Bis zum Jahr 2045 will das Saarland seine Energieversorgung vollständig klimaneutral aufstellen – und weiß nun erstmals genauer, wie dieser Weg konkret aussehen könnte. Eine Studie der Beratungsgesellschaft PWC im Auftrag des Wirtschafts- und Energieministeriums bündelt zentrale Fragen der kommenden zwei Jahrzehnte zu einem Gesamtbild. Ihr Kernbefund: Netto-Null-Emissionen sind machbar, wenn deutlich mehr Ökostrom erzeugt, die Infrastruktur konsequent ausgebaut und Wasserstoff dort eingesetzt wird, wo Strom keine Option ist.
Wie heizen die Menschen künftig ihre Häuser? Woher kommt der Strom für Industrie und Elektroautos? Und wie viel Energie muss das Land weiterhin von außen beziehen? Genau diese Fragen sollte die Untersuchung beantworten. Wirtschafts- und Energieminister Jürgen Barke stellte das Zielbild unter dem Titel „Gemeinsam Wandel schaffen – Die Energiewende im Saarland“ am Donnerstag beim Energiekongress 2026 vor. Es blickt erstmals bis zum Zieljahr 2045 voraus.
„Wir wissen, wo wir 2045 hinwollen. Jetzt wissen wir auch genauer, wie der Weg dorthin aussehen kann“, sagte Barke. Strom werde zum „Rückgrat unserer Energieversorgung“, Wasserstoff hingegen gezielt dort gebraucht, wo die Industrie nicht einfach elektrifizieren könne. Entscheidend sei aus seiner Sicht, dass die Energiewende „sicher, bezahlbar und wirtschaftlich machbar“ bleibe.
Ein bemerkenswerter Doppeleffekt zeichnet sich ab: Der Gesamtverbrauch sinkt, der Strombedarf steigt. Heute verbraucht das Saarland rund 41 Terawattstunden Energie im Jahr, bis 2045 könnte dieser Wert auf etwa 28 Terawattstunden fallen. Der Grund liegt in der höheren Effizienz elektrischer Technologien – Wärmepumpen arbeiten sparsamer als klassische Heizungen, Elektromotoren effizienter als Verbrennungsmotoren. Gleichzeitig wird das Land 2045 nach heutigen Schätzungen mehr als zweieinhalbmal so viel Strom benötigen wie 2023.
Die erneuerbare Stromerzeugung im Land soll bis dahin auf rund 10,1 Terawattstunden jährlich wachsen. Vollständig selbst versorgen kann sich das Saarland damit aber nicht. Begrenzte Flächen und konkurrierende Nutzungen setzen dem Ausbau Grenzen, weshalb Stromimporte Teil einer realistischen Rechnung bleiben. „Das Saarland ist ein dicht besiedeltes Industrieland“, betonte Barke. „Aber jede zusätzliche Windkraft- und Solaranlage macht uns unabhängiger.“ Vom Bund erwartet er verlässliche Rahmenbedingungen für Stromnetze, gesicherte Kraftwerksleistung und wettbewerbsfähige Preise.
Für jeden Sektor zeichnet die Studie einen eigenen Pfad. Die Industrie, die schon heute mehr als die Hälfte der Energie im Land verbraucht, soll ihre Prozesse effizienter und stärker elektrisch gestalten; Wasserstoff bleibt energieintensiven Anwendungen vorbehalten. Bei den privaten Haushalten liegt der größte Hebel beim Heizen: Rund 90 Prozent der Raumwärme und etwa 75 Prozent des Warmwassers stammen bislang aus fossilen Quellen. Bessere Gebäudedämmung, Wärmepumpen und – wo sinnvoll – Wärmenetze sollen das ändern. Im Verkehr sorgt vor allem die Elektrifizierung für sinkenden Bedarf.
Das Zielbild verstehen die Verantwortlichen ausdrücklich nicht als Prognose, sondern als Orientierungsrahmen, der regelmäßig an neue Entwicklungen angepasst werden soll. Fünf Aufgaben stellt die Studie für die kommenden Jahre in den Vordergrund: eine bessere Datengrundlage, die Umsetzung der Wärmewende, einen schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien, eine engere Verzahnung der Finanzierung sowie eine stärkere Abstimmung von Strom-, Wärme- und Infrastrukturplanung. Die vollständige Fachstudie ist online unter www.saarland.de/energiewende2045 abrufbar.



















