Symbolbild

40 Projekte haben sich im Jahr 2020 bei der Saarland Medien GmbH um eine Filmförderung beworben. Acht dieser Projekte erhalten nun eine Förderung von insgesamt 80.000 Euro. Bei der Auswahl der Projekte beriet ein Förderausschuss die Saarland Medien: Martin Hofmann, freier Produzent, Gabriella Bandel, ehemalige Leiterin des Filmfestivals Max Ophüls Preis sowie der Leiter des Saarbrücker Kinos Achteinhalb, Waldemar Spallek, prüften und diskutierten die Anträge der Filmschaffenden und sprachen eine Empfehlung für acht Filmvorhaben aus. 

Ruth Meyer, Geschäftsführerin der Saarland Medien GmbH, bedankte sich bei allen Bewerber*innen für die Einreichung ihrer vielfältigen Konzepte und wünschte den geförderten Projekten viel Erfolg bei der Umsetzung: „Auch im Bereich der Filmproduktion sorgt die Corona-Pandemie für erschwerte Bedingungen. Umso mehr freut es mich zu sehen, dass im Saarland so viele spannende Stoffe erdacht und umgesetzt werden. Wir werden unseren Beitrag zum Erhalt der saarländischen Filmlandschaft weiterhin leisten.“

Aufgrund der Einschränkungen der Corona-Pandemie wird die Vergabe der Filmförderungen in dieser Förderperiode erstmals online stattfinden. Das Video zur Preisverleihung steht ab Freitag, dem 22.01.2020; 16:00 Uhr online auf dem YouTube Kanal der Landesmedienanstalt Saarland unter youtube.com/user/lmsaar zum Abruf bereit.

Die geförderten Filmprojekte:

18 in Deutschland
(Dokumentarfilm, Bunkhouse Film, Philipp Majer) – 17.000 €
Der Film begleitet fünf junge Menschen aus unterschiedlichsten Regionen und sozialem Umfeld über den Zeitraum eines Jahres. Die Gemeinsamkeit: ihr Alter. Die ProtagonistInnen werden in ihren Lebenswirklichkeiten gezeigt, die Kamera geht dabei ganz nah ran und erschafft so ein intimes Bild vom Erwachsenwerden. Dieser Film ist ein Zeitdokument, gesehen durch die Augen junger Menschen, das uns besser verstehen lässt, wie dieses Land tickt, welche Chancen es den Portraitierten bietet, welche Steine ihnen in den Weg gelegt werden und wo die Zukunft hinführt.

Kurzzeitschwester
(Dokumentarfilm, DRIVE Beta GmbH, Philipp Lippert) – 15.000 €
Philipp und Vanessa sind Geschwister und doch irgendwie nicht: Sie wachsen als Gleichaltrige eng verbunden in derselben Familie auf und teilen deshalb einige gemeinsame Erinnerungen – bis zu dem Moment, in dem Vanessa aus Philipps Leben verschwindet. Sechs Jahre ist er damals alt. Genaueres weiß der heute erwachsene Philipp nicht. Das Thema wurde zum Tabu in seiner Familie, denn Vanessa, die als Pflegekind zu den Lipperts kam, wurde nach zweieinhalb Jahren wieder abgegeben – entgegen aller guten Vorsätze der Familie, Vanessa bei sich aufwachsen zu lassen. In „Kurzzeitschwester” begibt Philipp Lippert sich als Regisseur des Films und Protagonist 18 Jahre nach Vanessas Verschwinden auf Spurensuche in seiner Familiengeschichte und versucht, die Beweggründe seiner Familie zu verstehen und seine Schwester wiederzufinden.

Somnambule
(Kurzfilm, BB Film, Oona von Maydell, Katrin Gärtner) – 14.000 €
Rebeka will den Umzug ihrer Großmutter Lore in ein Heim verhindern. Anfangs wehrt sie sich noch dagegen, dass es keine Alternative zu geben scheint. Doch als auch sie im Umgang mit ihrer dementen Oma überfordert ist und sich nicht länger um sie kümmern kann, da ein Auslandsjahr ansteht, muss sie sich der bitteren Wahrheit stellen. Machtlos muss sie erkennen, dass der Umzug in einem Heim unumgänglich ist.

Blockchains – Revolution oder Rohrkrepierer
(Dokumentarfilm, Roman Eich) – 12.000 €
Dass eine Technologie mit 270 Milliarden US-Dollar Kapitalisierung und 60 Milliarden US-Dollar täglichem Handelsvolumen noch nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, scheint schwer vorstellbar. Zumal der Blockchain-Technologie mitunter zugetraut wird, ganze Währungssysteme und Bürokratieapparate von Staaten zu verändern oder gar obsolet zu machen. Bisher trat die Blockchain eher als hochriskantes Spekulationsobjekt in Erscheinung. Diese Sichtweise greift jedoch entschieden zu kurz, egal, welches Dasein Blockchains in Zukunft fristen werden.
Der Film bringt den Zuschauer*innen die Technologie näher, geht der Frage nach, wie der Stand der technischen Entwicklung ist, welche konkreten Anwendungen abseits der als Kryptowährung es bereits gibt und wie sie unser Leben am vermutlich stärksten verändern wird.

Der Mensch ist vergessen, wenn sein Name vergessen ist
(Dokumentarfilm, Carpe Diem, Barbara Wackernagel) – 10.000 €
Richard Bermann, in seinem 80. Lebensjahr, hat 24 Jahre für die Synagogengemeinde Saar gewirkt und ist ein gut vernetzter und politischer Vorsitzender. Er wird im Herbst 2020 sein Amt übergeben, Anlass um sich ihm filmisch als Person und als steter Malmer für jüdisches Leben und gegen antisemitische Tendenzen zu nähern. Seine persönliche Geschichte, in Frankreich geboren, wohin seine Eltern nach der Saarabstimmung 1935 geflohen waren, aber eben auch seine versöhnende Arbeit und sein Einsatz für die Erinnerungskultur, ist gesellschaftlich relevant – und das ganz besonders, da das Jahr 2021 zum Erinnerungsjahr zu „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ ernannt wurde.

(T)Oxygen
(Mittellanger Film, John Never) – 8.000 €
Die Erde liegt brach, es gibt keine saubere Luft mehr. Zudem ist der  Himmel durch dichten Smog verfinstert. Die Menschen sind gezwungen, sauerstoffanreichernde Atemmasken zu tragen. Der lebensnotwendige Sauerstoff wird ihnen jedoch erst nach harter Arbeit in Fabriken, als Lohn, ausgezahlt. Gahl, ein Arbeiter, welcher sich zusätzlich um seinen gehbehinderten Vater kümmert, wird während der Arbeit seines Sauerstoffvorrats beraubt. Er bemerkt den Diebstahl und verfolgt den Dieb durch die engen Fabrikgänge, um ihn schließlich auf einer Plattform, welche über ein Abwasserbecken ragt, zu stellen. Bei der darauf folgenden Rangelei, stürzt der Dieb jedoch, samt Sauerstofftank, in das giftige Abwasserbecken und stirbt. Einzig das Gerät, mit dessen Hilfe der Dieb Gahls Sauerstoff abgepumpt hat, bleibt zurück. Gahls Sauerstoffvorrat neigt sich dem Ende zu. Um sein Überleben und das Leben seines Vaters zu sichern, muss er schnellstmöglich an neuen Sauerstoff gelangen.

Des Kaisers neue Krone
(Dokumentarfilm, Walter Schmuck) – 3.000 €
Wir befinden uns in einer Zeit des Umbruchs: Die Digitalisierung erreicht eine neue Stufe. Die Kommunikation in unserer modernen Welt befindet sich im steten Wandel. Die Kulturen der Menschen scheinen den Bedürfnissen des Marktes angepasst zu werden. Und dann kommt auch noch eine Pandemie. Eine Orientierung ist für viele Menschen unmöglich geworden. So greifen sie auf die ihnen vertrauten Muster zurück: Den Kampf um ihre Freiheit, für die Liebe, gegen das Böse. Doch wer oder was ist der Gegner, wer die Verbündeten? Diese Fragen müssen für Kämpfende schnell geklärt werden, daher werden sie oft nicht ausreichend überlegt: Abstruse Verschwörungstheorien halten Einzug in die Mitte der Gesellschaft. Proteste in vielen Formen kommen auf. Der Widerstand in der Bevölkerung wächst und die Ziele, wofür und wogegen er sich richtet, variieren derartig, dass ein Konsens unter den Menschen nicht mehr erkennbar ist. Dieser Film soll eine Analyse unserer gegenwärtigen Welt sein. Der Versuch einer Orientierung für alle, die im Gewirr der Zeiten ihren Weg suchen und sich fragen, was man noch glauben kann, darf und sollte.

Misfits
(Langfilm, BB Film, Oona von Maydell) – 1.000 €
Misfits erzählt die Geschichte der Schwestern Silke (11) und Kerstin (9). Durch einen Badeunfall verlieren sie ihren Vater. Ihre Mutter, die durch einen Schicksalsschlag schwer psychisch krank wird, kann sich nicht weiter um die Kinder kümmern. Die Schwestern wachsen in einem Wohnheim auf. Nur an den Wochenenden verbringen sie Zeit mit ihrer dahinvegetierenden Mutter Marion (33). Marion vernachlässigt die Kinder, was zu großen Tiefschlägen führt. Das Jugendamt entscheidet, dass die Kinder vorerst nicht mehr nach Hause dürfen. Aus Sehnsucht aber büchsen sie aus dem Heim aus. Sie wollen in der psychiatrischen Klinik ihre Mutter aufsuchen. Doch dort kommen sie nie an.

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