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Mehr als die Hälfte der deutschen Industrieunternehmen sieht in humanoiden Robotern ein wirksames Mittel gegen den Fachkräftemangel. Das geht aus einer repräsentativen Befragung von 555 Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes hervor, die der Digitalverband Bitkom zum Start der Hannover Messe am 20. April 2026 veröffentlicht hat. Demnach sind 58 Prozent der befragten Betriebe mit mindestens 100 Beschäftigten überzeugt, dass menschenähnliche Roboter mit künstlicher Intelligenz dazu beitragen können, offene Stellen in der Produktion zu kompensieren.

Die Erwartungen gehen dabei über das reine Schließen von Personallücken hinaus. 68 Prozent der Industrieunternehmen trauen der Technologie zu, Arbeitsunfälle zu verringern – etwa dort, wo extreme Hitze, schwere Lasten oder der Umgang mit Schadstoffen den Alltag prägen. Was vor wenigen Jahren noch nach ferner Zukunft klang, ist in einzelnen Fabriken bereits Realität: Humanoide Roboter schweißen Metallteile, transportieren Werkstücke und übernehmen Aufgaben, die für Menschen besonders belastend oder riskant sind.

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„Geopolitische Unsicherheiten, die wirtschaftliche Lage und der demographische Wandel setzen die deutsche Industrie unter Druck“, ordnete Bitkom-Vizepräsidentin Dr. Tanja Rückert die Ergebnisse ein. „Humanoide Roboter können hier Teil der Lösung sein: Sie können die Unternehmen leistungsfähiger machen und Aufgaben dort übernehmen, wo Arbeiten besonders gefährlich und risikobehaftet sind oder Personal fehlt.“ Trotz dieser Zuversicht steckt die praktische Verbreitung noch in den Anfängen. Gerade einmal sechs Prozent der Unternehmen setzen die Technologie bislang tatsächlich ein. Zehn Prozent planen den Einsatz konkret, weitere acht Prozent diskutieren intern darüber.

Bemerkenswert ist der Blick in die Zukunft: Nahezu die gesamte deutsche Industrie – 97 Prozent – kann sich zumindest langfristig vorstellen, humanoide Roboter in der Breite der Produktion zu nutzen. Gleichzeitig registrieren die Unternehmen in ihren eigenen Belegschaften erhebliche Vorbehalte. 62 Prozent geben an, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dem Einsatz skeptisch gegenüberstehen. Die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz dürfte dabei eine zentrale Rolle spielen.

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Rückert betonte, dass die Technologie bei richtigem Einsatz den Menschen unterstütze, die Produktivität steigere und so die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie sichere – und damit bestehende Arbeitsplätze erhalte oder neue schaffe. „Damit dies gelingt, müssen Unternehmen ihre Belegschaft frühzeitig einbinden, Sorgen ernst nehmen und Berührungsängste durch gezielte Aus- und Weiterbildung abbauen“, sagte die Bitkom-Vizepräsidentin. Die Umfrage, durchgeführt von Bitkom Research per Telefoninterviews zwischen der sechsten und elften Kalenderwoche 2026, zeichnet damit ein differenziertes Bild: Die Industrie erkennt das Potenzial humanoider Roboter fast geschlossen an, doch zwischen strategischer Offenheit und operativer Umsetzung klafft noch eine deutliche Lücke. Ob sich diese in den kommenden Jahren schließt, hängt nicht zuletzt davon ab, wie gut es den Unternehmen gelingt, ihre Beschäftigten auf dem Weg mitzunehmen.

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