Wie Steuern unternehmerische Entscheidungen lenken, wo Konzerne ihre Gewinne verbuchen und welche Folgen die wachsende Transparenzpflicht in der EU für Firmen und Finanzbehörden hat – diesen Fragen widmet sich Regina Ortmann künftig an der Universität des Saarlandes. Die Wirtschaftswissenschaftlerin übernimmt dort zum 1. Mai 2026 die Professur für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Betriebswirtschaftliche Steuerlehre.
Ortmanns Forschung kreist um ein Kernproblem der internationalen Besteuerung: Unternehmen, die über Ländergrenzen hinweg tätig sind, nutzen häufig Steuersatzgefälle zwischen verschiedenen Staaten, um ihre Abgabenlast zu senken. Die Europäische Union und weitere Länder haben deshalb in den vergangenen Jahren die steuerliche Berichterstattung für Konzerne deutlich verschärft. Ziel dieser Transparenzinitiativen ist es, Gewinnverlagerungen einzudämmen. Genau an dieser Schnittstelle setzt Ortmann an: Sie untersucht mit analytisch-modelltheoretischen Methoden, welche Wirkung erhöhte Transparenzanforderungen auf das Verhalten von Konzernen tatsächlich entfalten.
Besondere Expertise bringt die Professorin aus dem Transregio-Sonderforschungsbereich „Accounting for Transparency“ (TRR 266) mit, an dem über hundert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Hochschulen beteiligt sind. Dort war sie von 2019 bis 2023 als Principal Investigator tätig. In Saarbrücken will sie dieses Forschungsfeld gezielt weiterentwickeln und sich unter anderem mit den Konsequenzen der europäischen Meldepflicht für grenzüberschreitende Steuergestaltung – bekannt unter dem Kürzel DAC 6 – befassen. Im Fokus steht dabei, welche Auswirkungen diese Regelung sowohl auf Unternehmen als auch auf Finanzbehörden hat.
Neben der Forschung verfolgt Ortmann an der Saar-Universität ambitionierte Ziele in der Lehre und in der Vernetzung. Sie plant ein Engagement im Institut für empirische Wirtschaftsforschung und strebt eine enge Zusammenarbeit mit den bestehenden betriebswirtschaftlichen Professuren von Alexander Baumeister, Alois Knobloch und Michael Olbrich an, die in den Bereichen Controlling, Rechnungswesen und Finanzwirtschaft sowie Wirtschaftsprüfung forschen und lehren. Darüber hinaus möchte sie den Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in der Region stärken.
Ihr Lehransatz ist interdisziplinär angelegt. An den Universitäten Paderborn, Bielefeld und Cottbus hat Ortmann bereits Veranstaltungen angeboten, die weit über den Kernbereich der Steuerlehre hinausreichten und auch Controlling sowie Wirtschaftsprüfung einbezogen. Komplexe Zusammenhänge aus verschiedenen fachlichen Blickwinkeln zugänglich zu machen, ist ihr erklärtes Ziel – ein Ansatz, der 2019 mit dem Lehrpreis der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Paderborn gewürdigt wurde. Seit 2018 gibt sie zudem ihr Wissen als Referentin im Weiterbildungsstudiengang LL.M. Unternehmenssteuerrecht an der Universität zu Köln weiter.
Ortmanns akademischer Weg führte sie von einem BWL-Studium in Paderborn über eine Promotion an der Wirtschaftsuniversität Wien im Rahmen des interdisziplinären Doctoral Program for International Business Taxation bis zur Juniorprofessur für Internationale Unternehmensbesteuerung, ebenfalls in Paderborn. Forschungsaufenthalte an der Stanford Graduate School of Business, der Norwegian School of Economics und der UNC Kenan-Flagler Business School at Chapel Hill prägten ihre internationale Perspektive. Zuletzt hatte sie eine Professur für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre und Controlling an der Universität Bielefeld inne, bevor sie nun den Ruf nach Saarbrücken annahm.



















