Sauberes Trinkwasser ist ein Grundrecht – doch selbst in Deutschland wird der EU-Grenzwert für Nitrat im Grundwasser nicht überall eingehalten. Anlässlich des Weltwassertags am 22. März 2026 mahnt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) eindringlich, den Schutz der Wasserressourcen nicht aufzuweichen. Unter dem diesjährigen Motto „Water and Gender“ rücken die Vereinten Nationen die Frage in den Fokus, wie ein gerechter Zugang zu Wasser und Sanitärversorgung weltweit für alle Menschen sichergestellt werden kann.

Martin Weyand, BDEW-Hauptgeschäftsführer für den Bereich Wasser und Abwasser, ordnet die Lage in Deutschland ein: „Der Zugang zu sauberem Trinkwasser in ausreichender Menge und Qualität ist ein Grundrecht und die Basis gesellschaftlicher Teilhabe und Gesundheit.“ Die öffentliche Wasserwirtschaft garantiere hierzulande ein hohes Versorgungsniveau, auf das sich alle Menschen unabhängig von ihrer Lebenssituation oder ihrem sozialen Hintergrund verlassen könnten. Doch dieses Niveau zu halten, erfordert nach Weyands Einschätzung konsequentes Handeln – vor allem beim Gewässerschutz.

Denn die Belastung durch Nitrat bleibt ein hartnäckiges Problem. Insbesondere Einträge aus der Landwirtschaft in Grund- und Oberflächengewässer gefährden die Wasserqualität. Die EU-Nitratrichtlinie setzt den Grenzwert bei 50 Milligramm pro Liter Grundwasser fest. Dieser Wert wird weder in Deutschland noch in anderen EU-Staaten flächendeckend erreicht. Das Düngegesetz schreibt zwar einen nachhaltigen und ressourceneffizienten Umgang mit Nährstoffen als Leitprinzip fest, doch zwischen Gesetzestext und Realität klafft offenbar eine Lücke.

Weyand warnt davor, die bestehenden Regelungen aufzuweichen. „Eine Abschwächung der Nitrat-Richtlinie oder des nationalen Düngerechts würde den hohen Stellenwert des Gewässerschutzes diskreditieren und ein falsches Signal im Angesicht einer weiterhin bestehenden Belastungssituation senden“, betont er. Grund- und Oberflächengewässer seien eine zentrale Lebensgrundlage, die Basis der Trinkwasserversorgung und ein unverzichtbares öffentliches Gut. Statt Regeln zu lockern, brauche es deren konsequente Umsetzung. Entscheidend sei dabei ein verursachergerechtes und wissenschaftlich fundiertes Wirkungsmonitoring, das eine ganzheitliche Bilanzierung von Nährstoffen in landwirtschaftlichen Betrieben ermögliche und so Rückschlüsse auf die tatsächliche Wirksamkeit von Maßnahmen in der Praxis zulasse.

Dass ein effizienter Einsatz von Düngemitteln nicht nur der Umwelt dient, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist, gehört zu den Kernargumenten des Verbands. Wer Nährstoffe gezielter ausbringt, spart Kosten und schont zugleich die Gewässer. Ökologie und Ökonomie stehen in diesem Fall nicht im Widerspruch zueinander – eine Erkenntnis, die sich nach Ansicht des BDEW stärker in der landwirtschaftlichen Praxis niederschlagen müsste.

Der Weltwassertag selbst hat eine lange Tradition. Die UNESCO rief ihn 1992 ins Leben, seit 1993 wird er jährlich am 22. März begangen. Ziel ist es, das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung der Ressource Wasser zu schärfen. Seit 2018 läuft zudem die UN-Weltwasserdekade, die noch bis März 2028 andauert und mit der die Vereinten Nationen den Themen Wasser und Gewässerschutz besondere Aufmerksamkeit verschaffen wollen. Der diesjährige Fokus auf Geschlechtergerechtigkeit beim Zugang zu Wasser unterstreicht, dass die globale Wasserkrise nicht alle Menschen gleichermaßen trifft – und dass Lösungen nur dann gerecht sein können, wenn sie niemanden zurücklassen.

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