Foto: Staatskanzlei des Saarlandes
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In der Saarbrücker Staatskanzlei haben sich am Dienstag, 12. Mai 2026, die saarländische Landesregierung und Vertreter der katholischen Kirche zu einem Austausch getroffen, der weit über das übliche Protokoll hinausging. Im Mittelpunkt stand eine Frage, die beide Seiten gleichermaßen umtreibt: Wie lassen sich Zusammenhalt und Demokratie in einer Zeit verteidigen, in der Polarisierung und Vertrauensverlust an Kraft gewinnen?

Ministerpräsidentin Anke Rehlinger empfing die Bischöfe und Delegationen der Bistümer Trier und Speyer zu einem Gespräch, das bewusst breit angelegt war. Neben der geplanten Novellierung des saarländischen Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsgesetzes ging es vor allem um die gemeinsame Verantwortung von Kirche und Politik in Umbruchszeiten. Beide Seiten suchten nach konkreten Ansätzen, wie ihre Zusammenarbeit angesichts gesellschaftlicher Krisen tragfähig bleiben kann.

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Rehlinger betonte die Dringlichkeit des Dialogs zwischen den Institutionen. „Gerade in einer Zeit, in der Polarisierung zunimmt und das Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen herausgefordert ist, kommt dem Austausch zwischen Kirche und Politik besondere Bedeutung zu“, sagte die Ministerpräsidentin. Beide Seiten wirkten auf unterschiedliche Weise in die Gesellschaft hinein und könnten dort Orientierung geben, wo Verunsicherung wachse. Es gelte, gemeinsame Werte sichtbar zu machen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt ebenso wie die Demokratie entschlossen zu stärken.

Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann schlug in eine ähnliche Kerbe. Es brauche Räume des Dialogs, der Orientierung und des respektvollen Miteinanders, erklärte er. „Kirchen und Landesregierung tragen gemeinsam Verantwortung dafür, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und Menschen zu ermutigen, sich für Menschenwürde, Demokratie und Solidarität einzusetzen“, so Wiesemann. Seine Worte machten deutlich, dass die katholische Kirche im Saarland ihre gesellschaftspolitische Rolle keineswegs als nachrangig betrachtet.

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Deutlich alarmierender fiel die Einschätzung des Trierer Bischofs Stephan Ackermann aus. Er richtete den Blick gezielt auf die jüngere Generation und formulierte seine Sorge ohne Umschweife: „Ich beobachte mit großer Sorge, dass bei jungen Menschen Parteien Zulauf haben, die nationale Egoismen und populistische Narrative bedienen.“ Gerade deshalb sei es unverzichtbar, für die demokratischen Grundwerte erkennbar einzustehen und Demokratiebildung aktiv zu fördern. Ackermanns Appell verlieh dem Treffen eine Schärfe, die über den üblichen Rahmen solcher Begegnungen hinausreichte.

Das Treffen in der Staatskanzlei reiht sich in eine Tradition regelmäßiger Gespräche zwischen Landesregierung und Kirchen ein, gewinnt aber vor dem Hintergrund aktueller politischer Entwicklungen an besonderem Gewicht. Dass beide Seiten nicht nur Gemeinsamkeiten betonten, sondern auch konkrete Handlungsfelder wie die Bildungspolitik und die Demokratieförderung benannten, zeigt den Willen, den Dialog über bloße Symbolik hinaus mit Substanz zu füllen.

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