Zwischen barocken Fassaden, engen Gassen und weiten Weihern wurde in Blieskastel ein Stück Regionalgeschichte neu aufgeschlagen: In der Orangerie ist das Buch „Verlorene Schlösser und verborgene Adelssitze“ vorgestellt worden, eine Neuauflage, die sich der einst dichten Schlösserlandschaft im Gebiet des heutigen Saarpfalz-Kreises widmet.
Herausgegeben wird das Werk von Dr. Jutta Schwan aus dem Kulturmanagement des Saarpfalz-Kreises. Der Ort der Präsentation war bewusst gewählt: Wer durch die Altstadt von Blieskastel geht oder eine Runde um den Würzbacher oder den Jägersburger Weiher dreht, ahnt, wie zahlreich und vielfältig die Schlösser und Adelssitze in der Region einst waren. Viele der früher prunkvollen Anlagen, darunter die Schlösser in Blieskastel und Wecklingen oder das legendäre Schloss Karlsberg bei Homburg, sind verschwunden oder nur noch als Ruinen erhalten. Die verbliebenen Reste lassen die frühere Größe und Pracht nur erahnen.
Ein entscheidender Einschnitt war das Jahr 1793, als französische Revolutionstruppen plündernd und brandschatzend durch die Gegend zogen. Mit dieser Gewalt endete die Epoche der Residenzen, Jagd- und Sommerschlösser, der städtischen Paläste und aufwendig angelegten Gärten mit exotischen Pflanzen. Die Region als zusammenhängende „Schlösserlandschaft“ ist seitdem im Alltag kaum noch erfahrbar – auch nicht mit einem herkömmlichen Reiseführer.
Für das neue Buch haben sich Dr. Jutta Schwan und ihre Mitautorinnen und -autoren erneut intensiv in Archiven und Bibliotheken auf Spurensuche begeben. Grundlage ihrer Arbeit waren überlieferte schriftliche Beschreibungen und bildliche Darstellungen. Aus dieser erneuten Recherche sind zahlreiche Funde und einige überraschende Erkenntnisse hervorgegangen, die nun in der Publikation gebündelt vorliegen.
Landrat Frank John, der in der Orangerie zahlreiche Gäste begrüßte, fasste den Anspruch des Projekts zusammen: „Das vorliegende Buch bündelt die Ergebnisse einer intensiven Spurensuche. Fotografien, Zeichnungen, historische Karten sowie wissenschaftlich fundierte bildliche Rekonstruktionen ermöglichen einen tiefreichenden Blick in die Geschichte der verlorenen Schlösser und verborgenen Adelssitze unserer Region. Eine echte Bereicherung.“
Auch Stefan Wirtz vom Conte-Verlag, in dem das Buch erschienen ist, hob den besonderen Charakter der Zusammenarbeit hervor. „Die Zusammenarbeit mit Jutta Schwan und den weiteren Autorinnen und Autoren war sehr angenehm. Ich bin froh, ein Werk dieser Klasse über unsere Heimat veröffentlichen zu können. Geschichten über unsere Region, geschrieben von Menschen aus der Region und hier gedruckt und gebunden – mehr Regionalität geht nicht“, freute sich Stefan Wirtz.
Die Print-Ausgabe umfasst 246 Seiten. Sie will mit anschaulichen Beschreibungen die Lücke zwischen knappen Reiseführern und sehr umfangreichen wissenschaftlichen Publikationen schließen. Die dargestellten Ergebnisse und die große Bandbreite der behandelten Objekte sollen viele Leserinnen und Leser überraschen und dazu anregen, die heutige Saarpfalz mit einem neuen Blick zu erkunden. Im Anhang finden besonders Interessierte weiterführende Literaturhinweise, die den Einstieg in eine vertiefte Beschäftigung mit dem Thema erleichtern.
Bei der Präsentation sorgten Dr. Jutta Schwan und die Kammerzofe Henrietta, dargestellt von Monika Link, für einen besonderen Akzent. In einer Art szenischer Lesung, bei der die Kammerzofe eigens „von der Schweigepflicht entbunden“ wurde, brachten sie Episoden und Hintergründe aus der Welt der einstigen Adelssitze lebendig zur Geltung und machten deutlich, wie viel Stoff für weitere Entdeckungen in der Region steckt.
Entstanden ist das Buch mit Unterstützung des Saarpfalz-Kreises, der BarockStraße SaarPfalz sowie der Ike und Berthold Roland-Stiftung. „Verlorene Schlösser und verborgene Adelssitze“ ist im Buchhandel erhältlich und richtet den Blick auf eine historische Kulturlandschaft, deren Spuren im Alltag leicht übersehen werden, deren Geschichte nun aber auf 246 Seiten nachlesbar ist.






















