Symbolbild

Französisch lernen, bevor man Schreibschrift beherrscht: Was anderswo nach Ausnahme klingt, ist im Saarland gelebter Schulalltag. Rund 80 Prozent aller Kinder, die bundesweit das internationale Sprachzertifikat DELF Prim erwerben, kommen aus dem kleinsten Flächenland der Republik. Im Ministerium für Bildung und Kultur nahmen am Dienstag 68 Schülerinnen und Schüler aus den Grundschulen Kirkel-Neuhäusel, Medelsheim und Ormesheim ihre Urkunden entgegen – stellvertretend für mehr als 1.500 junge Absolventinnen und Absolventen im ganzen Land.

Überreicht wurden die Zertifikate von Bildungsstaatssekretärin Jessica Heide, die in den Erfolgen der Kinder weit mehr sieht als reine Sprachkompetenz. „Wer Französisch lernt, entdeckt auch die Kultur, die Menschen und die Lebenswelt unseres Nachbarlandes. Genau diese Erfahrungen machen Kinder im Saarland schon in der Grundschule“, sagte sie bei der Feierstunde. Die ausgezeichneten Mädchen und Jungen hätten „mit viel Neugier und Begeisterung gezeigt, was sie bereits auf Französisch verstehen, sagen und schreiben können“.

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Die Zahlen unterstreichen, wie tief das Programm im Saarland inzwischen verwurzelt ist. Allein im laufenden Jahr 2026 haben 1.548 Grundschulkinder das DELF-Prim-Zertifikat erfolgreich erworben. Damit stellt das Saarland den mit Abstand größten Anteil aller jungen DELF-Absolventinnen und -Absolventen in Deutschland – ein Wert, der die strategische Ausrichtung des Bundeslandes auf Mehrsprachigkeit eindrucksvoll bestätigt.

Das DELF Prim richtet sich gezielt an Kinder im Grundschulalter und führt sie behutsam an eine echte Sprachprüfung heran. Geprüft werden die vier klassischen Kompetenzen Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen. Am Ende steht ein weltweit anerkanntes Diplom, das die Schülerinnen und Schüler ihr Leben lang begleitet. Wichtiger als das Papier ist jedoch die Erfahrung dahinter: spüren zu dürfen, dass die fremde Sprache plötzlich funktioniert.

Für Heide passt dieser Ansatz exakt zum Selbstverständnis des Landes. Das Zertifikat stehe für das, „was die Frankreichstrategie des Saarlandes ausmacht: Mehrsprachigkeit fördern, kulturelle Brücken bauen und die enge deutsch-französische Verbundenheit von klein auf erlebbar machen“. Frühe Begegnung mit dem Nachbarland gilt damit weniger als pädagogisches Extra, sondern als Teil einer regionalen Identität, die über den Rhein hinausreicht.

Getragen wird das Programm im Saarland vom Institut d’Études Françaises Saarbrücken, gemeinsam mit dem Bildungsministerium, dem Institut Français Deutschland und France Éducation international. Entscheidend für die hohe Beteiligung dürfte ein zentraler Punkt sein: Für alle Kinder, die ab der ersten Klasse Französischunterricht haben, ist die Teilnahme kostenfrei. So soll sichergestellt werden, dass der Zugang zu einem international anerkannten Sprachzertifikat nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängt – ein Versprechen, das die Ausgezeichneten an diesem Tag mit ihren Urkunden mit nach Hause nehmen konnten.

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