Freude und Applaus bei der Schecküberreichung von Ministerin Petra Berg (4.v.l.) an Verbandsvorsteher Frank John (4.v.r.) Foto: Paula Jacob
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Knapp 197.000 Euro für eine Zukunftsvision am Paradeplatz: Die saarländische Umweltministerin Petra Berg hat dem Biosphärenzweckverband Bliesgau einen Förderbescheid über 196.784,84 Euro überreicht, mit dem eine Machbarkeitsstudie für das seit Jahren geplante Biosphärenhaus in Blieskastel finanziert wird. Die symbolische Übergabe fand am 2. April 2026 in der Kantine der Kreissparkasse statt – jenem Gebäude also, das selbst im Zentrum der Pläne steht. Denn genau diese Filiale am Paradeplatz soll nach dem Willen des Zweckverbandes zum zentralen Besucher- und Erlebniszentrum des UNESCO-Biosphärenreservats Bliesgau umgebaut werden.

Die Idee ist nicht neu. Schon 2016 fasste die Verbandsversammlung den Grundsatzbeschluss, ein Biosphärenhaus in der Barockstadt zu errichten. Was folgte, war eine jahrelange Suche nach dem richtigen Standort. Verschiedene Alternativen wurden geprüft, verworfen, neu bewertet. Nun soll die mit EU-Mitteln geförderte Studie klären, ob das Sparkassengebäude mitten in der Altstadt tatsächlich die richtige Adresse ist. Landrat Frank John, zugleich Verbandsvorsteher des Biosphärenzweckverbandes, machte bei der Übergabe keinen Hehl aus seiner Erleichterung: „Ich bin froh, dass wir uns nach langen Jahren der Standortprüfung in der Verbandsversammlung auf dieses Gebäude im Herzen der Stadt einigen konnten. Mit Unterstützung der LEADER-Fördermittel können wir nun die Realisierbarkeit fundiert untersuchen.“

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Die Fördersumme speist sich aus dem EU-Programm LEADER, genauer aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes. 80 Prozent der Mittel stammen aus diesem europäischen Topf, die restlichen 20 Prozent steuert das saarländische Umweltministerium bei. Für Ministerin Berg hat das Vorhaben eine Bedeutung, die weit über Blieskastel hinausreicht. „Es ist von entscheidender Bedeutung für das Biosphärenreservat Bliesgau, dass das Projekt Biosphärenhaus weiter voranschreitet“, sagte sie. Mit Blick auf die nächste Evaluierung durch das UNESCO-Nationalkomitee im Jahr 2029 sei dies ein wichtiger Pluspunkt. Zudem unterstreiche der Umbau eines Bestandsgebäudes das Engagement des Zweckverbandes für nachhaltiges Bauen und Sanieren in der Region.

Was in dem Gebäude konkret entstehen soll, zeichnet sich bereits ab. Erste Zwischenergebnisse der Studie liegen vor und bestätigen: Ein Umbau ist grundsätzlich machbar. Im Kellergeschoss ist ein Seminarraum für bis zu 55 Personen vorgesehen, das Erdgeschoss soll eine Dauerausstellung zum Biosphärenreservat beherbergen, und im ersten Obergeschoss sind wechselnde Ausstellungen geplant. Die oberen Etagen würden Büroräume für die Saarpfalz-Touristik und die Geschäftsstelle des Biosphärenzweckverbandes aufnehmen. Auch die energetische Sanierung des Gebäudes steht ganz oben auf der Agenda – das Haus soll nachhaltig ausgerichtet werden und damit selbst zum Anschauungsobjekt für die Werte des Biosphärenreservats werden.

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Verantwortlich für die Studie sind die Homburger Innenarchitektin Anja Welle und der Architekt Joachim Sessinghaus, die gemeinsam mit einer bundesweit aufgestellten Bietergemeinschaft aus spezialisierten Büros und Agenturen an dem Projekt arbeiten. Welle betonte den konzeptionellen Kern des Vorhabens: „Die Umnutzung bestehender Gebäude ist ein wesentlicher Aspekt des Nachhaltigen Bauens und Kernthema unserer Arbeit. Das Biosphärenhaus soll das Thema Biosphäre Bliesgau vermitteln, Anziehungskraft entwickeln, langlebig sein und auch den Einwohnern der Region zum Mehrwert werden.“ Tourismusfachleute bescheinigen dem Standort bereits jetzt erhebliches Potenzial und rechnen mit Zuspruch aus der gesamten Großregion.

Blieskastel gilt als eines der wichtigsten Tore zum Naturraum des Bliesgau. Viele Erkundungstouren durch das Biosphärenreservat nehmen hier ihren Anfang, die Barockstadt zieht schon heute zahlreiche Besucherinnen und Besucher an. Ein zentrales Informations- und Erlebniszentrum würde diese Funktion institutionalisieren und zugleich die besondere Stadt-Land-Beziehung sichtbar machen, die als Alleinstellungsmerkmal des Biosphärenreservats gilt. Das geplante Haus soll Gästen wie Einheimischen gleichermaßen als Anlaufstelle und Ausgangspunkt dienen.

Derzeit ermitteln die Planer im Rahmen der Studie die konkreten Kosten für Umbau, Ausstellungsgestaltung und den späteren laufenden Betrieb. Am Ende soll eine tragfähige Finanzierungsstruktur stehen, die weitere Fördermittel ebenso einbezieht wie Eigenmittel des Zweckverbandes und seiner Mitglieder. Mit der Übergabe des Bewilligungsbescheids ist ein entscheidender Schritt getan – ob aus der Vision am Paradeplatz tatsächlich Realität wird, hängt nun von den Ergebnissen der Studie ab.

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