
Künstliche Intelligenz entwickelt sich im Online-Handel vom Experimentierfeld zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor – und die nächste Stufe dieser Entwicklung trägt einen Namen: Agentic Commerce. Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom sehen bereits 61 Prozent der Online-Händler im Einsatz von KI einen klaren Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Ein jetzt veröffentlichtes Whitepaper des Verbands beleuchtet, wie weit die Technologie bereits reicht und wohin die Reise geht.
Hinter dem Begriff Agentic Commerce verbirgt sich der gezielte Einsatz sogenannter KI-Agenten und Agentic AI im digitalen Handel. Konkret bedeutet das: Digitale Shoppingassistenten übernehmen im Auftrag von Kundinnen und Kunden eigenständig Aufgaben – sie vergleichen Preise, prüfen Verfügbarkeiten oder schlagen passende Produkte vor. Was nach Zukunftsmusik klingt, ist in Teilen bereits Realität. KI-Chatbots beantworten Lieferfragen, Augmented-Reality-Anwendungen ermöglichen virtuelle Anproben, und automatisierte Systeme treffen Entscheidungen, die bislang menschlichen Mitarbeitenden vorbehalten waren.
Doch die Technologie wirkt nicht nur auf der Kundenseite. Auch hinter den Kulissen des Online-Handels verändert KI die Abläufe grundlegend. Händler nutzen intelligente Systeme, um Sortimente effizienter zu steuern, Lieferbedingungen auszuhandeln oder Marketingkampagnen individuell auf einzelne Zielgruppen zuzuschneiden. Die Personalisierung geht dabei weit über einfache Produktempfehlungen hinaus – KI-basierte Modellierung von Kundenverhalten, Dialogkampagnen und die intelligente Auswertung von Standortdaten eröffnen völlig neue Möglichkeiten der Kundenansprache.
Das Bitkom-Whitepaper mit dem Titel „KI-Trends im E-Commerce – Einkaufen im Wandel von Automatisierung bis Agentic Commerce“ ordnet diese Entwicklungen systematisch ein. Es richtet den Blick gezielt auf Praxisbeispiele aus Unternehmen und zeigt, wie Händler und Marken die verschiedenen KI-Technologien bereits konkret einsetzen. Das Spektrum reicht von automatisierter Entscheidungsfindung über personalisierte Kundenkommunikation bis hin zum sogenannten Agentic Shopping, bei dem KI-Agenten ganze Kaufprozesse eigenständig begleiten. Das Papier steht seit dem 10. April 2026 kostenfrei zum Download bereit.
Für den deutschen Online-Handel markiert die Entwicklung einen Wendepunkt. Wer KI nicht als strategisches Werkzeug begreift, droht den Anschluss zu verlieren – das legen die Umfrageergebnisse nahe. Gleichzeitig stellt die rasante technologische Dynamik gerade kleinere Händler vor erhebliche Herausforderungen. Denn während große Plattformen längst eigene KI-Teams beschäftigen, fehlen vielen mittelständischen Anbietern die Ressourcen für eine umfassende Implementierung. Das Bitkom-Whitepaper will hier Orientierung bieten und den Einstieg in die verschiedenen Anwendungsfelder erleichtern.
Klar ist: Die Art, wie Menschen online einkaufen, wird sich durch KI-Agenten nachhaltig verändern. Ob Verbraucherinnen und Verbraucher künftig tatsächlich digitale Assistenten mit dem Wocheneinkauf beauftragen oder ob sich die Technologie zunächst vor allem im Hintergrund der Handelslogistik durchsetzt, bleibt abzuwarten. Die Weichen dafür werden allerdings jetzt gestellt.

















