Wer heute einen Termin beim Facharzt sucht, kennt das Gefühl: Sechs Monate Wartezeit oder mehr sind in vielen Regionen längst keine Ausnahme mehr. Eine neue Studie von GE Healthcare nimmt nun genau diese Lücke in den Blick und zeigt, wo der Personalmangel im deutschen Gesundheitswesen am tiefsten klafft – und wo das Problem in den kommenden Jahren erst noch wachsen dürfte.
Die Untersuchung verbindet zwei Perspektiven: den akuten Versorgungsdruck und die strukturellen Risiken, die sich langfristig aufbauen. Aus dieser Kombination ergibt sich ein Gesamtbild, das vor allem eines deutlich macht – die Belastung verteilt sich höchst ungleich über die Bundesländer.
Am stärksten unter Druck stehen demnach das Saarland, Schleswig-Holstein und Brandenburg. Sie bilden das untere Ende des Rankings und tragen die schwerste kombinierte Last aus angespannter Versorgung und strukturellen Schwächen. Auch Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin gehören zu den besonders belasteten Regionen. Im Mittelfeld bewegen sich Länder wie Bayern, Bremen und Sachsen, die zwar in einzelnen Bereichen stabiler dastehen, insgesamt aber spürbarem Druck ausgesetzt bleiben.
Vergleichsweise entspannt zeigt sich die Lage hingegen in Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Diese Regionen weisen über alle Faktoren hinweg die geringste Gesamtbelastung auf.

Betrachtet man allein den akuten Druck, also Krankenhausauslastung, Fallzahlen und ausgereizte Kapazitäten, verschiebt sich das Bild deutlich. Hier liegen ausgerechnet Berlin, Bremen und Hamburg vorn: In den Stadtstaaten treffen hohe Patientenzahlen auf intensiv genutzte Klinikbetten. Auch Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bayern spüren diesen Engpass im stationären Bereich. Am wenigsten überlastet sind kurzfristig dagegen Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen.
Ein anderes Muster zeichnet sich bei den strukturellen Risiken ab, die sich aus demografischer Entwicklung, dem Alter der Ärzteschaft und regionalen Versorgungskapazitäten ergeben. Hier landen Saarland, Brandenburg und Sachsen-Anhalt an der Spitze der Problemfälle. Eine alternde Ärzteschaft trifft dort auf ohnehin angespannte Strukturen. Auch Thüringen, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern müssen mit altersbedingten Abgängen und knappem Nachwuchs rechnen.
Bemerkenswert ist der Befund für die Stadtstaaten: Hamburg, Berlin und Bremen weisen die geringste strukturelle Belastung auf – und das, obwohl gerade dort der akute Druck momentan besonders hoch ist. Kurzfristige Überlastung und langfristige Stabilität fallen hier also auseinander.
Deutlich wird in der Analyse zudem, dass sich der Mangel nicht nur zwischen den Ländern, sondern auch zwischen den Fachrichtungen unterscheidet. Während ein Bundesland insgesamt solide dasteht, können in einzelnen Spezialgebieten erhebliche Versorgungslücken entstehen – ein Effekt, der die regionalen Ungleichgewichte zusätzlich verschärft.
Die Studie zeichnet damit das Bild eines Gesundheitssystems unter ungleichem Druck. Der Versorgungsengpass ist kein flächendeckendes Phänomen, sondern verdichtet sich dort, wo akute Überlastung und strukturelle Schwächen zusammenkommen. Genau diese Überlagerung, so das Fazit der Untersuchung, entscheidet darüber, wo Patientinnen und Patienten künftig am längsten auf ihre Behandlung warten müssen.


















