Das Arbeitszeugnis, jahrzehntelang eine Domäne feinsinniger Formulierungskunst in den Personalabteilungen, bekommt zunehmend digitale Unterstützung. Mittlerweile greift jedes siebte Unternehmen in Deutschland beim Verfassen solcher Zeugnisse auf Künstliche Intelligenz zurück. Das geht aus einer repräsentativen Erhebung hervor, die der Digitalverband Bitkom bei mehr als 600 Unternehmen in Auftrag gegeben hat.
Insgesamt zeigt sich ein Bereich im Umbruch, wenn auch mit angezogener Handbremse. Verglichen mit vielen anderen Abteilungen tut sich das Personalwesen deutlich schwerer damit, auf die Technologie zu setzen. Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder benennt die Gründe klar: „Gerade im Personalbereich ist die Hemmschwelle für den Einsatz von KI höher als in vielen anderen Unternehmensbereichen.“ Viele Betriebe blieben zurückhaltend, auch aus Sorge, beim Umgang mit sensiblen Personaldaten gegen Datenschutzvorgaben zu verstoßen.
Hinzu kommen offene Fragen bei der Umsetzung des AI Act, der bestimmte Anwendungen im HR-Umfeld als Hochrisiko-Systeme einstuft. Trotz dieser Vorbehalte weisen die Zahlen eine eindeutige Richtung: Gegenüber 2024 ist die Nutzung in fast allen Feldern gestiegen.
Den Spitzenplatz belegt derzeit die individuelle Weiterbildung der Beschäftigten. In jedem sechsten Unternehmen, also 16 Prozent, kommt hier bereits KI zum Einsatz, weitere 58 Prozent können sich das grundsätzlich vorstellen. Zwei Jahre zuvor lag die tatsächliche Nutzung noch bei 12 Prozent. Beim Schreiben von Arbeitszeugnissen setzen 14 Prozent auf die Technologie, das Interesse weiterer 52 Prozent deutet auf künftiges Wachstum hin.
Ebenfalls 14 Prozent nutzen die Systeme, um neue Kolleginnen und Kollegen einzuarbeiten. Rohleder sieht darin einen praktischen Nutzen für den Berufsalltag: „Wer neu im Job ist, hat viele Fragen. Eine gut trainierte KI kann Antworten geben, bei der Orientierung helfen und ist immer verfügbar.“ So bleibe mehr Zeit für die individuelle Betreuung, wo es um wirklich persönliche Fragen gehe.
Auch die Beantwortung interner Personal-Anfragen läuft in 13 Prozent der Unternehmen bereits automatisiert, während sich mehr als die Hälfte diesen Schritt vorstellen kann. Besonders dynamisch entwickelt sich der Bereich der Arbeitsbelastung: Hier hat sich die Nutzung von 6 Prozent im Jahr 2024 auf nun 13 Prozent mehr als verdoppelt. Sensibler wird es bei der Bewertung der reinen Arbeitsleistung, wo aktuell 12 Prozent der Betriebe auf KI vertrauen und weitere 27 Prozent dies für die Zukunft erwägen.
Grundlage der Ergebnisse ist eine telefonische Befragung von 602 Unternehmen ab drei Beschäftigten, die Bitkom Research zwischen der 18. und der 25. Kalenderwoche 2026 durchgeführt hat. Die Umfrage gilt als repräsentativ für die Unternehmenslandschaft in Deutschland.



















