Symbolbild

Es ist die große Frage der Pandemie: Wie bekommen wir endlich unser normales Leben zurück? Mit der Entwicklung des Impfstoff dachten viele wohl: Das dürfte doch jetzt nicht mehr allzu lange dauern. Umso größer ist die Enttäuschung, dass es auch einige Monate nach der Zulassung von Impfstoffen nicht so aussieht, als würde es große Fortschritte geben. Und so werden Alternativkonzepte diskutiert. So auch bei den Homburger Stadtratsfraktionen.

„Wir brauchen neben den Testungen vor allem Impfungen, Impfungen und noch mehr Impfungen.“ Was der Fraktionsvorsitzende der CDU im Homburger Stadtrat, Dr. Stefan Mörsdorf, fordert ist nicht nur im Homburger Stadtparlament Konsens. Die Frage lautet nur: Wie? Durch mehr Produktion, das scheint logisch. Doch gibt es auch alternative Möglichkeiten, die Impfungen zu beschleunigen und Deutschland so aus dem Würgegriff der Pandemie zu befreien?

Ja, findet Mörsdorf. Konkret schlägt er vor, unmittelbar alles zu verimpfen, was an Impfstoff derzeit verfügbar ist. Also auch die Rückstellungen für die Zweitimpfungen. Damit spekuliert der CDU-Politiker wohl darauf, dass in den kommenden Wochen deutlich mehr Impfstoff zur Verfügung stehen könnte als derzeit, um die dann noch ausstehenden Zweitimpfungen an den Mann bringen zu können. Zur Erinnerung: Das Saarland fährt gerade eine andere Politik und legt die Impfdosen für die Zweitimpfung zurück.

Auch Wilfried Bohn von der SPD hofft in den kommenden Wochen auf deutliche Fortschritte bei der Impfstofflieferung. „Wenn die Einschätzung der Kassenärztlichen Vereinigung stimmt und genügend Impfstoff geliefert werden kann, ist da für die nächsten Wochen ein kräftiger Schub zu erwarten.“ Damit bezieht sich Bohn offenbar auf die Erwartung der Kassenärztliche Vereinigung, dass ab Ende April deutlich mehr Impfstoff verimpft werden könnte. „Die Einbeziehung der Arztpraxen ist dazu ein sehr wichtig Schritt“, so Bohn.

Andere wollen jedoch nicht auf die Impfstofflieferungen warten. Ähnlich wie Dr. Stefan Mörsdorf fordern sie bereits jetzt eine größere Flexibilität bei den Impfungen. So zum Beispiel FDP und AfD. So fordert die FDP in Person von Stadtratsmitglied Michael Eckardt, die Impfpriorisierung komplett aufzugeben und die Entscheidung den Hausärzten zu überlassen. „Diese kennen ihre Patienten am besten. Können die Hausärzte nicht selbst impfen, können sie eine Überweisung an ein Impfzentrum schreiben.“

Auch Markus Loew von der AfD fordert, die Impfstoffverteilung für derzeit nicht priorisierte Bevölkerungsgruppen zu öffnen. Es müssten Impfangebote für diejenigen gemacht und ausgeweitet werden, die sich impfen lassen wollen. „Da gibt es weit über 60-Jährige, die auf mehrfache Nachfrage bis heute noch keine Antwort bekommen haben wann sie denn nun geimpft werden können. Von den Jüngeren, die an einer Impfung interessiert sind, ganz zu schweigen.“

CDU-Politiker Mörsdorf möchte die Jüngeren ebenfalls stärker in die Impfkampagne einbeziehen. So fordert er, jüngere Bevölkerungsgruppen mit hohem Infektionsrisiko, wie zum Beispiel Lehrkräfte an allen Bildungseinrichtungen, mit mRNA-Impfstoffen wie Biontech zu impfen. Schließlich mache es „derzeit keinen Sinn, Personen über 60 Jahre mit mRNA-Impfstoffen zu impfen und bei ihnen auf die Impfung mit AstraZeneca zu verzichten.“ Derzeit darf AstraZeneca auf Empfehlung der Ständigen Impfkommission nur an über 60-Jährige verimpft werden.

Dagegen möchte Barbara Spaniol von der Linkspartei an der derzeitigen Impfpriorisierung festhalten. Bei einer Aufhebung der Priorisierung bestehe die Gefahr, dass sich die ohnehin stärksten und am besten vernetzten auch zuerst durchsetzten und die Alten, Schwachen und Alleinstehenden zurückblieben. „Für Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen ist die Gefahr eines schweren Krankheitsverlaufs bis hin zum Tode besonders groß, darum sollten sie auch unbedingt zuerst geimpft werden.“

Spaniol weist außerdem noch auf ein Vakzin hin, der bisher vom Saarland nicht bestellt wurde: den russischen Sputnik-V Impfstoff. Es gebe keinen Grund, wieso dieser nicht verimpft werden sollte, sobald eine Zulassung vorliege. Auf genau diese Zulassung verweist auch Marc Piazolo in seiner Antwort. „Erst wenn ein Impfstoff von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA zugelassen ist, darf dieser verimpft werden.“ Die Regel und Qualitätsanforderungen müssten für jeden Hersteller gleich sein. Und wenn diese Zulassung vorliegt, dürfte es auch bei Sputnik heißen: Impfen, impfen und noch mehr impfen.

 

 

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