Um die Tiere und Pflanzen im Orchideengebiet zu schützen, bleiben Besuchende gerne auf den Wegen. Foto: Pia Schramm

Rund ein Drittel der Fläche Deutschlands steht unter dem Schutz von Nationalparken, Naturparken, Biosphärenreservaten und Wildnisgebieten – und doch sind viele dieser Lebensräume voneinander abgeschnitten. Genau darauf will der Europäische Tag der Parke am 24. Mai aufmerksam machen. Unter dem Motto „Verbunden durch die Natur“ rücken die Nationalen Naturlandschaften in diesem Jahr die Frage ins Zentrum, wie intakte Ökosysteme wieder zusammenwachsen können.

Das Problem ist längst kein abstraktes Naturschutzthema mehr. Autobahnen zerschneiden Wälder, Staumauern unterbrechen Flussläufe, und versiegelte Flächen fressen sich in Wiesen und Auen. Was einmal zusammenhängende Lebensräume waren, zerfällt in isolierte Fragmente. Wildlebende Tiere stoßen auf Barrieren, wo sie Wanderwege bräuchten. Pflanzen verlieren die Möglichkeit, sich auszubreiten und genetisch zu durchmischen. Ganze Ökosysteme büßen dadurch an Widerstandskraft ein – ein schleichender Prozess, der sich auf regionaler Ebene besonders deutlich zeigt.

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Die Schutzgebiete der Nationalen Naturlandschaften verstehen sich deshalb als Brückenbauer. Durch die Renaturierung von Flüssen, die Wiedervernetzung zerschnittener Waldgebiete und die Einrichtung von Wildtierkorridoren entstehen neue Verbindungen zwischen bislang getrennten Habitaten. Auch grenzüberschreitende Kooperationen spielen dabei eine wachsende Rolle. Ziel ist es, aus vereinzelten Naturinseln wieder lebendige Netzwerke zu formen, in denen Arten wandern, sich ausbreiten und langfristig überleben können. Das Bündnis der Nationalen Naturlandschaften steht dabei nach eigenem Verständnis nicht nur für ökologische Vielfalt, sondern auch für Toleranz und Demokratie.

Während Menschen ihren Alltag selbstverständlich vernetzt gestalten – sie pendeln, überqueren Brücken, nutzen Straßen und digitale Verbindungen –, bleibt genau diese Vernetzung der Natur vielerorts verwehrt. Der Europäische Tag der Parke will diesen Widerspruch sichtbar machen und gleichzeitig feiern, was bereits erreicht wurde. Denn wo Schutzgebiete aktiv an der Wiederherstellung arbeiten, kehrt Dynamik in die Landschaft zurück.

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In der Biosphäre Bliesgau lässt sich das am kommenden Wochenende ganz konkret erleben. Wer Natur nicht nur aus der Ferne betrachten, sondern selbst Teil der Verbindung werden möchte, findet dort ein vielfältiges Programm. In Gersheim etwa führt eine Orchideenexkursion durch artenreiche Lebensräume, die zu den botanischen Besonderheiten der Region zählen. Kulinarisch laden die „Bliesgau-Genusstage“ dazu ein, regionale Produkte in teilnehmenden Restaurants zu entdecken. Wer es lieber aktiv und tiergestützt mag, kann bei einer Esel-Jahreszeitenwanderung die Landschaft auf ungewohnte Weise erkunden. In St. Ingbert wiederum widmet sich ein NABU-Vortrag dem Thema „Biodiversität im urbanen Raum“ und schlägt damit den Bogen zwischen Naturschutz und Stadtleben.

Alle Veranstaltungen und weitere Informationen zum Programm in der Biosphäre Bliesgau sind unter www.biosphaere-bliesgau.eu/veranstaltungen abrufbar. Der Europäische Tag der Parke erinnert seit seiner Einführung daran, dass Naturschutz keine Randnotiz ist, sondern eine Aufgabe, die Menschen und Landschaften gleichermaßen verbindet – im besten Fall direkt vor der eigenen Haustür.

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