Immer wieder steht das Homburger Universitätsklinikum in den Schlagzeilen. Doch in den letzten Monaten sind es keine bahnbrechenden Forschungsergebnisse oder medizinische Themen, sondern vermehrt negative Meldungen, die die Runde machen. Nun reihte sich am Donnerstag die vorläufige Suspendierung des Chefs der Hals-Nasen-Ohrenklinik in diesen Reigen ein.

Der Hintergrund sind die schweren Vorwürfe über sexuelle Belästigung von Mitarbeiterinnen. Dazu kommt noch ein mögliches medizinisches  Fehlverhalten im Dienst. Die Ermittlungen zu dem Verdacht laufen schon seit Februar diesen Jahres, die Suspendierung erfolgt nun im Rahmen des Disziplinargesetzes. Neben unangemessenen Kontakten soll der Chef auch von hinten an die Brüste und in den Schritt der Mitarbeiterinnen gefasst haben.  Wie die Staatskanzlei mitteilt, stellt die Suspendierung keine Vorverurteilung dar, der Ausgang der Ermittlungen noch völlig offen. 

Der Wissenschaftsausschuss des saarländischen Landtages wird sich im Rahmen einer Sondersitzung mit den Vorgängen um den jetzt suspendierten Chef der Hals-Nasen-Ohrenklinik befassen. Das hat der Vorsitzende des Ausschusses, Jürgen Renner, mitgeteilt. „Im Mittelpunkt steht der Umgang des Wissenschaftsministeriums und der Staatskanzlei mit den Vorwürfen der sexuellen Belästigung des HNO-Chefs gegenüber Mitarbeiterinnen“, so Renner. Die Sondersitzung wurde von den Regierungsfraktionen CDU und SPD sowie der Oppositionsfraktion DIE LINKE beantragt.

Die LINKE hat das Thema zudem auf die Tagesordnung des Justizausschusses gesetzt. „Wir wollen klären, wann die für das Uni-Klinikum zuständige damalige Ministerpräsidentin und Wissenschaftsministerin Kramp-Karrenbauer bzw. der heute für das Uni-Klinikum zuständige Ministerpräsident Hans erstmals über die Vorwürfe informiert wurden und was daraufhin unternommen worden ist“, erklärt die hochschulpolitische Sprecherin Barbara Spaniol.

„Schließlich sind die Vorwürfe bereits älter. Und der frühere Staatskanzlei-Chef Lennartz hat zwar nach eigenen Angaben Anfang Januar 2018 eine Arbeitsgruppe zur Aufklärung eingerichtet und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Klinik befragt, will dabei aber keine Bestätigung der erhobenen Vorwürfe erhalten haben.“

Im Justizausschuss soll über den Gang der Ermittlungen und daraus gewonnene Erkenntnisse berichtet werden. „Noch im November letzten Jahres, als die ‚Frankfurter Rundschau‘ über Fälle sexueller Übergriffe an der HNO-Klinik berichtet hat, gab es seitens der Aufsicht führenden Landesregierung keine nennenswerte Reaktion. Und offenbar ist das Disziplinarverfahren gegen den Klinkleiter erst Ende Februar, also ein Vierteljahr später, eröffnet worden, das wirft Fragen auf“, so Astrid Schramm, die die Linksfraktion im Justizausschuss vertritt. „Gerade nach den Vorwürfen und Vorkommnissen um Kindesmissbrauch am Uniklinikum sollte die Aufsicht über das einzige Universitätsklinikum doch erheblich verbessert werden.“

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