Wer derzeit an der Zapfsäule steht, merkt es sofort: Die Spritpreise in Deutschland verharren seit Wochen auf einem Niveau, das vor allem Pendler und Vielfahrer empfindlich trifft. Doch zwischen Ärger und Achselzucken liegt ein erstaunlich breites Feld an Möglichkeiten, den eigenen Verbrauch zu senken – ganz ohne teure Nachrüstungen oder fragwürdige Wundermittel. Der ADAC hat fünf konkrete Stellschrauben zusammengestellt, mit denen sich die Tankrechnung spürbar drücken lässt.
Der erste Hebel liegt im Fahrzeug selbst. Wer mindestens einmal im Monat den Reifendruck prüft und auf den vom Hersteller empfohlenen Wert bringt, reduziert den Rollwiderstand – und damit den Verbrauch. Die passende Angabe findet sich im Bordbuch, auf einem Aufkleber in der Tankklappe oder am Türrahmen. Fehlt dort ein spezieller Eco-Wert, darf der Druck laut ADAC eigenständig um 0,2 bar über den Normalwert angehoben werden. Ebenso ratsam ist es, Dachboxen, Fahrradträger und anderen Ballast abzumontieren, sobald sie nicht mehr gebraucht werden. Jedes Kilo weniger auf dem Dach oder im Kofferraum macht sich auf Dauer bemerkbar.
Mindestens ebenso wirkungsvoll ist der eigene Fahrstil. Vorausschauendes Fahren spart nicht nur Nerven, sondern auch Kraftstoff, denn jedes Bremsen verwandelt die Arbeit des Motors in nutzlose Wärme. Bei Fahrzeugen mit Handschaltung empfiehlt der ADAC, bereits bei rund 2000 Umdrehungen pro Minute in den nächsten Gang zu wechseln. Wer bergab rollt oder sich einer roten Ampel nähert, sollte den Gang eingelegt lassen und das Auto ausrollen lassen – in diesem Modus wird die Kraftstoffzufuhr zum Motor komplett unterbrochen. Die in vielen Modellen verbaute Kurzzeit-Verbrauchsanzeige hilft dabei, das eigene Fahrverhalten im Blick zu behalten.
Auch an der Tankstelle selbst lässt sich bares Geld sparen. Spritspar-Apps zeigen in Echtzeit die günstigsten Preise in der Umgebung an. Grundsätzlich gilt: Autobahntankstellen sind fast immer die teuerste Wahl und sollten nur im äußersten Notfall angesteuert werden. Seit der Einführung des sogenannten Österreich-Modells hat sich zudem ein klarer Rhythmus bei den Preisschwankungen etabliert. Der günstigste Moment zum Tanken liegt meist kurz vor 12 Uhr mittags, also unmittelbar vor der einzigen erlaubten Preiserhöhung des Tages. Berufspendler profitieren davon, bereits am Vormittag zu tanken – die Preise sind dann keinesfalls höher als am Vorabend, oft aber deutlich niedriger.
Ein häufig übersehener Spartipp betrifft die Kraftstoffsorte. Statistisch greift nur jeder dritte Benzinfahrer zu E10, obwohl nahezu alle aktuell zugelassenen Fahrzeuge dafür freigegeben sind. Der Preisunterschied zu herkömmlichem Super E5 beträgt im Schnitt sechs Cent pro Liter. Als Faustregel nennt der ADAC: Alle Benziner, die nach 2011 verkauft wurden, vertragen E10 problemlos. Bei älteren Modellen genügt ein Blick ins Bordbuch oder auf die Tankklappe. Zwar kann der Verbrauch mit E10 minimal steigen – ADAC-Tests beziffern den Mehrverbrauch auf etwa ein Prozent gegenüber E5 –, doch der Preisvorteil überwiegt diesen Effekt bei Weitem. In Ländern wie Österreich oder Frankreich ist E10 längst der Standardkraftstoff, an vielen Tankstellen dort gibt es E5 gar nicht mehr.
Von vermeintlichen Wunderlösungen rät der Automobilclub hingegen ausdrücklich ab. Im Internet kursieren Angebote für OBD-Stecker oder Kraftstoffadditive, die den Verbrauch angeblich senken sollen. In der Praxis erwiesen sich die Stecker laut ADAC lediglich als blinkende Spielzeuge ohne jede Wirkung, während Spritsparzusätze vor allem eines tun: zusätzlich Geld kosten, ohne einen nachweisbaren Nutzen zu liefern. Wer stattdessen auf Reifendruck, Fahrstil, Tankzeitpunkt und die richtige Kraftstoffsorte achtet, kann seine Ausgaben an der Zapfsäule mit überschaubarem Aufwand deutlich senken.




















