Ertan Cevik ist seit zwei Jahren Moderator der "Homburger Facebookgruppe". - Foto: Bill Titze

Wenn große Gruppen an Menschen zusammenkommen, bedarf es meist einer ordnenden Hand, damit kein Chaos ausbricht. Was bei Großveranstaltungen wichtig ist, gilt natürlich auch im digitalen Raum. Hier sind es die Moderatoren, die sich in den jeweiligen Gruppen um allerhand kümmern. So wie der 35-jährige Ertan Çevik, der ehrenamtlicher Moderator der größten Homburger Facebook-Gruppe ist. HOMBURG1 hat der gelernte Maschinen- und Anlageführer für Kunststoff- und Metalltechnik erzählt, was man so als Moderator zu tun hat. Und was ihn besonders ärgert.

HOMBURG1: Hallo Herr Çevik. Sie sind Moderator der „Homburger Facebookgruppe“, die vor neun Jahren gegründet wurde und rund 7000 Mitglieder hat. Wie kommt man eigentlich zu so einer Tätigkeit?

Ertan Çevik: Ich bin ja schon seit längerer Zeit in verschiedenen Gruppen in sozialen Netzwerken aktiv. So habe ich schon früher welche auf anderen Plattformen gegründet, zum Beispiel zur Homburger Musikszene. Vor rund zwei Jahren habe ich dann gesehen, dass der Administrator der „Homburger Facebookgruppe“, Georg Zott, die Seite noch allein bearbeitet und habe ihn angefragt, ob er vielleicht Hilfe benötigen könnte. Da wir uns von früher her aus dem Box-Club kennen und uns gut verstehen, hat er auch direkt zugesagt.

HOMBURG1: Sie haben also schon einiges an Erfahrung in ihren „Job“ mitgebracht.

Ertan Çevik: Ja, über die Jahre hat man natürlich gelernt, wie man eine solche Gruppe leitet. Aber gerade zu Beginn habe ich mich im Internet darüber informiert, was zu beachten ist. Gerade was das Rechtliche angeht, gibt es gute Zusammenfassungen, die den Einstieg erleichtern. Wenn ich mir unsicher bin, frage ich aber auch unseren Administrator, der mir dann weiterhilft. Er ist die letzte Instanz, wenn etwas strittig ist, schließlich macht er das schon seit neun Jahren.

HOMBURG1: Die Rechtslage ist im digitalen Raum vor allem auch beim Thema Datenschutz wichtig. Welche Rolle spielt der bei Ihrer täglichen Arbeit?

Ertan Çevik: Datenschutz zu wahren ist natürlich eine meiner Aufgaben, klar. Schließlich kann es im Zweifel sowohl für den jeweiligen Autor als auch für mich als Moderator Probleme geben. Gerade bei Kinderbildern wird es schwierig. Wenn zum Beispiel ein Kind als vermisst gemeldet wird, wird das Bild zwar veröffentlicht. Doch sobald man das Kind gefunden hat, lösche ich dieses Foto sofort. Auch bei Kinderbildern, die von Familien in die Gruppe gepostet werden, bin ich strikt. Natürlich sind solche Bilder schön, aber sie haben nichts in einer solch großen Gruppe zu suchen. Nicht, dass sie noch in falsche Hände geraten.

HOMBURG1: Falsch sind auch manchmal Nachrichten, die im Netz kursieren. Wie stellen Sie sicher, dass so etwas in der Gruppe nicht vorkommt?

Ertan Çevik: Da lege ich tatsächlich sehr viel Wert drauf. Deswegen recherchiere ich im Zweifel auch dreimal, ob die Quelle glaubwürdig ist. Erst dann poste ich einen Beitrag in die Gruppe. Gerade in Corona-Zeiten hat sich diese Arbeit noch einmal intensiviert. Zum Beispiel habe ich meine Beiträge zu diesem Thema aus den offiziellen Informationen der verantwortlichen Stellen zusammengestellt, wie zum Beispiel dem Robert-Koch-Institut oder der Landesregierung.

Schiedsrichter bei der Arbeit: Der passionierte Whisky-Sammler Ertan Cevik kümmert sich in der „Homburger-Facebookgruppe“ um die Netiquette. Foto: Ertan Cevik

HOMBURG1: Jeder, der schon einmal in sozialen Netzwerken aktiv war, dürfte wissen, dass schnell die Emotionen hochschlagen und Äußerungen fallen, die auch unter die Gürtellinie gehen. Wie gehen Sie damit um?

Ertan Çevik: Grundsätzlich lassen wir in unserer Gruppe sehr viel zu. Diskussionen sind ausdrücklich erwünscht. Auch darf jede Partei in der Gruppe Werbung für ihre Positionen verbreiten. Aber gerade in Corona-Zeiten ist der Ton deutlich rauer geworden und ich muss öfter eingreifen. Denn eine Grenze ist da erreicht, wo es beleidigend wird oder ganze Gruppen von Menschen angegriffen werden. Nutzer, die einen solchen Post absetzen, werden von mir zunächst mal bis zu zwei Wochen stumm geschaltet. Wenn es nochmal vorkommt, wird derjenige aus der Gruppe ausgeschlossen und auch nicht wieder hereingelassen. Der Administrator tickt da übrigens anders: Er wirft die Leute direkt aus der Gruppe, wenn sie auffällig werden. Wir ergänzen uns in dieser Hinsicht, glaube ich, ganz gut. Aber man muss auch sagen, dass es letztlich nicht so viele sind, die in dieser Hinsicht auffallen. Wir kennen da unsere Pappenheimer mittlerweile.

HOMBURG1: Das Hinauswerfen von Gruppenmitgliedern dürfte nicht unbedingt zu den angenehmsten Aufgaben als Kommentator gehören. Gibt es da auch manchmal Kritik von den Betroffenen?

Ertan Çevik: Die gibt es natürlich, jedoch selten gegen mich als Person. Es kommt aber vor, dass ich dafür kritisiert werde, Kommentare nicht schnell genug zu löschen. Das ärgert mich doch ziemlich, denn die Nutzer haben die Möglichkeit, Beiträge zu melden und sollten dies auch tun. Dann bekomme ich eine Meldung auf mein Smartphone und kann mich direkt darum kümmern. Eine große Diskussion über vermeintlich zu langsame Moderatoren könnte man sich so sparen.

HOMBURG1: Stichwort Zeit. Wie viele Stunden am Tag sind Sie eigentlich mit der Gruppe beschäftigt?

Ertan Çevik: Das ist ganz unterschiedlich. Meist sind es so um die zwei Stunden. Morgens eine und dann abends bzw. nachts noch eine gewisse Zeit. Aber gerade in Corona-Zeiten ist das mitunter doch deutlich mehr Aufwand geworden. Da kann es auch schonmal vorkommen, dass ich sieben bis acht Stunden investiere. Manchmal kommen dann schon aus dem Freundeskreis Beschwerden, dass ich nur noch im Internet unterwegs bin. (lacht)

HOMBURG1: Da stellt sich die Frage: Wieso tut man sich das eigentlich an?

Ertan Çevik: Weil ich Homburg liebe. Man lernt durch die Tätigkeit die Menschen und die Stadt einfach noch besser kennen. Mein Bekanntenkreis hat sich auch noch einmal erweitert. Ab und zu kommen sogar Leute auf mich zu und sprechen mich darauf an, dass ich doch der Moderator dieser Homburger Facebookgruppe bin. Dazu kommt noch, dass man viele interessante Informationen erhält, die man ansonsten vielleicht nicht hätte. Es macht einfach Spaß!

Das Interview führte Bill Titze.

 

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