Bei der Vernissage im Fürstinnengrab (v. l.): Stefan Munz, Michael Ecker (Archäologe und Grabungsleiter im Kulturpark), Alexandra Vincent (Leiterin der französischen Seite des Kulturparks), Dr. Nicolas Meiers, „Die Dame von Schengen“, Landrat Dr. Theophil Gallo, Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot, Dr. Foni Le Brun-Ricalens, Dr. Andreas Stinsky (Kulturmanager beim Saarpfalz-Kreis), Bürgermeister Michael Clivot und Ann-Kathrin Göritz (Projekt- und Verwaltungsleiterin bei der Stiftung Europäischer Kulturpark). - Foto: Sandra Brettar
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Äußerst spannende Fragen der Archäologie werden thematisiert und beantwortet, wenn in einer Wanderausstellung die Dame von Schengen auf die Fürstin von Reinheim im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim trifft.

Vor fast 25 Jahren wurde zwischen Schengen und Remerschen nahe dem Lauf der Obermosel das ca. 2500 Jahre alte Grab einer reich ausgestatteten Dame entdeckt. Die Größe der Frau maß etwa 1,50 Meter und ihr Bestattungszeitraum wird zwischen 500 und 480 vor Christus angegeben. Das Forscherteam des Nationalen Institutes für archäologische Forschungen Luxemburg (INRA) in Luxemburg konzipierte grenzüberschreitend gemeinsam mit der Universität Trier, der Universität München, mit Spezialisten der europäischen Eisenzeit und unter Teilnahme von Vertretern der Luxemburger Umwelt- und Fortverwaltung eine Wanderausstellung, die sich seit 2018 auf Europatournee befindet. Jetzt macht sie bis Ende Oktober halt im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim, dort, wo 1954 beim Sandabbau ein keltisches Fürstinnengrab geborgen wurde. Wenngleich die Topologie der Fundorte beider Frauen sehr ähnlich waren, hätten sie sich in ihrem damaligen Leben nicht begegnen können, denn die Funde rund um die Reinheimer Fürstin werden auf 400 vor Christus datiert.

Zur Vernissage am 26. Mai begrüßte der Vorsitzende der Stiftung Europäischer Kulturpark, Landrat Dr. Theophil Gallo, unter strahlend blauem Himmel Dr. Foni Le Brun-Ricalens, Leiter des Nationalen Institutes für archäologische Forschungen Luxemburg (INRA), Dr. Nicolas Meiers, wissenschaftlicher Mitarbeiter im INRA, Stefan Munz, Geschäftsführer der Stiftung Europäischer Kulturpark, die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot, Gersheims Bürgermeister Michael Clivot sowie weitere Gäste. Zuvor hatte sich der Landrat bereits einen kurzen Überblick über die Exponate verschaffen können, so dass er mit Stolz versicherte: „Diese Ausstellung ist großartig aufbereitet und spricht für sich. Ich kann nur dazu ermuntern, sie zu besuchen und auf sich wirken zu lassen. Für diese Besonderheit des Fundes, der Dame von Schengen, bietet unser einzigartiger, grenzüberschreitende Kulturpark, ein im besten Sinne ‚europäischer Ort‘, sicher einen würdigen Rahmen. Wir sind dankbar, dass sie unser Museumsangebot bis zum diesjährigen Saisonende bereichert. Didaktisch lässt sich der Bogen zur Fürstin von Reinheim spannen und durch die multimedialen Elemente wird das Leben in der Eisenzeit noch begreifbarer.“

Die eisenzeitliche Grablegung zeichnet sich durch ihre aufwändige Ausstattung an Ringschmuck und verschiedenen Beigaben aus, die chronologisch in die Übergangszeit zwischen der älteren und der jüngeren Eisenzeit eingeordnet werden können. Ausgehend von Beobachtungen und Fundzusammenhängen, die Archäologen vor Ort und in Laboren sorgfältig dokumentiert und untersucht haben, können die Besucher die Bestattungssitten entdecken, welche in dieser einzigartigen Periode der Eisenzeit praktiziert wurden. Mittels modernster Technik wird die Rekonstruktion der Kleidung der Verstorbenen samt ihrem Schmuckensemble und der mitgegebenen Keramik sichtbar gemacht.

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Dr. Foni Le Brun-Ricalens führte weiter aus. „Diese Ausstellung versucht die Antwort auf folgende Fragen zu geben: Wer war die Dame von Schengen? Wie sah sie aus? Manche Menschen sehen vielleicht nur den Schmuck. Dies ist jedoch die Gelegenheit daran zu erinnern. dass die Archäologie keine Schatzsuche ist, sondern eine Wissenschaft. Man darf nicht vergessen, dass die Archäologen Forscher auf dem Feld und im Labor sind. Dank ihrer langen Forschungsarbeit werden neue Erkenntnisse gewonnen und es sind diese Erkenntnisse, die es ermöglichen, neue Seiten der Geschichte über unsere Herkunft zu schreiben.“ Er bedankte sich bei allen für die Gastfreundschaft in Gersheim und ganz besonders beim Team rund um Stefan Munz für die zuvorkommende und professionelle Zusammenarbeit.

Bürgermeister Michael Clivot zeigte sich in seinem Grußwort sehr erfreut, dass nach der tollen Bliesgau-Ausstellung nun „Die Dame von Schengen“ im Fürstinnengrab Einzug gehalten hat, dies sei eine Bereicherung für die Region. Er sei ohnehin ein Befürworter davon, dass die Fundorte in der Großregion stärker zusammenarbeiten und ihre Erkenntnisse und kulturellen Hintergründe austauschten.

Auch Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot äußerte sich begeistert über die Ausstellung und den Europäischen Kulturpark als Präsentationsort: „Man kann das Interesse der Menschen unter dem Gesichtspunkt der kulturellen Bildung vor allem dann wecken, wenn man Ihnen gute Geschichten erzählt. Und an diesem Ort hier werden extrem gute Geschichten erzählt.“

Davon konnten sich die Gäste dann bei der sich anschließenden Führung durch die Ausstellung mit anschaulichen Erläuterungen von Dr. Nicolas Meiers selbst überzeugen. Die musealen Bereiche des Europäischen Kulturparks sind täglich geöffnet von Montag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, an den Wochenenden sowie an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Nähere Informationen sind erhältlich unter Tel. (06843) 900211 oder im Internet unter www.europaeischer-kulturpark.de.

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