Am 22. Januar 1963 haben Deutschland und Frankreich den Élysée-Vertrag unterzeichnet. Dieses Datum ist zum deutsch-französischen Freundschaftstag geworden. Das Saarland begeht diesen Tag jedes Jahr in besonderer Weise. Vor allen öffentlichen Gebäuden wird die französische Flagge gehisst. Daneben auch die Flagge des Saarlandes und die Europaflagge.

„Das jüngste Beispiel enger deutsch-französischer Kooperation ist das Inkrafttreten des Aachener Vertrages vor genau einem Jahr. Er ist ein großer Schritt nach vorne für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen sowie die grenzüberschreitende Zusammenarbeit“, sagte Peter Strobel. Auf Landesebene hat der saarländische Ministerrat im Januar 2020 die „feuille de route III“ der Frankreichstrategie beschlossen. Alle Saarländerinnen und Saarländer sind dazu eingeladen, bei diesem Bürgerprojekt mitzumachen. Unter www.frankreichstrategie.saarland können sich Interessierte aktiv am Prozess beteiligen, indem sie Vorschläge einbringen, Projekte kommentieren oder an Umfragen und Videokonferenzen teilnehmen. Zweimal im Monat werden die verschiedenen Partner der Frankreichstrategie vorgestellt, wie zum Beispiel das französische Generalkonsulat in Saarbrücken oder die Deutsch-Französische Hochschule. Die Bürgerinnen und Bürger können ihre Fragen stellen und ihre Meinung äußern. Zudem organisiert das Saarland auf dieser Plattform gemeinsam mit der Region Grand Est einmal im Monat eine Online-Veranstaltung des gemeinsamen Pariser Büros. Beim nächsten Termin am 27. Januar 2021 um 18:00 Uhr wird die Gesundheitskooperation zwischen den Grenzregionen erörtert.

Im Jahr 2020 wurde die deutsch-französische Zusammenarbeit mit den Herausforderungen der Corona-Pandemie konfrontiert. Dazu Europaminister Peter Strobel: „Nachdem das Krisenmanagement im Frühjahr zunächst stark auf nationale Belange fokussiert war, konnten wir im Saarland zusammen mit Grand Est Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung und zum Erhalt der Mobilität in der Grenzregion abstimmen. Wir haben aus dieser Situation viel gelernt und sind trotz der Krise noch enger mit unseren französischen Partnern zusammengerückt. 2021 wird die saarländische Landesregierung ihr deutsch-französisches Engagement fortsetzen. Mit Unterstützung unserer französischen Partner werden wir beispielsweise die Arbeitsweise und Zuständigkeiten der französischen Verwaltung im Saarland besser bekannt machen und gleichermaßen in Paris den Föderalismus Deutschlands konkret vorstellen. In diesem Jahr werden wir uns auch auf gemeinsame Projekte im Bereich der Künstlichen Intelligenz konzentrieren, zum Beispiel durch Partnerschaften mit dem französischen Innenministerium, dem DFKI und INRIA.“

Dazu Christian Petry: „Wie aus Feinden Freunde werden, das haben ganz besonders die Saarländerinnen und Saarländer sowie die Menschen in Lothringen bewiesen. Schon lange vor dem Schengener Abkommen 1985 über freien Waren- und Reiseverkehr in erster Linie zwischen den Staaten der Europäischen Union waren für sie Schlagbäume nicht mehr präsent. Das wurde uns erst wieder bewusst, wie dies alles zur Normalität gehört, als im ersten Corona-Lockdown Grenzen in einer nicht mit den Partnern abgestimmten einseitigen deutschen Aktion plötzlich dichtgemacht wurden. Das hinterließ Wunden. Aber aus dieser Erfahrung haben wir auch gelernt, wieder enger zusammenzurücken, gemeinsam nach Lösungen zu suchen wie in der jetzigen Pandemie. Der Tag der deutsch-französischen Freundschaft ist eben mehr als nur ein Kalenderfüller. Er beweist den Zusammenhalt mitten in Europa, für den wir jeden Tag aufs Neue einstehen müssen.“

Der Prozess zum Beitritt zur OIF, der internationalen Organisation der französischsprachigen Welt (Beobachterstatus), soll ebenfalls mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. Die Beherrschung der französischen Sprache bedeutet auch, Zugang zu den wirtschaftlichen und kulturellen Möglichkeiten der französischsprachigen Welt mit ihren 300 Millionen Menschen in 88 Staaten zu haben. Das Jahr 2021 steht ganz besonders für die gemeinsame grenzüberscheitende Krisenbewältigung. Unsere Freundschaft wird daran wachsen.

Die stellv. Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger: „Das Herz Europas ist die deutsch-französische Freundschaft und es schlägt im Saarland besonders laut. Die erstaunliche Friedensgeschichte der europäischen Union hat ihren Ursprung in der Versöhnung der ehemaligen angeblichen „Erbfeinde“ Deutschland und Frankreich. Die Grenzmaßnahmen während des ersten Shutdowns zeigen uns zweierlei: Erstens sind die damals geschlagenen Wunden nicht von Dauer, die Freundschaft unserer Völker ist stärker. Zweitens darf sich das nicht wiederholen. Die Grenzen zu unseren Nachbarn sind mittlerweile etwas Verbindendes, nichts Trennendes. Diese Grenze muss offen bleiben. Gedankenspiele in diese Richtung, wie die der Bundeskanzlerin, sind nicht im saarländischen Interesse.“

 

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