Marie und Pascal Leiner aus Homburg an der Saar haben kurz hintereinander Stammzellen gespendet und damit zwei Lebenschancen geschenkt. Foto: Privat

Marie und Pascal Leiner aus Homburg haben vieles miteinander geteilt: mehr als 15 Jahre Beziehung, sechs Jahre Ehe und das Familienleben mit ihrer Tochter Sophia. Was ihre Geschichte nun besonders macht, begann im Sommer 2020 mit einer Entscheidung, die zunächst unscheinbar wirkte. Beide ließen sich bei der DKMS registrieren. Fünf Jahre später wurde daraus eine Erfahrung, die weit über den eigenen Alltag hinausgeht.

Im Sommer und Herbst 2025 werden beide unabhängig voneinander als mögliche Spender für an Blutkrebs erkrankte Patienten ausgewählt. Ein seltener Zufall, der selbst die beiden überrascht. Während bei Pascal zunächst noch offen ist, ob er tatsächlich infrage kommt, steht bei Marie schnell fest, dass sie für ihren genetischen Zwilling geeignet ist. Die Krankenschwester kennt medizinische Abläufe aus ihrem Berufsalltag – doch die eigene Vorbereitung auf die Stammzellspende ist für sie eine neue Situation. Fünf Tage lang injiziert sie sich einen Wachstumsfaktor, der Nebenwirkungen auslöst. „Die habe ich gerne in Kauf genommen, da ich ja wusste, dass die Empfängerperson deutlich mehr durchmachen muss als ich in den fünf Tagen mit den Spritzen“, sagt sie.

Pascal begleitet sie zu den Untersuchungen und zur Spende im DKMS-Entnahmezentrum in Dresden. Auch die Familie unterstützt im Hintergrund und kümmert sich um die gemeinsame Tochter. Die Spende verläuft komplikationslos, die Stammzellen gehen nach Griechenland. Für Marie bekommt die Geschichte damit eine zusätzliche persönliche Note: „Ich freue mich, dass ich jetzt einen genetischen Zwilling in Griechenland habe.“ Eine Verbindung, die für das Paar nicht ganz fremd ist – ihren Hund Leo hatten sie vor einigen Jahren ebenfalls aus Griechenland adoptiert.

Foto: PrivatNur rund zwei Wochen später wird auch Pascal kontaktiert. Er soll ebenfalls Stammzellen spenden. „Ich war sehr berührt und habe erst mal ein paar Tränchen verdrückt“, sagt er. Für den Inhaber einer Heizungsbaufirma ist selbst der Zeitpunkt in der arbeitsintensiven Winterphase kein Hindernis. „Auch wenn ich um die halbe Welt fliegen müsste, es wäre für mich kein Weg zu weit, um einem Menschen helfen zu dürfen.“ Seine Spende verläuft ebenfalls ohne Komplikationen. Während Marie Nebenwirkungen gespürt hatte, bleibt Pascal davon verschont, fühlt sich lediglich im Anschluss kurzzeitig erschöpft. Bereits am nächsten Tag ist er wieder fit. Seine Stammzellen bleiben in Deutschland und geben einem Patienten und dessen Familie Hoffnung zum Jahreswechsel.

Beide beschreiben die Abläufe rund um die Spende als gut organisiert und transparent. Besonders die Betreuung und Aufklärung durch die DKMS hätten ihnen Sicherheit gegeben. Für das Ehepaar ist die Erfahrung längst mehr als eine medizinische Prozedur. Sie ist Teil ihrer gemeinsamen Geschichte geworden – ein Erlebnis, das sie miteinander verbindet und das weit über klassische Lebensstationen hinausgeht. „Neben den Dingen wie Urlaub, Hochzeit oder Geburt, welches Paar kann schon sagen, dass sie zusammen Leben gerettet haben?“, sagt Marie.

Infokasten: Stammzellspender werden
Viele Blutkrebspatienten sind auf eine Stammzellspende angewiesen, um eine Überlebenschance zu erhalten. Eine Registrierung als potenzieller Spender ist unkompliziert und erfolgt in der Regel über ein Online-Set für einen Wangenabstrich. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Registrierung bietet die DKMS unter www.dkms.de.

Die persönliche Motivation ist dabei auch im eigenen Umfeld gewachsen. Krankheiten wie Krebs haben dort mehrfach eine Rolle gespielt. Mit der Geburt ihrer Tochter sei zudem das Verantwortungsgefühl noch stärker geworden. „Man kann sein Kind vor vielem beschützen, leider nicht vor so einer Krankheit. Wie schön ist es daher, wenn man anderen helfen kann“, sagt Pascal. Auch Sophia verfolgt die Geschichte ihrer Eltern aufmerksam – und möchte sich später selbst registrieren lassen.

Zum Jahreswechsel 2025/2026 richten sich die Gedanken des Paares auch an die Empfänger ihrer Spenden. Beide hoffen, dass ihre Stammzellen gut angenommen werden und die Patienten wieder gesund werden. Ein persönliches Kennenlernen wäre für sie denkbar, falls dies eines Tages möglich sein sollte. Vorerst bleibt die Verbindung anonym – und doch prägend genug, um ein fester Teil ihres gemeinsamen Lebens zu sein.

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