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Mehr als neun von zehn Energieversorgungsunternehmen in Deutschland und der Schweiz haben entweder bereits eine eigene Strategie für Künstliche Intelligenz umgesetzt oder arbeiten konkret daran, eine solche zu entwickeln. Das ist das zentrale Ergebnis der Digital@EVU-Studie 2026, die der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gemeinsam mit dem Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE), der Unternehmensberatung Kearney und IMP³ROVE am 14. April 2026 veröffentlicht hat. Die Zahlen verdeutlichen: KI und Digitalisierung haben sich in der Energiewirtschaft vom Randthema zum strategischen Kernwerkzeug gewandelt.

Die Branche steht unter doppeltem Druck. Einerseits muss sie die Energiewende vorantreiben, andererseits verlangt der Markt eine tiefgreifende digitale Erneuerung der eigenen Strukturen. Die Studie, die seit 2016 regelmäßig den digitalen Reifegrad der Versorger misst, untersuchte für das vergangene Jahr drei Handlungsfelder: die Transformation der Wertschöpfung, die Kundenzentrierung und das digitale Unternehmen. Besonderes Gewicht lag dabei auf Datenanalytik und KI-Anwendungen in der erneuerbaren Energieerzeugung sowie im Netzbetrieb. Zwei weitere Teilstudien sollen in den kommenden Monaten folgen.

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Die konkreten Befunde zeichnen ein differenziertes Bild. Ein Drittel der befragten Unternehmen hat bereits eine eigene KI-Strategie in die Praxis überführt, weitere 58 Prozent befinden sich in der Planungsphase. In den Bereichen Erzeugung und Netzübertragung beziehungsweise -verteilung zeigen sich deutliche Fortschritte: Relevante KI-Anwendungen erreichen dort Verbreitungsgrade von durchschnittlich 30 bis 50 Prozent. Gleichzeitig offenbart die Erhebung aber auch hartnäckige Schwachstellen. Zwar geben 56 Prozent der Versorger an, genaue Vorstellungen von den notwendigen Zukunftskompetenzen zu haben, doch lediglich 29 Prozent verfügen über eine Personalstrategie, um diese Kompetenzen tatsächlich aufzubauen. Gerade kleinere Energieversorger stoßen dabei an Grenzen, die sich im Vergleich zur Vorgängerstudie von 2023 kaum verändert haben.

Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, ordnete die Ergebnisse entsprechend ein: „Die Dynamik ist klar: Immer mehr Unternehmen entwickeln Strategien für eine KI-Nutzung mit echten Produktivitäts- und Effizienzgewinnen. Die Potenziale sind dabei noch längst nicht ausreichend gehoben. Es freut mich zu sehen, dass wir als Branche hier große Schritte nach vorne machen.“ Auch Michael Frank, Direktor des VSE, betonte die operative Dringlichkeit: „Entscheidend ist nun, datenbasierte Anwendungen rasch in die operative Praxis zu überführen – von intelligenter Netzsteuerung über vorausschauende Instandhaltung bis hin zu fundierteren Investitionsentscheidungen. Wer diese Potenziale konsequent nutzt, verbessert nicht nur die eigene Leistungsfähigkeit, sondern schafft auch eine wichtige Grundlage, um die Energiewende und den Ausbau der Infrastruktur langfristig zu finanzieren.“

Auf Beraterseite rückte vor allem die finanzielle Dimension in den Vordergrund. Martin Ruppert, Managing Director bei Kearney und IMP³ROVE, verwies darauf, dass digitale und KI-gestützte Initiativen messbare Effekte erzielen könnten – von höheren Renditen bei erneuerbaren Energien bis hin zu deutlichen Ergebnisverbesserungen im Netzbetrieb. „Das sind keine Technologieexperimente, sondern Investitionen, die Profitabilität, Resilienz und langfristige Wettbewerbsfähigkeit unmittelbar beeinflussen“, sagte Ruppert. Sein Kollege Horst Dringenberg, Partner bei Kearney und IMP³ROVE, ergänzte, der entscheidende Unterschied werde darin liegen, wie schnell die Versorger ihre Strategien in operative Wirkung überführten: „Das bedeutet, Analytics in tägliche Entscheidungen zu integrieren, vorausschauende Instandhaltung und Next-Best-Actions zu skalieren sowie Talent und Organisation konsequent an digitalen Prioritäten auszurichten.“

Die Studie macht damit zweierlei deutlich. Der Wille zur digitalen Transformation ist in der Energiewirtschaft breit verankert, und die ersten Erfolge in Erzeugung und Netzbetrieb sind messbar. Doch zwischen Strategiepapier und gelebter Praxis klafft nach wie vor eine Lücke – insbesondere beim Personal. Solange nur knapp ein Drittel der Unternehmen eine gezielte Strategie zur Entwicklung digitaler Kompetenzen verfolgt, droht die ambitionierte KI-Agenda an der Umsetzung zu scheitern. Für die Branche wird es in den kommenden Monaten darauf ankommen, den Schwung der Strategieentwicklung in konkrete operative Ergebnisse zu übersetzen – und dabei auch die kleineren Versorger nicht abzuhängen.

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