Die Preise für Windstrom an Land fallen auf den niedrigsten Stand seit acht Jahren – und das bei einer Flut von Bewerbungen, die das ausgeschriebene Volumen mehr als doppelt übersteigt. Die Bundesnetzagentur hat die Ergebnisse der Ausschreibungsrunde zum 1. Februar 2026 für Windenergieanlagen an Land sowie für Solaranlagen auf Gebäuden und Lärmschutzwänden veröffentlicht. Während der Wettbewerb um Windprojekte so intensiv ausfällt wie selten zuvor, bleibt das Interesse an Aufdach-Solaranlagen hinter den Erwartungen zurück.
„Die Ausschreibung für Windenergieanlagen an Land war wie in der vorherigen Gebotsrunde stark überzeichnet. Die Zuschlagswerte sanken abermals deutlich“, erklärte Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur. Beim Segment der Aufdach-Solaranlagen habe die eingereichte Gebotsmenge unterhalb des ausgeschriebenen Volumens gelegen, die Zuschlagswerte seien dennoch stabil geblieben, so Müller weiter.
Die Zahlen im Bereich Wind an Land sprechen eine deutliche Sprache. Dem ausgeschriebenen Volumen von 3.445 Megawatt standen 924 Gebote mit insgesamt 7.858 MW gegenüber – eine Überzeichnung um mehr als das Doppelte, die sich auf dem Niveau der Vorrunde bewegte. Letztlich erhielten 439 Gebote einen Zuschlag, 24 weitere mussten aus dem Verfahren ausgeschlossen werden. Der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert sank dabei von 6,06 Cent pro Kilowattstunde in der Vorrunde auf nunmehr 5,54 Cent. Die Spanne reichte von 5,19 bis 5,64 Cent pro Kilowattstunde. Einen derart niedrigen Durchschnittswert hatte es zuletzt bei der Ausschreibung im Februar 2018 gegeben.
Regional zeigt sich ein vertrautes Muster: Niedersachsen sicherte sich mit 957 MW und 96 Zuschlägen das mit Abstand größte Volumen. Dahinter folgte Nordrhein-Westfalen mit 661 MW bei 100 Zuschlägen, vor Sachsen-Anhalt mit 438 MW und 53 Zuschlägen sowie Brandenburg mit 396 MW und 60 Zuschlägen. Der Süden der Republik bleibt dagegen weiterhin abgehängt: Auf Bayern und Baden-Württemberg entfielen zusammen gerade einmal zwei Prozent des gesamten Zuschlagsvolumens.
Ein gänzlich anderes Bild ergibt sich bei den Solaranlagen auf Gebäuden und Lärmschutzwänden. Von den ausgeschriebenen 283 MW wurden lediglich 98 Gebote mit einem Gesamtvolumen von 177 MW eingereicht – ein deutlicher Rückgang gegenüber der Oktoberrunde 2025, als noch 310 MW zusammenkamen. Nach dem Ausschluss von 13 Geboten blieben 85 Angebote mit einem Volumen von 155 MW übrig, die allesamt einen Zuschlag erhielten. Die Ausschreibung war damit klar unterzeichnet. Trotzdem blieben die Preise weitgehend stabil: Der mengengewichtete Durchschnittswert lag bei 9,56 Cent pro Kilowattstunde und damit knapp unter dem Vorrundenresultat von 9,66 Cent. Die Bandbreite erstreckte sich von 7,88 bis 10,00 Cent pro Kilowattstunde, wobei die Obergrenze exakt dem für 2026 geltenden Höchstwert entspricht.
Auch bei den Aufdach-Solaranlagen dominieren norddeutsche Standorte. Nordrhein-Westfalen führt mit 50 MW und 24 Zuschlägen, gefolgt von Niedersachsen mit 17 MW und zwölf Zuschlägen sowie Brandenburg mit ebenfalls 17 MW und neun Zuschlägen.
Die nächsten Termine stehen bereits fest: Am 1. Mai 2026 startet die kommende Ausschreibungsrunde für Windenergieanlagen an Land, am 1. Juni 2026 folgt die nächste Runde für Solaranlagen auf Gebäuden und Lärmschutzwänden. Ob sich der Preisverfall bei Wind fortsetzt und ob die Aufdach-Photovoltaik wieder mehr Bieter anzieht, wird dann zeigen, wie robust der aktuelle Trend tatsächlich ist.


















