Explodierende Kosten in Stuttgart, ein bundesweiter Totalausfall im Bahnverkehr: Für den Bund Katholischer Unternehmer (BKU) sind die jüngsten Negativschlagzeilen der Deutschen Bahn kein Zufall, sondern Symptome eines tiefer liegenden Problems. Der katholische Unternehmerverband fordert deshalb mehr unternehmerische Initiative im bundeseigenen Konzern – und auf lange Sicht dessen Privatisierung.
Im Mittelpunkt der Kritik steht die Frage, wer die kritische Infrastruktur des Landes am besten führen sollte. „Der Staat ist nicht der bessere Unternehmer“, stellt BKU-Bundesvorsitzender Dr. Martin Nebeling klar. Als Gegenbeispiel verweist er auf die deutsche Autoindustrie, die mit eigener Expertise und der Unterstützung nichtstaatlicher Prüfstellen wie dem TÜV hohe Sicherheitsstandards garantiere und zugleich effizienter arbeite.
Bei der zu 100 Prozent dem Staat gehörenden Deutschen Bahn sehe das Bild anders aus. Nebeling spricht von gravierenden Leistungsdefiziten und Missmanagement, das aus fehlender unternehmerischer Führung resultiere. Hinzu kämen Sicherheitsrisiken durch veraltete oder schlicht fehlende Technik. Den Beweis liefern aus seiner Sicht die anhaltenden Verzögerungen und Mehrkosten bei Stuttgart 21 ebenso wie der bundesweite Ausfall vom 23. Juni, der durch veraltete und nicht ausreichend redundant ausgelegte Funktechnik verursacht wurde.
Für den Verband gehören Sicherheit und Wirtschaftlichkeit untrennbar zusammen. Dr. Thomas Tietz, Leiter des BKU-Arbeitskreises Energie und Nachhaltigkeit, sieht hier vor allem den heimischen Mittelstand in der Pflicht. „Gerade der hocheffiziente deutsche Hightech-Mittelstand kann der DB innovative Konzepte liefern, die Leistung, Effizienz und Sicherheit der Schiene kurzfristig steigern“, erklärt er.
Nebeling denkt jedoch über kurzfristige Reparaturmaßnahmen hinaus und mahnt grundsätzlichen Reformbedarf an. Man müsse zwar rasch handeln, um die Infrastruktur zu schützen, dürfe aber die langfristige Leistungsfähigkeit nicht aus den Augen verlieren. „An einer Privatisierung der DB wird dabei auf lange Sicht kein Weg vorbeiführen“, so der Bundesvorsitzende. Sein Fazit fällt eindeutig aus: „Ohne mehr unternehmerische Initiative wird es keine leistungsfähige Schiene geben.“
Als Vorbilder nennt der BKU ehemalige Staatskonzerne, die längst den Schritt in die Eigenständigkeit gegangen sind. Deutsche Telekom, Deutsche Post und Lufthansa erwirtschafteten heute Steuereinnahmen für den Staat, statt ihn weiter zu belasten. Der Verband, der seit mehr als 75 Jahren Unternehmer und Führungskräfte auf Grundlage der Katholischen Soziallehre vereint, versteht sich dabei als Dialogpartner von Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Kirche und wirbt für Verantwortung und Gemeinwohlorientierung in der Sozialen Marktwirtschaft.

















