Die deutschen Exportzahlen für Februar mögen auf den ersten Blick Grund zur Erleichterung geben – doch BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura warnt eindringlich davor, sich von den Daten des Statistischen Bundesamtes in falscher Sicherheit wiegen zu lassen. „Diese Entwicklung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der deutsche Außenhandel auf einem zunehmend fragilen Fundament steht“, erklärte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen am 9. April 2026. Sein Befund fällt nüchtern aus: Was derzeit zu beobachten sei, gleiche einer Atempause – keiner Trendwende.
Die geopolitische Lage im Nahen Osten verschärft die ohnehin angespannte Situation zusätzlich. Jandura verwies auf die jüngste Eskalation im Iran, die bereits vor den aktuellen Februarzahlen das Fundament des deutschen Außenhandels belastet habe. Ein auf zwei Wochen befristeter Waffenstillstand sei zwar „ein wichtiges Signal der Entspannung“, räumte er ein. Sollte dieser tatsächlich umgesetzt werden, könnte das kurzfristig Energiepreise, Transportkosten und Risikoprämien dämpfen – vor allem dann, wenn die strategisch bedeutsame Straße von Hormus zumindest teilweise wieder für den Schiffsverkehr geöffnet werde. Doch Jandura ließ keinen Zweifel daran, dass er diese Aussicht für fragil hält: „Wir dürfen uns hier nichts vormachen.“ Entscheidend sei, dass der angekündigten Waffenruhe tatsächlich eine Öffnung der Meerenge folge.
Der BGA-Präsident richtete den Blick auch auf die globalen Handelsströme und zeichnete dabei ein differenziertes Bild. Was sich derzeit abspiele, sei keine stabile Wachstumsbasis, sondern eine Verschiebung der Dynamik zurück nach Europa. Gleichzeitig verlören mit den USA und China die beiden wichtigsten Einzelmärkte für deutsche Exporteure an Stabilität. Ob sich die europäische Nachfrage als tragfähig erweise und ob es gelinge, die Schwächen in China sowie die hohe Volatilität im US-Geschäft durch eine breitere Diversifizierung der Exportmärkte aufzufangen, werde die kommenden Monate prägen.
Die konkreten Folgen der geopolitischen Verwerfungen treffen die Unternehmen bereits mit voller Wucht. Unterbrochene Lieferketten, stark gestiegene Frachtraten und beschädigte Energieinfrastruktur belasten die Betriebe nach Janduras Einschätzung weiterhin erheblich. Besonders unter Druck stünden Branchen, die auf Vorprodukte angewiesen sind – etwa die Chemie- und Kunststoffindustrie. Diese Belastungen ließen sich nicht innerhalb weniger Wochen auflösen, betonte der Verbandspräsident. Hinzu komme ein strukturell angespanntes Umfeld: Die US-Zollpolitik setze exportorientierte Industrien zusätzlich unter Druck, eine schnelle Rückkehr zur Normalität sei daher nicht in Sicht.
Vor diesem Hintergrund formulierte Jandura klare Erwartungen an die Politik. Die deutsche Wirtschaft brauche kurzfristige Entlastungen bei Energie- und Transportkosten. Neue Handelshemmnisse müssten konsequent vermieden, bestehende Freihandelsabkommen zügig umgesetzt werden. „In einer Phase globaler Unsicherheit braucht die Wirtschaft Verlässlichkeit, Offenheit und politische Unterstützung – keine zusätzlichen Belastungen“, mahnte er. Der Appell richtet sich an eine Bundesregierung, die angesichts multipler Krisen an vielen Fronten gleichzeitig gefordert ist. Ob die geforderte Atempause im Außenhandel tatsächlich genutzt wird, um strukturelle Weichen zu stellen, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen.


















