Bild: Dagmar Sauer

Einen besseren Zeitpunkt für ein Projekt der „Partnerschaft für Demokratie“ als das Wahlwochenende im September hätte es gar nicht geben können. Dabei hatten die Projektkoordinatorinnen Annette Kerfin und Dagmar Sauer, die anstehende Wahl überhaupt nicht ‚auf dem Schirm‘, als sie eine interkulturelle Tagesfahrt nach Trier planten.

„Gerne hätten wir einen solchen Ausflug schon viel früher durchgeführt, beispielsweise im Frühjahr, aber die Pandemie ließ dies einfach nicht zu“, so Annette Kerfin, Sozialpädagogin beim Internationalen Bund (IB). Doch als sich die Lage im Frühsommer entspannte, standen sie und die Deutschlehrerin Dagmar Sauer bereits in den Startlöchern, um den Antrag bei der Partnerschaft für Demokratie der Stadt Homburg einzureichen. Dieser wurde über die Sommerferien dann auch auf unkomplizierte Weise bewilligt, sodass kurz nach den Ferien die Einladungen verteilt werden konnten.

Diese richteten sich an aktuelle und frühere Teilnehmer der Integrations- und Berufssprachkurse des IB, deren Angehörige sowie ehrenamtlich Tätige im Bereich der Flüchtlingshilfe. „Integrationskurse enthalten immer auch ein Modul ‚Leben in Deutschland‘, das sich über 100 Unterrichtseinheiten erstreckt. Doch das Leben in Deutschland lässt sich nicht nur aus Büchern vermitteln. Daher hatten wir die Idee, unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern einige Aspekte des Lebens in Deutschland ganz anschaulich näherzubringen – in der ältesten Stadt Deutschlands“, erklärt Deutschlehrerin Dagmar Sauer.

Doch nicht nur die geschichtlichen Wurzeln des Landes, die in Trier anhand des römischen und christlichen Erbes besonders deutlich werden, standen im Mittelpunkt der Fahrt. Ebenso sollte den Migranten ermöglicht werden, Deutsche kennenzulernen und neue Kontakte zu knüpfen. Daher freuten sich die Veranstalterinnen über den regen Zuspruch der ehrenamtlich Engagierten, deren Angebote durch die Pandemie ebenfalls stark ausgebremst worden waren. So war am Freitag etwa die Homburger Stadtmission gut vertreten, deren langjähriges Begegnungsangebot, das Mittwochscafé, coronabedingt nun 18 Monate zum Erliegen gekommen war. Im November soll es jedoch in Reiskirchen wieder aufgegriffen werden. Doch auch Menschen, die sich in der Nachbarschaft um Migrantinnen und Migranten kümmern, fanden sich unter den Teilnehmern der Fahrt.

Von der „Partnerschaft für Demokratie“ der Stadt Homburg – gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ – waren Bahntickets, Lunchpakete und Stadtführungen für 60 Personen bewilligt worden. Um den Hygienebedingungen jedoch gerecht zu werden, wurde die Fahrt auf zwei Tage aufgeteilt. Am Freitag, den 24.9. machten sich daher 22 Erwachsene und drei Kinder, am Samstag, den 25.9. 33 Erwachsene und vier Kinder auf den Weg nach Trier. Bereits die Bahnfahrt bot eine gute Gelegenheit, das Saarland näher kennenzulernen, führte sie doch an Industriedenkmälern oder an der Saarschleife vorbei. In Trier erwartete die Teilnehmer dann eine Stadtführung; da das Sprachniveau der beteiligten Deutschkurse des IB von A2 bis B2 reichte, wurde eine der Stadtführungen mit viel Engagement in leichter Sprache durchgeführt. Hierbei konnte man natürlich viele Details über die Porta Nigra, den Dom, die Basilika und viele weitere Wahrzeichen Triers erfahren. Doch ebenso interessant und lebensnah war es, eine Fridays-for-Future-Demonstration bzw. eine Kundgebung gegen Hass und Hetze zu beobachten oder auf dem Domplatz zufällig Bischof Ackermann zu begegnen und mit ihm ins Gespräch zu kommen – was dem Motto „Demokratie leben“ ganz genau entspricht.

Nach einer Pause im Palastgarten und etwas Zeit zur freien Verfügung ging es am frühen Abend wieder zurück nach Homburg. Zwar waren die meisten ob der vielen Eindrücke und auch des Fußmarsches recht erschöpft, empfanden die interkulturelle Fahrt aber als sehr schön und interessant und äußerten bereits den Wunsch nach weiteren Exkursionen. Und das Resümee des Veranstalters? Neben dem Gemeinschaftserlebnis zwischen einem Dutzend Nationalitäten freut sich der Internationale Bund vor allem über die neu entstandenen Kontakte. Diese sollen nun durch ein kleines Nachtreffen, bei dem Fotos angeschaut und ausgetauscht werden können, etwas vertieft werden.

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