Von rund 2.020 Bauarbeitern im Saarpfalz-Kreis haben es nur etwa 120 über die Schwelle von 63 Jahren geschafft. Diese Zahl der Arbeitsagentur bringt die IG BAU Saar-Trier auf den Punkt: Wer auf dem Bau arbeitet, hört meist deutlich früher auf – aus gesundheitlichen Gründen. Für die Gewerkschaft ist das ein deutliches Signal, die Rentenpolitik grundlegend zu überdenken.
„Ob Maurer, Dachdecker, Kanal- oder Straßenbauer: Sie machen harte körperliche Arbeit. Und das bei Wind und Wetter – bei Hitze und Frost“, sagt Ute Langenbahn, Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt im Bezirk Saar-Trier. Für viele sei das Ende der Belastbarkeit längst erreicht, bevor der Ruhestand überhaupt in Sichtweite komme. „Für die meisten ist schon Schluss, bevor sie 60 sind. Sie packen die Arbeit auf dem Bau gesundheitlich dann einfach nicht mehr.“
Damit richtet sich die Gewerkschaft gegen die Pläne der Rentenkommission, die die Bundesregierung umsetzen will. Langenbahn vermisst darin vor allem ein Instrument, das körperlich fordernde Berufe berücksichtigt: die sogenannte Flexi-Rente. Diese solle allen Branchen offenstehen, in denen die Beschäftigten durch ihre Arbeit früher verschleißen. „Eine faire Rente muss unbedingt dem ‚Härtegrad der Arbeit‘, die geleistet wird, angepasst werden“, fordert sie und spricht von einem „Expresszugang in den regulären Ruhestand“.
Betroffen wären nach Ansicht der IG BAU nicht nur der Bau, sondern auch die Land- und Forstwirtschaft, die Gebäudereinigung sowie der Garten- und Landschaftsbau. An die Bundestagsabgeordneten aus dem Saarpfalz-Kreis und der Region appelliert Langenbahn deshalb, „Renten-Rückgrat“ zu zeigen und die Regierungspläne „dringend zu korrigieren“. Sonst drohten viele anstrengende Berufe weiter an Anziehungskraft zu verlieren.
Besonders scharf kritisiert die Gewerkschaft die geplante Abschaffung der Rente mit 63. Für die Baby-Boomer sei das „ein Schlag ins Gesicht“, der ihre Lebensplanung durchkreuze. Allein im Saarpfalz-Kreis stünden nach Berechnungen des Pestel-Instituts 24.600 Angehörige dieser Jahrgänge in den kommenden zehn Jahren vor dem Renteneintritt. Viele von ihnen hätten ihre Beitragsjahre längst voll: „Sie haben 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt“, betont Langenbahn. Ihnen kurz vor dem Ziel diese Option zu nehmen, koste politisches Vertrauen.
Ein dritter Streitpunkt ist das Rentenniveau, das in den 33 Vorschlägen der Kommission aus Sicht der Gewerkschaft zu kurz kommt. Es fehle eine garantierte Haltelinie – gerade für die kommende Rentner-Generation. „Der Staat darf den Baby-Boomern ab 2031 kein Absenken des Rentenniveaus unter 48 Prozent zumuten“, warnt Langenbahn. Auch beim Übergang zur kapitalgedeckten Zusatzrente dürfe es keinen Einbruch geben.
Langfristig geht der IG BAU die 48-Prozent-Marke jedoch nicht weit genug. „Grundsätzlich muss das Rentenniveau dann schnell wieder auf mindestens 53 Prozent kommen“, so die Bezirkschefin. Dafür sollten sich die heimischen Abgeordneten in ihren Berliner Fraktionen einsetzen. Ihr Fazit fällt eindeutig aus: Rente sei am Ende eine „politische Vertrauenssache“.















