Die nicht zuletzt durch den Angriffskrieg Putins in der Ukraine ausgelöste Energiekrise verlangt den Bürgern auch in Blieskastel drastische Einschnitte im Umgang mit Energie ab. Schon jetzt sind die Kosten für Sprit, Gas, Öl, Elektrizität, aber auch nachhaltige Energierohstoffe wie Pellets erheblich gestiegen. Wir alle müssen spätestens mit der zum Jahreswechsel anstehenden Jahresrechnung aber auch den Vorauszahlungen für das nächste Jahr mit deutlich höheren Kosten rechnen.

„Wir erwarten, dass die Bundesregierung insbesondere Geringverdiener, Studenten und Rentner mit geringen Ruhestandseinkommen, die diese Kosten nicht aus eigener Kraft tragen können, entlastet“, so der für Soziales zuständige Beigeordnete, Guido Freidinger.

„Aber auch die Stadt selbst muss nicht nur wegen der zu erwartenden massiven Steigerung der Ausgaben für Energie und den daraus resultierenden Belastungen für den städtischen Haushalt ihren Beitrag zu der von der Bundesregierung ausgerufenen Energiewende leisten. Die bereits jetzt umgesetzten Maßnahmen wie Reduzierung der Beleuchtung im öffentlichen Raum der Verringerung der Wassertemperatur im Hallenbad und die Schließung, bzw nicht wieder Öffnung der Sauna werden bei weitem nicht reichen“ so Bürgermeister Bernd Hertzler. „Im Rahmen unserer bereits im Frühjahr gestarteten „Energiewende jetzt“-Strategie, bei deren Planung und Umsetzung uns die Stadtwerke Bliestal und die Pfalzwerke unterstützen, haben wir inzwischen weitere Maßnahmen ergriffen, die auch langfristig zu einer Verringerung des Energieeinsatzes und damit der Einsparung von Kosten und CO2 führen werden.“

Eine Arbeitsgruppe, die bereits seit Ende Juli die Energieverbräuche in städtischen Gebäuden und Einrichtungen ermittelt und die Wirtschaftlichkeit der Energieerzeugungsanlagen überprüft, erarbeitet derzeit konkrete Vorschläge zur Energieeinsparung. Warmes Brauchwasser für Duschen und Handwaschbecken wird wohl zukünftig nur noch in Ausnahmefällen zur Verfügung stehen. „Dabei werden wir wohl auch nicht umhinkommen, Hallen, deren Heizungsanlagen besonders unwirtschaftlich laufen und die gleichzeitig wenig genutzt werden, stillzulegen. Betroffenen Hallennutzern soll dann im Zweifel die Mitnutzung anderer, wirtschaftlicherer Hallen angeboten werden. Dabei werden wir natürlich soweit wie möglich die besonderen Interessen der Betroffenen einbeziehen bzw. berücksichtigen“, so der Beigeordnete. Mittel- und langfristig müssen aber viele inzwischen total veraltete Heizungsanlagen erneuert und damit erhebliche Mittel aus dem Haushalt aufgewandt werden, heißt es weiter aus dem Rathaus.

Einen wesentlichen Beitrag zur Steigerung der Effizienz von technischen Anlagen, aber auch bei verwaltungsinternen Abläufen, soll das zukünftige Gebäudemanagement leisten, für dessen Inangriffnahme im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit mit Gersheim nun hoffentlich bald grünes Licht seitens des saarländischen Innenministers gegeben wird. Auch dieser Vorschlag liegt nun dem Stadtrat zur Beschlussfassung vor.

Ein weiterer wichtiger Baustein zum Ausbau erneuerbarer Energien und damit auch ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz ist die Erarbeitung eines Steuerungsrahmens zur flächenhaften Solarenergie-Nutzung („Freiflächen-Photovoltaikanlagen“) in Blieskastel. Auch hierzu hat die Verwaltung eine Beschlussvorlage zur Beauftragung eines unabhängigen Planungsbüros dem Stadtrat zur Entscheidung in seiner nächsten Sitzung vorgelegt.

Völlig neue Wege will die Stadt nun in Zusammenarbeit mit den Stadtteilen gehen. Ausgangspunkt ist, dass die Erzeugung von Wärme mit Abstand der größte Energieverbraucher in den privaten Haushalten ist. In einem Modellvorhaben möchte die Stadt daher die zukünftige Wärmeversorgung neu denken. Geplant ist die Entwicklung eines zukunftssicheren und wirtschaftlichen Energiekonzeptes mit hohem Autarkiegrad. Zur Entwicklung und Umsetzung einer derartigen lokalen/dezentralen Wärmeversorgung ist die Beteiligung von interessierten Bürgerinnen und Bürgern stark gefragt. „Mit fachlicher Unterstützung unserer städtischen Energieversorger und eines entsprechenden energiewirtschaftlichen Ingenieur- bzw. Planungsbüros wollen wir gemeinsam mit den Bürgern in Stadtteilen bzw. Quartieren, die sich dafür bewerben, eine individuelle, wirtschaftliche Alternative zu den heute noch gängigen klimaschädlichen Einzelfeuerungsanlagen entwickeln. Wir haben hierzu Ende letzter Woche die in Frage kommenden Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, um ihnen das Projekt und seine Ziele genauer zu erläutern. Die Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher sind nun eingeladen, quasi als Multiplikatoren ihre Bürgerinnen und Bürger über dieses Vorhaben in geeigneter Form (Ortsratssitzung oder Bürgerversammlung) zu informieren und möglichst dafür zu begeistern“, so der Beigeordnete, der derzeit den im Urlaub weilenden Bürgermeister vertritt, bei der Vorstellung des Vorhabens in der Ortsvorsteher-Runde. Alle Infos werden aber auch für alle Bürger auf der Internetseite der Stadt zum Ansehen und Herunterladen bereitgestellt.

Bei der Erstellung der entsprechenden Interessenbekundungen hat die Stadt bzw. haben die Mitglieder der städtischen Strategiekommission ihre Unterstützung zugesagt. Die Abgabe Frist für die Interessenbekundung ist einvernehmlich auf den 30.09. festgelegt. Danach soll eine Expertenrunde die eingegangenen Bewerbungen bewerten und Vorschläge zur Realisierung machen. „Wir reden nicht nur über erneuerbare Energien, wir setzen die Energiewende tatkräftig um“, so Bürgermeister Bernd Hertzler in seinem Grußwort zu dem Treffen.

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