Es ist immer einer der Höhepunkte der HomBuch: die Verleihung des deutsch-französischen Freundschaftspreises. In diesem Jahr war es der Frankreich-Experte und Romanautor Alexander Oetker, der die Urkunde entgegen nehmen konnte. Als „Belohnung“ trug Oetker einige Seiten aus seinem neuesten Kriminalroman vor, der an der französischen Atlantikküste spielt. Viel Lob für seine Arbeit bekam der Schriftsteller von Ministerpräsidentin Rehlinger.

Nein, einfach sind sie beileibe nicht, die deutsch-französischen Beziehungen. Da setzen die einen auf Atomkraft, während die anderen ihre Energie-Hoffnungen voll in Wind und Sonne setzen. Da herrscht auf der einen Seite des Rheins ein Präsident mit scheinbar allumfassenden Vollmachten, während auf der anderen Seite ein Kanzler versucht, seine Koalition zusammenzuhalten. Gegensätze, die sich dem Otto-Normalverbraucher auf den ersten Blick vielleicht nicht unbedingt erschließen, jedoch ihre Wurzeln nicht zuletzt in unterschiedlichen Kulturen haben.

Foto: Stephan Bonaventura

Erklärungsbedarf gibt es also genug und insofern haben Frankreich-Kenner durchaus eine wichtige Aufgabe. Zumindest dann, wenn man die deutsch-französische Freundschaft als wichtig ansieht. Ein solcher Frankreich-Kenner ist Alexander Oetker, der schon mit Mitte Zwanzig Fernseh-Korrespondent in Paris war und seit vielen Jahren einen Großteil seiner Zeit in Frankreich verbringt. „Im Jahr verbringe ich ungefähr fünf Monate in Frankreich. Zum Recherchieren, aber auch zum gut leben“, erzählt Oetker im HOMBURG1-Interview. Schließlich ist es nicht zuletzt das berühmte „Savoir-vivre“, das der Deutsche am Franzosen schätzt – oder ihm neidet. Diese Lebensart und ganz allgemein die französische Mentalität versucht Oetker den Menschen östlich des Rheins näherzubringen. Ob nun mittels Kochbüchern oder seinen mittlerweile mehreren Romanen, die er verfasst hat.

Foto: Stephan Bonaventura

Für diese Arbeit bekam er nun im Homburger Siebenpfeifferhaus den Deutsch-französischen Freundschaftspreis verliehen, der vom saarländischen Europa-Ministerium mit 1000 Euro dotiert ist. Welche Bedeutung der Preis und die deutsch-französischen Beziehungen für das Saarland haben, wurde auch darin deutlich, dass Ministerpräsidentin Anke Rehlinger höchstpersönlich die Laudatio für Oetker hielt. „Sie sind mit der Zeit zum Tür- und Augenöffner für Frankreich geworden und so zum Mittler zwischen beiden Ländern“, lobte Rehlinger den 40-Jährigen. Oetkers Romanfiguren lebten uns französische Lebensart und Mentalität vor, so wie sie tatsächlich ist, sagte die Ministerpräsidentin.

Ministerpräsidentin Anke Rehlinger bei ihrer Rede auf der HomBuch 2022 – Foto: Stephan Bonaventura

Es sind Romanfiguren wie die des Kommissars Luc Verlain mit denen Oetker in die französische Lebenswelt eintaucht. Der hat mittlerweile in fünf Kriminalfällen ermittelt, Frauen und Kulinarik kommen dabei aber durchaus nicht zu kurz. Gutes Essen und Verführungskünste sind Dinge, die der Deutsche dem Franzosen gemeinhin gerne nachsagt und das vielleicht nicht ganz ohne Berechtigung. Aber genauso gibt es auf beiden Seiten auch Vorurteile, die nicht ganz der Wahrheit entsprechen. „Es gibt in der Politik aber auch in der Gesellschaft immer wieder Missverständnisse“, erklärt Oetker im Gespräch. „Die Deutschen glauben zum Beispiel, die Franzosen seien liederlich und schludrig, während mir in Frankreich gesagt wird, in Deutschland laufe alles perfekt.“ Da müsse er dann durchaus mal erklären, dass die Bahnen hier eben nicht pünktlich kommen und das Internet auf dem Land auch ziemlich schlecht sei. Trotz aller Missverständnisse sieht Oetker zwischen den beiden Völkern eine große Zuneigung. „Ich glaube, im Grunde liebt man sich und das ist gerade in den derzeitigen Krisen besonders wichtig.“

Alexander Oetker bei der Lesung im Siebenpfeifferhaus in Homburg – Foto: Stephan Bonaventura

Auch Ministerpräsidentin Rehlinger betonte in ihrer Rede diese Bedeutung der deutsch-französischen Beziehungen. „Selten war diese Freundschaft so wichtig. Gerade wir im Saarland wissen schließlich, was es bedeutet, wenn Grenzen nicht mehr akzeptiert werden“, sagte sie mit Blick auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Gerade die Menschen aus unserer Region seien vor diesem Hintergrund gefragt, zur Vertiefung der Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland beizutragen. Dabei gehe es jedoch nicht nur um Reden, sondern vor allem um Taten. Rehlinger nannte in diesem Zusammenhang einige Projekte, die sie vorantreiben möchte, so zum Beispiel bessere grenzüberschreitende Verkehrsverbindungen oder den Aufbau einer leistungsfähigen Wasserstoffinfrastruktur.

Auch das Team der Buchhandlung Hahn war bei der Lesung von Alexander Oetker mit vor Ort und präsentierte seine Romane – Foto: Stephan Bonaventura

Von dieser ist man derzeit natürlich noch weit entfernt. Mindestens genauso weit entfernt wie das Saarland von der französischen Atlantikküste, an der Oetkers Kommissar Luc Verlain ermittelt. In dessen Arbeit gab der Frankreich-Kenner an diesem Abend Einblick, indem er einige Seiten aus seinem neuesten Kriminalroman vorlas. Der befasst sich mit den Konsequenzen einer Sturmflut – politische Verwicklungen inklusive. Politische Verwicklungen, durch die der deutsche Leser wieder ein Stück weit besser versteht, wieso „die“ Franzosen so ticken, wie sie ticken.

Fotos: Stephan Bonaventura

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