Funktionären keinerlei Maßstäbe an.
Besonders brisant wird der Vorgang durch einen konkreten Vergleich, den Kundrus zieht. Dieselbe Partei habe noch vor kurzem eine SPD-Kandidatin in Berlin aus einem ähnlichen Grund öffentlich und persönlich attackiert, Rücktritte und Konsequenzen gefordert – die dann auch erfolgt seien. Sobald es jedoch um die eigenen Netzwerke und mögliche Selbstbereicherung gehe, herrsche plötzlich Schweigen. Diesen Widerspruch bezeichnet Kundrus als „Doppelmoral in Reinform“.
Die Linke Saar bekräftigt vor dem Hintergrund der neuen Anschuldigungen ihre Forderung nach einem Verbot der AfD. „Wer öffentliche Ämter und Steuergelder offenbar nur als Selbstbedienungsladen betrachtet, beschädigt jedes Vertrauen in die Demokratie“, so Kundrus. Die aktuellen Vorwürfe belegten einmal mehr, dass die AfD keine Protestpartei sei, sondern in jeder Kategorie schlimmer als die Politik, die sie angeblich bekämpfe. Damit mache sie sich selbst vollkommen unwählbar.
Ob die Vorwürfe gegen Dörr dienstrechtliche oder gar strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die politische Debatte im Saarland hat mit diesem Fall neuen Brennstoff erhalten – und die Frage, wie die AfD Saar mit den Anschuldigungen gegen ihren Funktionär umgeht, dürfte in den kommenden Tagen genau beobachtet werden.



















