Schon vor dem ersten Ton war klar, dass dieser Abend in Homburg einen eigenen Stellenwert hat. Auf dem Christian-Weber-Platz standen die Stuhlreihen sauber ausgerichtet, die Gäste kamen in Hemd, Kleid und Sommeranzug, überall wurden Hände geschüttelt, Bekannte begrüßt und Blicke durch die Reihen geworfen. Das 16. Homburger Klassik-Open-Air war ausverkauft – und wirkte dabei zu keinem Zeitpunkt abgehoben.
Das Klassik-Open-Air ist gesellschaftlicher Treffpunkt und hochklassiger Konzertabend zugleich. Man kommt wegen der Musik, aber ebenso, weil dieser Termin längst zu Homburg gehört. Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur und ganz unterschiedliche Konzertbesucher saßen nebeneinander. Sehen und gesehen werden gehörte dazu, ohne dass daraus eine steife Gala wurde. Vor allem aber wollten die Menschen einen schönen Abend erleben – und genau den bekamen sie.
Musikalisch stand der Abend im Zeichen des 60-jährigen Bestehens des Homburger Sinfonieorchesters, unter dem Motto „Jung und Alt“. Statt einer reinen Jubiläumsrückschau setzte das HSO unter der Leitung von Volker Christ auf ein Programm mit bewusst vielen Zugängen: Oper und Operette standen neben Musical und Filmmusik, Rossini, Verdi und Bizet trafen auf die „West Side Story“ und Ennio Morricone. Wer regelmäßig klassische Konzerte besucht, kam dabei ebenso auf seine Kosten wie Gäste, die sich von bekannten Melodien und großen Stimmen durch den Abend tragen ließen.
Das Orchester präsentierte sich in starker Form – präzise, dynamisch, hörbar gut abgestimmt. Auch technisch passte vieles: Der Sound auf dem Platz war klar und druckvoll und ließ dennoch Raum für die feineren Passagen.
Einen erheblichen Anteil an der Wirkung des Abends hatten die beiden Solisten. Sopranistin Bettina Bauer überzeugte mit großer Präsenz und einer Stimme, die auch auf dem weitläufigen Platz mühelos trug. Tenor Taejun Sun stand ihr mit viel Sicherheit und Ausdrucksstärke zur Seite. Im Zusammenspiel mit dem Orchester entwickelte sich eine Dynamik, die über technische Perfektion hinausging – beide Solisten vermittelten hörbar Freude an dem, was sie taten, und diese Leichtigkeit übertrug sich aufs Publikum.
Kultur braucht mehr als Applaus
Moderator Roland Kunz führte kenntnisreich durch das Programm und setzte dabei auch einen Gedanken, der über den Abend hinausging: Kultur brauche Wertschätzung und Unterstützung. Ein Open-Air dieser Größenordnung entsteht nicht allein durch ein gutes Orchester und ein ausverkauftes Konzert. Es braucht Organisation, technische Infrastruktur, verlässliche Partner, öffentliche Unterstützung und ein Publikum, das bereit ist, ein solches Angebot anzunehmen.
Dass Veranstaltungen dieser Größenordnung in Homburg möglich sind, hängt auch mit langjährigen Unterstützern zusammen. Dazu zählt Dr. Theiss Naturwaren. Das Engagement des Unternehmens ist seit Jahren ein wichtiger Baustein für das Klassik-Open-Air – und weit darüber hinaus – und trägt dazu bei, dass ein Format dieser Größe dauerhaft stattfinden kann. Dass Geschäftsführer Giuseppe Nardi ausgerechnet am Vorabend ebenfalls seinen 60. Geburtstag feiern konnte, war dabei eine nette Randnotiz des Jubiläumswochenendes.
Dass das Open-Air über einen reinen Konzerttermin hinausgewachsen ist, zeigte sich auch abseits der Bühne. Neben langjährigen Klassikfreunden saßen Menschen, die sich einfach einen besonderen Sommerabend gönnen wollten, neben Gästen in festlicher Garderobe. Das Klassik-Open-Air bringt damit Hochkultur und Öffentlichkeit zusammen, statt sich als abgeschottetes Prestigeformat zu inszenieren.
Großes Finale
Zum Abschluss setzten Bettina Bauer und Taejun Sun gemeinsam mit dem Orchester mit „Time to Say Goodbye“ den musikalischen Schlusspunkt, begleitet von einem Feuerwerk über dem Christian-Weber-Platz. Musik, Licht und Publikum fügten sich für ein paar Minuten zu einem Finale zusammen, das groß wirkte, ohne überladen zu sein. Dass ein Format nach 16 Ausgaben weiterhin ausverkauft ist und dabei ein derart buntes Publikum zusammenbringt, spricht für sich. Musikalisch, gesellschaftlich und atmosphärisch war und ist der Abend auf dem Christian-Weber-Platz einer der Höhepunkte des Homburger Sommers.



















