Foto: MIBS/R. Khalil
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375 Millionen Euro stellt der Bund bereit, um das HIL-Werk in St. Wendel zu einem hochmodernen Kompetenzzentrum für schwere Kettenfahrzeuge umzubauen – und bei der Umsetzung dieses Großprojekts geht das Saarland nun einen Weg, der in Deutschland bislang kaum beschritten wurde. Staatssekretär Torsten Lang stellte am 6. Mai 2026 den aktuellen Sachstand vor und gab den Startschuss für ein Vergabeverfahren, das auf dem Prinzip der sogenannten Integrierten Projektabwicklung basiert. Am 7. Mai 2026 folgt von 14 bis 16 Uhr eine digitale Marktinformationsveranstaltung, bei der sich Planungsbüros und Baufirmen über das Vorhaben informieren können.

Der Kern des neuen Ansatzes: Bauherr, Planer und ausführende Unternehmen arbeiten nicht mehr nacheinander, sondern von Beginn an gemeinsam in einem Team. Begleitet von externen Beratern, sollen innerhalb von rund zwölf Monaten sechs Partner gewonnen werden – drei für Planungsvergabepakete, drei für Ausführungsvergabepakete. Bisher war es üblich, zunächst Planer zu beauftragen, dann Ausschreibungen durchzuführen und erst danach Baufirmen ins Boot zu holen. Dieses sequenzielle Vorgehen zog sich in der Vergangenheit mitunter über mehrere Jahre hin.

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Ein zentrales Element der Integrierten Projektabwicklung ist ein Mehrparteienvertrag, der alle Beteiligten bindet. Darin wird festgelegt, dass Chancen und Risiken gemeinschaftlich getragen werden – Auftragnehmer profitieren also von Einsparungen, haften aber ebenso bei Mehrkosten. Dieses Modell soll für Kosten- und Terminsicherheit sorgen, die Qualität steigern und Konflikte zwischen den Projektpartnern vermeiden. Zusätzlich ist ein gemeinsamer Co-Working-Space geplant, in dem das gesamte Team vor Ort zusammenarbeitet. Die Suche nach einer geeigneten Räumlichkeit in St. Wendel läuft bereits.

Foto: MIBS/R. Khalil

„Mit dem neuen System erhalten wir gleich ein ganzes Paket an Vorteilen: Planung und Ausführungen erfolgen äußerst effizient durch die frühe Bildung eines Teams, die Arbeitsweise ist maximal transparent und die Verantwortung wird gemeinsam getragen“, sagte Staatssekretär Lang. Die gewonnene Zeit wirke sich unmittelbar auf die Region aus, betonte er. Perspektivisch entstehen am Standort bis zu 160 neue Arbeitsplätze, die Stadt und Landkreis St. Wendel wirtschaftlich erheblich stärken sollen.

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Lang hob zudem die Vorreiterrolle des Saarlandes hervor. „Darüber hinaus freut es mich besonders, dass das Saarland eine Vorreiterrolle bei der Nutzung dieses neuen Projektabwicklungsmodells einnimmt. In Deutschland findet es bisher erst wenig Verwendung, wird aber international bereits häufiger herangezogen“, erklärte er. Tatsächlich ist die Integrierte Projektabwicklung in Ländern wie Finnland oder Australien seit Jahren etabliert, während sie hierzulande noch weitgehend Neuland darstellt.

Das Bauvorhaben selbst hat eine strategische Dimension, die weit über die Region hinausreicht. Im künftigen Kompetenzzentrum KETTE – der Name leitet sich vom kettenbasierten Fahrwerk der Fahrzeuge ab – werden sämtliche Instandsetzungsleistungen an schwerem Gerät der Bundeswehr gebündelt. Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 und Schützenpanzer Puma sollen dort gewartet, repariert und wieder einsatzbereit gemacht werden. Das Projekt zählt zu den militärischen Infrastrukturmaßnahmen für die Landes- und Bündnisverteidigung und macht St. Wendel damit zu einem zentralen Knotenpunkt der deutschen Heereslogistik.

Die digitale Marktinformationsveranstaltung am 7. Mai richtet sich an alle Unternehmen, die sich ein Engagement bei diesem Großprojekt vorstellen können. Interessierte erhalten dort die nötigen Details, um zu entscheiden, ob sie ein Angebot abgeben wollen. Für St. Wendel und das Saarland markiert der Umbau des HIL-Werkes einen Meilenstein – sowohl wirtschaftlich als auch als Testfeld für eine Vergabepraxis, die den Bau öffentlicher Großprojekte in Deutschland grundlegend verändern könnte.

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