Vor 50 Jahren wurde das Saarland neu geordnet – mit Folgen, die bis heute in jedem Landkreis, in jeder Stadt und in vielen Dörfern spürbar sind. Wie tief diese Reform in den Alltag und in das Selbstverständnis der Menschen eingriff, erzählt nun ein neues Sammelwerk, das Geschichte nicht nur nachzeichnet, sondern erlebbar machen will.
Das Innenministerium hat gemeinsam mit dem Verein für Landeskunde im Saarland e.V. (VLS) ein Buch zur Gebiets- und Verwaltungsreform von 1974 vorgelegt. Die Veröffentlichung bündelt zahlreiche Beiträge, die sich mit Planung, Umsetzung und Konsequenzen dieser tiefgreifenden Neuordnung beschäftigen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur politische Entscheidungen, sondern vor allem die Erfahrungen der Bevölkerung.
Insgesamt 18 Autoren haben für das Projekt recherchiert, mit Zeitzeugen gesprochen und eigene Erinnerungen eingebracht. Entstanden ist eine Sammlung von Texten, die von Gesprächen mit Beteiligten bis hin zu persönlichen Anekdoten reicht. Aus diesen unterschiedlichen Blickwinkeln ergibt sich eine Collage, die die damalige Situation aus vielen Perspektiven beleuchtet und ein abwechslungsreiches Gesamtbild der Reformjahre zeichnet.
Die Gebiets- und Verwaltungsreform von 1974 gilt als Meilenstein in der Geschichte des Saarlandes. Damals wurden die bis dahin bestehenden 345 Städte und Gemeinden aufgelöst und zu neuen Einheitsgemeinden zusammengeführt. So entstanden die Landkreise, Städte und Gemeinden in den Grenzen, wie sie heute bekannt sind. Der Prozess war jedoch umstritten: In Teilen der Bevölkerung, die stark mit ihrer Heimat verbunden war, kam es zu intensiven Protesten – insbesondere dort, wo gewachsene historische Beziehungen nicht vollständig berücksichtigt werden konnten oder neue Zuschnitte als Bruch mit der Tradition empfunden wurden.
Innenminister Reinhold Jost betont in diesem Zusammenhang die besondere Rolle der Menschen im Land. „Das Saarland zeichnet sich besonders durch die tiefe emotionale Verbundenheit der Menschen mit ihrer Heimat aus. Dies ist gleichzeitig ein wesentlicher Baustein der Identität der Saarländerinnen und Saarländer. Das war auch schon 1974 der Fall“, erklärte Jost. Aus diesem Grund rücken die Reaktionen auf die Reform, sowohl auf politischer Ebene als auch im Alltag der Bürger, in den Mittelpunkt des Sammelbandes. „Denn sie bilden Herz und Seele unseres schönen Bundeslandes. Dementsprechend haben die Autoren, als Saarländer für Saarländer, viel Zeit, Energie, Herzblut und Leidenschaft in ihre Beiträge investiert und das Thema damit äußerst ansprechend, anregend und spannend beleuchtet. Für diese hervorragende Arbeit haben sie größten Dank und höchste Anerkennung verdient!“, so der Minister weiter.
Jost sieht in der Lektüre des Bandes auch eine Chance, historische Entwicklungen besser zu verstehen. „Das fördert nicht nur das Verständnis unserer historischen Entwicklung, sondern kann uns möglicherweise auch hilfreiche Lektionen für die Zukunft mitgeben, frei nach August Bebels Ausspruch: »Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.«“ Das Buch versteht sich damit nicht nur als Rückblick, sondern auch als Anstoß zur Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen von Identität, Verwaltung und regionaler Struktur.
Das Sammelwerk ist für 24,90 Euro zuzüglich Versand im Onlineshop des Landesamts für Vermessung, Geoinformation und Landentwicklung erhältlich. Bestellt werden kann es unter www.shop.lvgl.saarland.de.
Damit liegt nun eine umfangreiche literarische Aufarbeitung eines der prägendsten Kapitel der saarländischen Nachkriegsgeschichte vor, die den Blick auf das heutige Saarland um viele historische Facetten erweitert.



















