Knapp eine halbe Milliarde Euro, bis zu 2.000 Arbeitsplätze und ein 40 Hektar großes Industrieareal: Der Pharmadienstleister Vetter hat am Mittwoch in Saarlouis den symbolischen ersten Spatenstich für seinen neuen Produktionsstandort gesetzt. Damit nimmt eines der größten Ansiedlungsprojekte im Saarland der vergangenen Jahre konkrete Gestalt an. Das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Ravensburg, das zu den weltweit führenden Dienstleistern für die aseptische Herstellung injizierbarer Medikamente zählt, will bis zur geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2031 massiv in den Standort investieren.
Den Auftakt der Bauarbeiten bildet ein Produktionsgebäude mit einer Fläche von 50.000 Quadratmetern. Hinzu kommen produktionsnahe Einrichtungen wie Labore und Lager. In der ersten Ausbaustufe sind drei Reinräume für die aseptische Herstellung vorgesehen – zwei davon für die Abfüllung vorsterilisierter Spritzen, einer für die Abfüllung von Vials. Zunächst rechnet Vetter mit 400 bis 500 neuen Stellen, die bis zur finalen Ausbaustufe des ersten Bauabschnitts auf bis zu 1.500 anwachsen sollen. In der Gesamtperspektive hält das Unternehmen sogar bis zu 2.000 Arbeitsplätze für möglich.
Beim Spatenstich waren neben Vertretern des Unternehmens auch politische Repräsentanten aus Land, Kreis und Stadt sowie die Wirtschaftsförderungsgesellschaft gwSaar vertreten. Udo J. Vetter, Vorsitzender des Unternehmensbeirats und Mitglied der Inhaberfamilie, ordnete den Moment ein: „Der heutige Spatenstich markiert einen entscheidenden Schritt für die Zukunft unseres Familienunternehmens. Mit dem neuen Standort in Saarlouis stellen wir die Weichen für weiteres nachhaltiges Wachstum.“ Man schaffe die Voraussetzungen, um die Kapazitäten im Bereich komplexer Medikamente auszubauen und internationalen Kunden weiterhin die gewohnte Qualität und Zuverlässigkeit zu bieten. „Gleichzeitig stärken wir den Industriestandort Deutschland nachhaltig“, so Vetter.
Für die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger ist die Ansiedlung ein Signal weit über die Region hinaus. „Heute ist ein guter Tag für das Saarland: Mit Vetter kommt ein starkes, innovatives Unternehmen zu uns – und mit ihm neue Chancen für viele Menschen. Hier in Saarlouis zeigt sich: Strukturwandel gelingt, wenn wir ihn aktiv gestalten“, sagte sie. Wirtschaftsminister Jürgen Barke sprach von einer Hochtechnologie-Ansiedlung, die das Saarland zu einem der begehrtesten Standorte für die pharmazeutische Industrie mache. „Das wird Folgeeffekte auslösen, wie wir sie so noch nicht gesehen haben“, betonte er.
Auch auf kommunaler Ebene ist die Erwartungshaltung groß. Landrat Patrik Lauer sieht in Vetter einen Anker, der eine neue wirtschaftliche Ära in der Region einläuten könne und weitere Betriebe aus verwandten Branchen anziehen solle. Die Region stehe mit gut ausgebildeten Arbeitskräften, einem starken Bildungsangebot und exzellenter Infrastruktur bereit. Oberbürgermeister Marc Speicher unterstrich, dass die Ansiedlung weit über eine klassische Investition hinausgehe: „Wir gehen auch eine langfristige Gemeinschafts- und Entwicklungspartnerschaft miteinander ein: Für eine starke Wirtschaft und gute Arbeit.“ Die Genehmigungsverfahren im Rathaus seien in Rekordtempo abgewickelt worden.
Der neue Standort in Saarlouis fügt sich in eine umfassende Wachstumsstrategie des Unternehmens ein. Vetter investiert derzeit an mehreren Standorten in Deutschland, Österreich und den USA, um der steigenden Nachfrage nach aseptisch hergestellten Arzneimitteln gerecht zu werden. Das 1950 gegründete Familienunternehmen beschäftigt weltweit 7.300 Mitarbeitende und bedient von seinen Produktions- und Entwicklungsstandorten aus Kunden auf der ganzen Welt. Mit dem Werk in Saarlouis erweitert Vetter seine Kapazitäten nun erheblich – und das Saarland gewinnt einen Industriezweig, der in der Region bislang kaum vertreten war.






















