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„Sollte sich die Darstellung der Medien bestätigen, dann ist das ein ungeheuerlicher Skandal“, so der saarländische Umweltminister Reinhold Jost zu den Meldungen, 2014 sei ein schwerer Unfall im Atomkraftwerk Fessenheim vertuscht worden. Die beschriebene Situation, der Ausfall der Steuersysteme, der kein ordnungsgemäßes Herunterfahren des Reaktorblocks mehr erlaubte und die so genannte „Notborierung“, die dann als letztes Mittel das Herunterfahren ermöglichen sollte, machten deutlich, wie dramatisch und ernst die Lage damals war. „Wir sind hier offenbar mit Glück vor einem GAU bewahrt worden und wurden noch nicht einmal informiert. Im Gegenteil, diese Beinahe-Katastrophe wurde auch noch unter der Decke gehalten“, empört sich Jost.

Das Verhalten der französischen Atomaufsicht ASN in dieser Sache ist für den saarländischen Minister „nicht nachvollziehbar“. „Es erschüttert nachhaltig unser Vertrauen in diese Behörde. Wie sollen wir, wie sollen die Bürgerinnen und Bürger denn noch den Verlautbarungen der ASN Glauben schenken. Jedes Bemühen von deutscher wie von französischer Seite, in grenzüberschreitenden, atompolitischen Fragen für mehr Transparenz zu sorgen, werden so ad absurdum geführt“, so der Umweltminister. „Es ist an der Zeit, dass der französische Staatspräsident Hollande mit seiner Ankündigung Ernst macht, das älteste Atomkraftwerk in Frankreich bis Ende 2016 endgültig abzuschalten.“

Das Umweltministerium werde im Juni in der nächsten Sitzung der Deutsch-Französischen Kommission zur Sicherheit von Kernkraftwerken in Grenznähe den gravierenden Störfall zum Thema machen und erwartet weitere Aufklärung.

Jost: „Dieser jetzt bekannt gewordene Unfall führt uns mal wieder vor Augen, Atomkraftwerke bergen Risiken.Im Saarland leben wir bereits seit einiger Zeit mit der unmittelbaren Bedrohung, die von Cattenom ausgeht. Wir setzen unsere eigene Sicherheit aufs Spiel, wenn die AKWs nicht abgeschaltet werden. Für diese Erkenntnis müssen wir bei unseren Nachbarn werben.“ Jost wird bei einem Treffen mit Kraftwerksdirektor Guy Catrix am 13. April die geplante Laufzeitverlängerung des AKW Cattenom zum Thema machen.

Das Saarland ist auf Vorschlag von Minister Jost am Dienstag der „Allianz der Regionen für einen europaweiten Atomausstieg“ beigetreten.

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