Foto: FC 08 Homburg
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 Für den FC 08 Homburg ist das Saarlandpokalfinale gegen den 1. FC Saarbrücken das wichtigste Spiel der Saison. Ein Derby, ein Endspiel, ein Titelduell – und für die Grün-Weißen die Chance, eine Saison mit vielen Zwischentönen doch noch mit einem Ausrufezeichen zu beenden.

Am heutigen Samstag trifft der FCH im Finale des Sparkassen-Pokals Saar auf den Drittligisten aus der Landeshauptstadt. Gespielt wird im Ludwigsparkstadion, Anstoß ist um 16.30 Uhr. Schon diese Konstellation bringt genug Brisanz mit sich: Saarbrücken als klassenhöchster Verein, Saarbrücken im eigenen Stadion, Saarbrücken mit der Aussicht, vor großer Kulisse den Pokal zu holen. Homburg dagegen reist als Titelverteidiger an, als Underdog. Oder besser gesagt: Es ist Saar-Derby!

Der Weg ins Finale war auf Homburger Seite deutlich. 7:1 gegen Auersmacher, 8:1 gegen Ballweiler-Wecklingen, 4:0 gegen Geislautern und im Halbfinale ein weiteres 8:1 gegen Köllerbach. Der FCH hat den Wettbewerb bisher nicht verwaltet, sondern klar angenommen. Auch in der Liga setzte die Mannschaft zuletzt noch einmal ein Zeichen: Nach dem 5:2 gegen Alzenau folgte zum Abschluss ein 3:1 beim SV Sandhausen. Platz vier in der Regionalliga Südwest war am Ende ok, aber sicherlich nicht das, was man sich in Homburg vorgenommen hatte.

Roland Seitz ordnet die Aufgabe klar ein. „Wir freuen uns sehr auf dieses für uns alle sehr wichtige Spiel. In den Pokal-Partien der bisherigen Runde haben wir uns souverän durchgesetzt und gezeigt, dass wir wieder ins Finale wollen. Wir haben den Gegner gut analysiert und wollen an die beiden Auftritte zuletzt in der Liga, wo wir uns gut präsentiert haben, anknüpfen“, sagt der FCH-Trainer.

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Der Gegner ist schwerer einzuschätzen, als es Tabellenplatz 15 in der 3. Liga vermuten lässt. Der FCS hat eine komplizierte Saison hinter sich, mit Trainerwechsel, vielen Unentschieden, Phasen der Unruhe und dem Blick nach unten. Am Ende steht der Klassenerhalt mit einem Kader, der eigentlich eine andere Blickrichtung versprochen hat. Denn Saarbrücken ist individuell stark besetzt, körperlich robust und in solchen Spielen erfahren. Auch der FCS ist klar durch den Wettbewerb gekommen: 9:0 gegen Bliesmengen-Bolchen, 5:0 gegen Quierschied, 8:0 gegen Kandil Saarbrücken und 5:0 im Halbfinale gegen Jägersburg.

Für Homburg wird entscheidend sein, ob die Mannschaft ihre jüngste Stabilität auch im Ludwigspark auf den Platz bekommt. In Sandhausen wirkte der FCH reif, kompakt und zielstrebig. Markus Mendler traf erneut, Hilal El-Helwe setzte Akzente, die Defensive stand über weite Strecken sicher. Dazu kommt eine Bilanz, die zeigt, dass Homburg nicht nur über Derbyenergie kommen muss. 71 Tore in der Regionalliga bedeuteten die drittbeste Offensive, 42 Gegentreffer eine der besten Defensivreihen der Liga. Wenn der FCH seine Umschaltmomente sauber ausspielt und defensiv nicht zu viele Räume anbietet, kann er Saarbrücken Probleme bereiten.

Offen bleibt die Personalie Kaan Inanoglu. Der Winterzugang hatte dem Homburger Angriff sofort gutgetan, musste zuletzt aber wegen Knieproblemen passen. Ob es für das Finale reicht, ist weiter fraglich. Sicher fehlen Lukas Hoffmann, Tim Littmann, Nico Jörg und Steffen Nkansah. Gerade Inanoglu könnte in einem Spiel wichtig werden, in dem Homburg vermutlich nicht viele klare Chancen bekommen wird. Gegen einen Drittligisten können einzelne Szenen reichen – dann müssen sie aber sitzen.

Dass im Ludwigspark gespielt wird, ist organisatorisch erklärbar, in dieser Konstellation aber sportlich zumindest diskussionswürdig. Der FCS kennt Stadion, Abläufe, Kabinen, Wege und Rasen. Homburg tritt formal auf neutralem Boden an, praktisch aber im Stadion des Gegners. Hinter den Kulissen wurde bereits angedeutet, dass es bei der Wahl des Finalortes künftig Veränderungen geben könnte. Für diesen Samstag ändert das nichts. Der FCH muss die Ausgangslage annehmen – und kann daraus auch Antrieb ziehen. Nicht jammern, nicht klein machen: Jetzt erst recht.

In einer offiziellen Veröffentlichung war zwischenzeitlich vom „FC Bad Homburg“ die Rede. Der Verband entschuldigte sich später und stellte klar, dass selbstverständlich der FC 08 Homburg gemeint war. Fehler passieren. Aber bei einem Traditionsverein wie dem FCH, der den saarländischen Fußball seit Jahrzehnten mit prägt, darf so etwas vor einem Finale dieser Größenordnung nicht passieren. Für Homburg ist es ein weiterer kleiner Baustein in einer Gefühlslage, die man sportlich übersetzen kann: unterschätzt? Dann zeigt es auf dem Platz.

Auf die Unterstützung seiner Anhänger kann der FCH jedenfalls zählen. Mehrere Fanbusse machen sich auf den Weg nach Saarbrücken, sieben waren bereits voll, für einen achten gab es zuletzt noch Restkarten. Auch die aktive Fanszene reist organisiert per Zug an. Das Sondertrikot ist stark nachgefragt, der Verein hat seine Anhänger aufgerufen, in Grün zu kommen. Der FCH wird zahlenmäßig nicht die Mehrheit stellen. Aber er wird grüne Akzente setzen – und genau das kann in einem Stadion wichtig werden, das sich für Homburg eher nach Auswärtsfahrt als nach neutralem Finalort anfühlt.

Die Pokalgeschichte zwischen beiden Vereinen liefert ohnehin genug Stoff. 70 Pflichtspiele gab es bereits, Saarbrücken hat in der Gesamtbilanz die Nase vorn. Im Pokal aber waren die Duelle der vergangenen Jahre oft eng. 2024 gewann der FCS das Finale im Ludwigspark knapp mit 2:1. Ein Jahr später revanchierte sich Homburg im Halbfinale im Waldstadion mit einem 2:1-Sieg und holte später den Titel. Nun kommt es erneut zum direkten Aufeinandertreffen.

Für Saarbrücken geht es um den Pokal, Prestige und den wirtschaftlich wichtigen Einzug in den DFB-Pokal. Für Homburg geht es um all das ebenfalls – und zusätzlich um die Chance, einer Saison mit verpasstem Ligaziel eine andere Überschrift zu geben. Die Regionalliga ist vorbei, die Kaderfragen bleiben, der nächste Anlauf wird kommen. Aber heute zählt nur dieses Finale.

Mehr als 11.200 Tickets waren im Vorfeld bereits verkauft. Die Tageskassen öffnen um 14.30 Uhr, für Homburger Fans sind im Ludwigspark die Blöcke C1, C2 und C3 vorgesehen. Das Finale ist Teil des bundesweiten „Finaltags der Amateure“ und wird in der ARD-Konferenz übertragen. Steht es nach 90 Minuten unentschieden, gibt es keine Verlängerung – dann geht es direkt ins Elfmeterschießen.

Der FC 08 Homburg fährt nicht als Favorit nach Saarbrücken. Aber er fährt eben auch nicht dorthin, um einem Saarbrücker Pokaltag nur die Kulisse zu liefern. Die Mannschaft hat in den vergangenen Spielen gezeigt, dass sie gegen starke Gegner oft ihre beste Leistung auf den Platz bringt. Und vielleicht ist genau das die beste Homburger Ausgangslage: großer Gegner, schwieriger Rahmen, grüne Kurve im Rücken – und die Chance, aus einem „Jetzt erst recht“ einen Titel zu machen.

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