Bild: Bill Titze.

Im Saarland gibt es nur zwei Naturbühnen, eine davon steht in Gräfinthal in der Gemeinde Mandelbachtal. Jahr für Jahr werden dort vor großem Publikum unterhaltsame Stücke für Groß und Klein gespielt. Welche Aufführungen in diesem Jahr geplant sind und welches Engagement dahinter steckt, hat HOMBURG1 bei einem Ortsbesuch erfahren.

Wer die Ochsenklamm in Gräfinthal betritt, der fühlt sich derzeit wie in eine andere Zeit versetzt. Ganz oben thront ein in frischer Farbe strahlendes Schloss, während ringsum Wirtschaftsgebäude für ein Flair wie aus früheren Jahrhunderten sorgen. Natürlich ist weder das Schloss aus Stein gebaut und auch die anderen Gebäude werden nicht von Handwerkern genutzt. Vielmehr ist es die Kulisse für das Stück „Pension Schöller“, das in diesem Jahr auf der Gräfinthaler Naturbühne zu sehen sein wird.

120 Jahre ist die Komödie alt, in der ein Gutsbesitzer ein vermeintliches Irrenhaus mal live erleben darf – und dabei schnell die Frage aufkommt, was „irre“ eigentlich bedeutet. Ganz so alt ist die Naturbühne Gräfinthal nicht, aber doch hat auch sie schon einige Jahre auf dem Buckel. Bereits seit 1932 werden die Zuschauer dort mit bestem Amateurtheater unterhalten. Denn genau das ist es: ein Theater von Menschen, die ihre Freizeit dafür aufopfern, um den Besuchern im Sommer ein paar schöne Stunden bescheren zu können.

Bild: Bill Titze

Rund 60 Schauspieler stehen in diesem Jahr auf der Bühne, dabei kommen die meisten aus Bliesmengen-Bolchen, dem Ort zu dem Gräfinthal gehört. „Es gibt aber auch Leute aus den umliegenden Dörfer und auch aus Saarbrücken, die mitmachen“, sagt Michael Nagel, der 1. Vorsitzende des Kulturvereins Bliesmengen-Bolchen. Und „mitmachen“ heißt auf der Gräfinthaler Naturbühne nicht nur den Text auswendig zu lernen und am Tag X mit Mimik und Gestik überzeugen zu können. Nein, es bedeutet zum Beispiel auch die Kulissen jedes Jahr neu zu bauen.

Die Proben befinden sich bereits in den letzten Zügen. Bild: Bill Titze.

Dabei werden die kompletten Baupläne selbst erstellt und schließlich in Eigenregie verwirklicht. Zuvor muss aber natürlich noch das Stück ausgesucht werden, was meistens schon im Vorjahr passiert. „Im Prinzip sind wir thematisch für alles offen, aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Leute beim Amateurtheater was zum Lachen wollen“, verrät Nagel, wieso doch in erster Linie Komödien auf dem Spielplan stehen.

Bild: Bill Titze.

Der umfasst neben einem Stück für Erwachsenen immer auch eines für Kinder. So wird in dieser Saison nicht nur „Pension Schöller“ gespielt, sondern auch „Der gestiefelte Kater“. Das Märchen seien zwar ohnehin ein Dauerbrenner, so Nagel. Aber beim „Gestiefelten Kater“, kommen noch andere Faktoren dazu, die die Spielleitung überzeugt haben. „Die Geschichte wurde nicht tot gespielt und bietet außerdem so viel Freiraum, dass man noch etwas dazu machen kann.“ Die Zuschauer können sich also auf die ein oder andere Überraschung freuen, auch wenn das Grundkonstrukt des Märchens beibehalten wird, wie der Vorsitzende des Kulturvereins betont.

Auch bei der Naturbühne ist das Prinzip natürlich das gleiche geblieben, die Besucher sollen in malerischer Kulisse unterhalten werden. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, wird jedoch immer wieder an Verbesserungen geschraubt. Sei es bei der Mikrofonie und der Technik oder im wahrsten Sinne des Wortes an den Kulissen. Das in neuem Glanz erstrahlende Schloss hat beispielsweise in diesem Jahr seinen ersten „Auftritt“. „Der Vorgängerbau war Jahrzehnte alt. Deshalb haben wir die Corona-Zeit genutzt, um dieses Projekt zu verwirklichen.“

Bild: Bill Titze.

Dabei soll es auf Sicht jedoch nicht bleiben. Denn auch in Gräfinthal möchte man mit der Zeit gehen und hat verschiedene andere Investitionen im Auge. Stichwort Barrierefreiheit. „Wir wollen die Anlage in Zukunft so gestalten, dass auch Menschen im Rollstuhl besser zuschauen können“, blickt Nagel voraus. Und auch die Energiefrage geht an der Ochsenklamm nicht vorbei. So ist geplant, die großen Scheinwerfer, die die Naturbühne überragen, mit LED-Technik auszustatten. Die verbrauchen weniger Strom und sind gleichzeitig sogar noch effektiver.

Bild: Bill Titze.

Für die vielen Besucher, die Jahr für Jahr zur rund 1500 Zuschauer passenden Bühne pilgern, könnten die Theaterstücke also bald noch ein größeres Erlebnis werden. Wobei der Zuspruch zeigt, dass die Stücke auf der Naturbühne auch jetzt schon ein echtes Erlebnis sind. Für Michael Nagel liegt das nicht nur daran, dass es eine solche Bühne im Saarland ansonsten nur noch in Hülzweiler gibt. „Am Freilichttheater ist vor allem die Weitläufigkeit so reizvoll. Es gibt einfach so viel, was passiert und was man beobachten kann.“ In der Ochsenklamm komme außerdem noch der Ton und die Beleuchtung dazu. „Es ist einfach etwas Besonderes.“

Alle Infos zu Karten, Anreise und Terminen unter https://www.naturbuehne-graefinthal.de/.

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